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Fußballer Anthony Baffoe aus Ghana: „Meine Pünktlichkeit ist typisch deutsch an mir“

Als dritter afrikanischer Spieler überhaupt spielte Anthony Baffoe in der 1. Fußball-Bundesliga. Nach einer internationalen Karriere setzt er sich heute für die Weiterentwicklung des Fußballs in Ghana ein. Neben seiner Pünktlichkeit hat er aus Deutschland auch den Willen mitgenommen, nie aufzugeben.

Anthony Baffoe wurde 1965 als Sohn ghanaischer Eltern im Bonner Stadtteil Bad-Godesberg geboren. Der Diplomatensohn begann beim 1. FC Ringsdorff-Godesberg auf dem Mehlemer Sportplatz mit dem Vereinsfußball. 1983 spielte Baffoe als 18-jähriger zum ersten Mal für den 1. FC Köln und als dritter afrikanischer Spieler überhaupt in der 1. Fußball-Bundesliga.

Nach Stationen in der 2. Bundesliga bei Rot-Weiß Oberhausen, den Stuttgarter Kickers und Fortuna Köln wechselte er 1989 zum damaligen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf wieder in die 1. Bundesliga. Einen Teil der Ablösesumme bezahlte die Punk-Band Die Toten Hosen, die während einer Tournee unter dem Motto „Ein Bein für Toni Baffoe“ eine sogenannte „Fortuna-Mark“ auf den Eintrittspreis für ihre Konzerte aufgeschlagen hatten.

Anthony Baffoe spielte während seiner aktiven Laufbahn bis 2006 nicht nur in Deutschland, sondern auch für Clubs in Frankreich, Hongkong, Venezuela, Ghana und Südafrika. Außerdem lief er 16-mal für die ghanaische Nationalmannschaft auf, mit der er 1992 das Finale des Afrika-Cup erreichte.

Wer kickt eigentlich in der 1. Fußball-Bundesliga? Ein Blick in die Statistik zeigt: Inzwischen haben die ausländischen Spieler die deutschen Profis zahlenmäßig überholt. Eine Folge der globalisierten Welt, die auch Veränderungen des Sports mit sich bringt.

Ausländische Spieler in der Fußball-Bundesliga

Seit dem Ende seiner Karriere als Spieler lebt Baffoe in Ghana und schafft dort neue Strukturen im Fußball. 2006 wurde er Manager der ghanaischen Nationalmannschaft, 2009 gründete er eine Gewerkschaft für Fußballspieler. Die Professional Footballers Association of Ghana (PFAG) setzt sich für die Rechte der Spieler ein, organisiert Trainings für Fußballer, die aktuell keinen Vertrag haben, und lädt diese Spieler zu Freundschaftsspielen ein, damit Scouts auf sie aufmerksam werden können. Anthony Baffoe wurde außerdem vom Weltfußballverband FIFA zum Botschafter gegen Rassismus ernannt.

Die Wochenzeitung „Die Welt“ schrieb 2010 anlässlich der Fußball WM in Südafrika über Anthony Baffoe: „So gesehen ist Baffoe der geborene Fußballdiplomat, klug, gebildet, mehrsprachig, Botschafter seines Landes, seines Verbandes, ja Afrikas.“

Video: „Die Afrikanischen Legenden Thiam und Baffoe“ (englisch)

Wie haben Sie es empfunden, für Ihren Beruf als Fußball-Profi häufig den Verein, den Wohnort und sogar das Land zu wechseln und in einer neuen/anderen Kultur zu leben?

Anthony Baffoe: Das war für mich kein großes Problem, da ich ja multikulturell aufgewachsen bin. Wichtig war immer nur, dass ich mich wohlgefühlt habe.

Was bedeutet Heimat für Sie?

Anthony Baffoe: Heimat ist da, wo mein Herz ist: In Afrika/Ghana, in Bad Godesberg, in Köln ...

Hat sich Ihr Heimatbegriff durch die Ortswechsel in Ihrem Leben verändert? Wenn ja, in welcher Weise?

Anthony Baffoe: Natürlich hat jemand wie ich mehr als eine Heimat. Ich sehe mich als polyglott – als einen Weltbürger, der sehr starke afrikanische Wurzeln mit deutschem Einfluss und deutschen Tugenden kombiniert.

Mehr als die Hälfte Ihres bisherigen Lebens haben Sie in Deutschland verbracht. Was ist typisch deutsch an Ihnen?

Anthony Baffoe: Meine Pünktlichkeit ist typisch deutsch an mir und meine Liebe für Details. Außerdem bin ich sehr akribisch. Und: Aufgeben ist keine Option für mich.

Célia Sasic war bis 2015 Stürmerin für die deutsche Frauenfußballnationalmannschaft. Ihr Ausstieg aus dem Fußballbusiness hat alle sehr überrascht. Seit 2010 engagiert sich Sasic als DFB-Integrationsbotschafterin. 

„Vielfalt ist sehr reizvoll“ – Interview mit Célia Sasic

Ruft etwas an Deutschland Heimatgefühle in Ihnen hervor? Wenn ja, was?

Anthony Baffoe: Das sind ganz einfache Dinge wie ein Waldspaziergang, das Fahren mit der Bahn oder der Tram. Der Mehlemer Sportplatz, meine Mama und meine Geschwister, Freunde aus der Kindheit und natürlich die Kölsche Sprache.

Unterschiede gibt es sicher zahlreiche, aber worin unterscheiden sich Ihrer Meinung nach Deutschland und Ghana am deutlichsten?

Anthony Baffoe: Da fällt mir sofort die Spontaneität in Ghana ein, die nicht unbedingt immer vorteilhaft ist ... Dafür können die Deutschen von unserer (ungewollten) Flexibilität lernen, mit der wir für viele Probleme Lösungen finden. Uns fehlt in Ghana an manchen Stellen die deutsche Effektivität. Zum Beispiel halte ich die Struktur des öffentlichen Verkehrs in Deutschland für sehr vorteilhaft.

Wie können Sie von Ihrer Deutschlanderfahrung in Ihrem beruflichen und persönlichen Leben in Ghana profitieren?

Anthony Baffoe: Ich profitiere sehr stark von diesen Erfahrungen. Mir sind vor allem Disziplin und Professionalität vorgelebt worden. Ich habe gelernt, immer einen Plan B zu haben, gut vorbereitet zu sein und nie aufzugeben.

Interview: Verena Striebinger

März 2017

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