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Dorfkind oder Stadtmensch?

Wo man am besten leben kann, empfindet jeder anders. Goethe.de/kultur hat vier Leute gefragt, wieso sie sich für ein Leben auf dem Land oder in der Stadt entschieden haben.

Silvia Schuth, 42, ist in Haselünne im Emsland aufgewachsen und für ihre Ausbildung nach Köln gezogen, wo sie seit 22 Jahren mit ihrem Mann und zwei Kindern lebt.

Ich bin nach dem Schulabschluss nach Köln gezogen. Mein Mann und ich sind beide auf dem Land groß geworden und haben zwischenzeitlich auch mal überlegt, mit den Kindern wieder dorthin zurückzuziehen. Mein Mann hatte sich dort sogar schon einen Job gesucht. Aber ich bin froh, dass wir es verworfen haben. Mir gefällt das Stadtleben einfach besser, weil wir hier alles in Reichweite haben – die Arbeit, Kino, Fitnessstudio, Restaurants und Cafés. Die Jungs fahren mit den Rädern zum Fußballverein und mit der Straßenbahn sind wir in zwölf Minuten am Hauptbahnhof. Köln bietet einfach mehr Möglichkeiten. Wenn wir meine Mutter in Haselünne besuchen, genießen wir zwar das große Haus mit Garten, und die Kinder freuen sich, wenn sie in den Ferien mal eine Woche bei der Oma auf dem Land sind. Mir ist es dort aber auf Dauer zu langweilig. Ich schätze auch manchmal die Anonymität der Großstadt. Die Verpflichtungen, sich etwa an allen Geburtstagen zu treffen, wie es auf dem Land üblich ist, wären mir zu viel. Selbst im Alter möchte ich eher in der Stadt bleiben. Hier ist die Anbindung besser, falls ich mich mit einem Rollator fortbewegen müsste oder auf einen Pflegedienst angewiesen wäre.

Stefan Gieren, 38, freier Drehbuchautor und Filmproduzent, ist mit seiner Frau und fünf Kindern von Hamburg ins Wendland gezogen, wo sie einen alten Bauernhof renoviert haben.

Wir haben uns entschieden aus der Stadt wegzuziehen, weil unsere 65-Quadratmeter-Wohnung im Grindelviertel für uns zu klein geworden ist. Für eine passende Wohnung in Hamburg würden wir über 2.000 Euro monatlich zahlen. In Lemgow in Niedersachsen, wo rund 100 Menschen leben, haben wir für 30.000 Euro ein 120-Quadratmeter-Haus gekauft und die Renovierungsarbeiten selbst erledigt. Meine Frau und ich sind auf dem Land groß geworden, und wir wollten das auch unseren Kindern ermöglichen. Man kann unbeschwert leben, kein Lärm und keine Verschmutzung, keine Gefahren auf der Straße. Es gibt Tiere, Wiesen und Wälder. Der nächste Supermarkt liegt vier Kilometer entfernt, bis zum nächsten Ort mit Bahnhof sind es 13 Kilometer. Wir fühlen uns sehr wohl auf dem Dorf, besonders wegen der netten Nachbarn, die oft in alternativen Lebensformen und Kommunen organisiert sind. Die Verpflegung wird über eine „solidarische Landwirtschaft“ geregelt: Die lokalen Bio-Erzeugnisse werden den Mitgliedern der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt und jeder zahlt dafür so viel er kann. Verluste kompensieren wir gemeinschaftlich. Das funktioniert super!

Magdalena Müller, 89, lebt schon immer im Kölner Stadtteil Vingst.

Ich bin in der Stadt geboren und will hier wohnen bleiben. Ich schätze die Vertrautheit mit Nachbarn und Geschäften in meiner Umgebung. Einige Schulfreundinnen von mir leben noch hier, die treffe ich regelmäßig; mit meiner Tochter und meinen Enkelinnen gehe ich auch mal essen oder in eine Ausstellung. Die Infrastruktur ist super organisiert: Bäckereien, Apotheken, Ärzte und auch der öffentliche Nahverkehr liegen in der Nähe. So bin ich immer noch mobil. Ein Leben auf dem Land mag ich mir nicht vorstellen, das wäre mir zu eintönig. Mir wären dort auch die Wege zu weit, da bräuchte ich ja einen Führerschein. Ich lebe sehr gerne hier, auch wenn sich einiges zum Nachteil entwickelt hat. Sie haben uns etwa einen Schrottplatz vor die Nase gesetzt, außerdem führt eine Bahnstrecke an meiner Wohnung vorbei, was viel Lärm bedeutet. Schade ist auch, dass viele kleine Geschäfte schließen mussten. Aber wir haben genügend Grünflächen in der Stadt, etwa ein kleines Wäldchen mit schönen Bänken ganz in der Nähe.

Jochen Strach, 45, Tennistrainer aus Biberach bei Offenburg, kehrte nach sechs Jahren in Hamburg wieder in seinen Heimatort zurück.

Nach sechs Jahren in Hamburg war ich froh, wieder in meine Heimat in Baden-Württemberg zurückzukehren. Ich habe mich in der Großstadt nie heimisch gefühlt: Zu kalt war nicht nur das Klima in Hamburg, auch die Menschen wirkten unterkühlt. Auf dem Dorf grüßt man sich, lächelt sich an und spricht miteinander. Das genieße ich. Auch die Berge und die Natur haben mir gefehlt. In der Stadt war es zu hektisch, zu laut, der Verkehr war zu viel und es gab wenige Parkplätze. Die Menschen in der Stadt stehen unter großem Erfolgs- und Leistungsdruck – das ist auf dem Dorf entspannter. In Hamburg war es aber einfacher als Tennistrainer zu arbeiten. Es gibt mehr Vereine und die Kinder kommen von selbst und wollen spielen. Auf dem Land ist es umgekehrt, man muss sie überzeugen. In Hamburg hatten die Kinder „Freizeit-Stress“, weil sie zu viele Hobbies haben. Bei uns auf dem Land haben Kinder auch mal einen freien Nachmittag. Ein Leben in einer Kleinstadt wie Freiburg könnte ich mir vielleicht vorstellen. Meine Wurzeln liegen aber auf dem Dorf, da gehöre ich hin.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf Goethe.de publiziert.

Autor: Tonio Postel arbeitet als freier Autor in Hamburg zu den Themen Bildung, Gesellschaft und Soziales.

Copyright Text: Goethe-Institut, Tonio Postel

Dieser Text ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Diskussion über Stadt- oder Landleben

Laut einer aktuellen Bertelsmann-Studie liegt in Deutschland das Wohnen in Klein- und Mittelstädte im Trend. Wie ist das bei Ihnen? Sind Sie ein Dorfkind oder ein Stadtmensch? Diskutieren Sie mit uns und anderen Deutschland-Alumni in der Community-Gruppe „Städte im Wandel“!

Community-Diskussion

Oktober 2018

Kommentare

Simone L.
15. April 2019

Kann gut verstehen, dass die künstlich erzeugte Goldgräberstimmung in den Großstädten abebbt. Deutschland hat aber mehr als nur Großstädte und Dörfer. Wir (gebürtige Großstädter Düsseldorf und München) sind zwar jetzt nicht direkt auf dem Land, aber aus Großstadtsicht, dennoch sehr ländlich. Es muss ja nicht immer nur die Wahl zwischen einer Millionenstadt, oder einem abgelegenen Kleinstdorf sein, viele kleinere Städte vereinen die Vorzüge von beiden Seiten und wir wollten dann auch noch eine internationalere, traditionsreiche, saubere und wachsende kleinere Stadt mit viel Wasser und sehr zentraler gut angebundener Lage für jede Altersklasse. Gefunden haben wir dies am zentralsten Ort in Niederbayern, direkt in der Metropolregion Donau-Moldau und angrenzend an die Metropolregion München, fast mittig zwischen Oberbayern, Oberpfalz, Tschechien und Österreich, genau an der Schnittstelle zwischen Gäuboden, Rottal (Golf und Thermenland) und Bayerischer Wald. Wir sind vor 5 Jahren von München nach Deggendorf (Kreisstadt mit ca. 37'000 Ewr.) gezogen und haben es NIE bereut, aber dafür durch unsere Bekannten aus München bei Besuchen oft erlebt, dass einige doch etwas neidisch waren und an einigen Tagen gerne länger bei uns geblieben wären. Internetgeschwindigkeit ist wie in einer Großstadt und Rettungsdienste brauchen nur wenige Minuten. Wir haben einen Bahnhof, Fernbusanbindung, Bahnknoten Plattling (mit ICE-Halt), 2 Autobahnen, Schifffahrt, Fernradwege, 3 größere und 2 kleinere Kliniken, Ärztehäuser, gute Schulen aller Art, Fachschulen, ausreichend Ärzte und Geschäfte, sowie ein gesundes wirtschaftliches Wachstum in einem sehr innovativen Oberzentrum. Die Technische Hochschule ist herausragend und die am schnellsten wachsende in Bayern. Deggendorf ist an zwei Stellen mit der Nachbarstadt Plattling (14'000 Ewr.) verwachsen und hat ein sehr schönes Ganzjahresbad, eine echte Donau-Strandbar, Promenade mit Lokalen, ein schönes besuchbares Gut Aiderbichl (Gnadenhof), Sportboothafen, Binnenhafen, Sportflugplatz, Skigebiet, Golfplatz, die Isar, die Donau, viele verschiedene Märkte, Feste und Veranstaltungen und wenige Minuten außerhalb des Stadtgebiets, einen Luftkurort mit Feng Shui Park, Alpakahof, Wildgehege, 2 Schlösser, 2 Klöster mit Basilika, Skigebiete und und und. Was es vor Ort nicht gibt, gibt es mit Sicherheit in der Nähe. Nach München fahren wir ca. 1 Std., nach Nürnberg ca. 1,5 Std. Innerhalb ca. 45 Min. (am Wochenende 1x quer durch München sind ebenfalls ca. 45 Min) fährt man mit dem Auto ab Deggendorf zum Flughafen München, zu 8 Thermen inkl. 4 Thermalkurorten im Golf. -und Thermenland, sowie nach Tschechien, dem Nationalpark, einem Tierpark, einem Vergnügungspark, diversen Freizeitparks und Luftkurorten, einem Bärengnadenhof, sowie zum drittgrößte Volksfest Bayerns und wirklich sehr vielen weiteren schönen Ausflugsorten. Innerhalb 30-35 Min. Fahrzeit kommt man nach Regensburg (Domstadt), Landshut, sowie nach Österreich und einiges mehr. In einer Fahrzeit unter 30 Min. hat man die Städte Passau (Dom. -und Festungsstadt), Straubing, Dingolfing, Vilshofen, Plattling, Osterhofen, Regen, Viechtach, Zwiesel, sowie einige weitere Städte und auch 2 weitere Tierparks, 2 weitere Vergnügungsparks, einen großen Buddh. Himalayagarten, diverse Freizeitparks, Wildgehege, das zweitgrößte Volksfest Bayerns, alte Burgen und Schlösser, Museen, Berge, Wald, große Skigebiete, die Vils, den Inn, die Ilz, den Regen, die Rott, diverse Kliniken und Fachkliniken, 2 Verkehrslandeplätze, kleinere Seen, Luftkurorte, Erholungsorte, Touristenorte, 3 der schönsten Weihnachtsmärkte Bayerns und vieles vieles mehr. (alles bei moderater Fahrweise). Einfach an einem schönen Sommerwochenende als Ausflug selbst ein Bild davon machen. Wir sind immer noch gerne und auch oft in München, aber auch jedes mal wieder froh, wenn wir dann aus der sinnlosen Großstadthektik wieder raus sind. Aus Freude über unsere wohl beste Entscheidung (auch für unsere Kinder) wollen wir lediglich unsere Gründe und Erfahrungen hier verdeutlichen und vielleicht sagen diesen Satz dann bald auch andere. Nach Feierabend einem Schiff im Sonnenuntergang Richtung schwarzem Meer oder Nordsee hinterher zu sehen, ist doch etwas anderes, als einige hundert Lkw auf der A99 im Stau vor sich zu haben. Ca. 2,5 Std. pro Tag mit dem Auto im Berufsverkehr im Stadtgebiet pendeln (eigene Erfahrung), macht bei (52x5-30) ca. 230 Arbeitstagen, dann 575 Stunden pro Jahr und bei ca. 40 Arbeitsjahren wären dies 23'000 Stunden gewesen = 958 Tage, oder 2,6 Jahre meines Lebens. Würde man die Schlafenszeit (z.B. 8 Std./Tag) die man überall braucht mit einkalkulieren und den Tag mit 16 Std. berechnen, dann käme man sogar auf 4 verschwendete Jahre wertvoller Lebenszeit nur durch das Arbeitsplatzpendeln in der eigenen Stadt, vom gesundheitsschädlichen Stress, der Hektik, dem Lärm und der schlechten Luft ganz zu Schweigen. Diese 2,6 - 4 Jahre mit seiner eigenen Familie etwas zu erleben, ist viel wertvoller als jeder vielleicht etwas besser bezahlter Großstadtjob mit ein paar Euro mehr, was man ohnehin dort zum Leben auch sofort wieder ausgeben muss. Uns bleibt jetzt etwa das gleiche Geld übrig und dies bei deutlich mehr Lebensqualität, frischem Gemüse aus dem Gäuboden, direkt vom Bauer, oder wie Obst vom Feld, besserer Luft, vielfältige Natur, Pilze und Beeren direkt aus dem Wald und sehr abwechslungsreiche Ausflugs. -und Entdeckungsmöglichkeiten, mehr Zeit für die Familie und alles ohne dass wir auf etwas wesentliches von früher verzichten, oder uns einschränken müssten. Klingt vieles vielleicht nach Werbung, ist aber wirklich nur Begeisterung die wir gerne teilen möchten und die Region vor allem mit Kindern, aber auch älteren Menschen sehr empfehlen können, wo Häuser auch für Normalverdiener noch erschwinglich oder zu Berufslebenszeiten noch abzahlbar sind. Für uns mit 3 Kindern + Hund, ist es eine der wenigen fast perfekten Kleinstädte in einem sehr abwechslungsreichen ländlichen Raum, unweit größerer Metropolen und deshalb können wir durchaus auch kleinere Städte in Deutschland als attraktiv empfehlen und einen Großstadtbesuch, z.B. zum Shoppen (macht man auch in der Großstadt nicht täglich) kann man ja trotzdem wenn man Lust hat immer wieder mal machen.

Anna Müller
19. Dezember 2018

Also ich finde das Leben in eine Stadt besser ist weil man hat alles in der Nähe und man muss nicht immer mit Auto dahin fahren .

Ia Butschaidze
11. Oktober 2018

Guten Tag. Ich komme aus Georgien und wohne in Tuschetien, wo es Naturschutzgebiete gibt. Dort wohnen wir nur wehrend des Sommers , und wohnen dort,wie in den Merchen. Dort gibt es frische Luft, sauberes Wasser und etwas sehr viele Ursprunglichkeit. Die Hoiser sind aus Schiefer gebaut worden. Kommen viele Touristen aus verschidene Lender, um meine Region zu besichtigen. Leider bis mitte Oktober sind diese Merchen beendet, weil der Weg wird geferlicher , alles wird mit Schnee bedeckt worden. Wir mussen nach Unten fahren. So bleiben es bis Anfang Juni. Dann , von Anfang Juni wird wieder unsere Merchen beginen....

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