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Ist die Grüne Gentechnik nachhaltig?

Wenn man zum Thema Grüne Gentechnik recherchiert, stößt man auf kontroverse Diskussionen. Kaum ein anderes Gebiet der Biotechnologie ist so umstritten wie das Verändern des Erbgutes von Nutzpflanzen. Befürworter versprechen ein Mittel gegen den Hunger der wachsenden Weltbevölkerung, Gegner warnen vor unvorhersehbaren Folgen.

Die Grüne Gentechnik in der Landwirtschaft und im Lebensmittelbereich will neue Pflanzenarten schaffen, die besonders resistent gegen Schädlinge oder Pestizide sind oder mehr Nährstoffe als herkömmliche Pflanzen enthalten. Der Plan ist nicht neu, denn so ähnlich arbeitet die Landwirtschaft seit Jahrtausenden: Durch Kreuzung und Züchtung sind immer wieder neue und bessere Sorten entstanden.

Doch die Grüne Gentechnik geht einen Schritt weiter: Biotechnologen verändern das Erbgut von Pflanzen, indem sie ein fremdes Gen mit bestimmten Eigenschaften in das Erbgut der Pflanze einbringen. Es entstehen transgene Pflanzen, also Pflanzen, bei denen das Erbgut gezielt verändert wurde. Sie brauchen weniger Dünger, Pflanzenschutzmittel und bringen größere Erträge. So soll die Grüne Gentechnik einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.

Mais und Reis: Beispiele für Grüne Gentechnik

Eine Reissorte mit einen Gen namens „pup-1“ könnte das leisten: Mit diesem Gen können Reispflanzen Phosphor, den sie als Dünger benötigen, besser aufnehmen. In Entwicklungsländern, wo die Bauern sehr arm sind und kein Geld für Dünger haben, wäre so ein Reis nützlich. Daran arbeiten viele Forscher weltweit, auch der Deutsche Matthias Wissuwa als Pflanzenzüchter am Agrarforschungsinstitut JIRCAS in Japan. Er hat herausgefunden, dass eine alte indische Reissorte auch auf phosphorarmen Böden gut gedeiht, dank des einzelnen Gens pup-1.

Doch wie sich die gentechnisch veränderten Pflanzen und ihre Schädlinge weiter entwickeln, zeigt sich oft erst nach vielen Jahren. Der Maiswurzelbohrer ist ein gefräßiger Käfer und unter Landwirten gefürchtet. Insektizide helfen zwar, aber danach gilt auf den Feldern erst einmal ein Anbauverbot von Mais für zwei Jahre. Die Schäden für Landwirte und die Umwelt sind enorm hoch.

2003 entwickelte der US-amerikanische Saatgut-Konzern Monsanto einen gentechnisch veränderten Mais, der sich gegen den Maiswurzelbohrer mit einem Toxin wehrt. 2012 wurde dieser gentechnisch veränderte Mais auf 15 Millionen Hektar angepflanzt, die Erträge stiegen und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sank. Doch dann, so berichten Wissenschaftler von der Iowa State University in der Zeitschrift PLOS ONE, kehrte der Käfer zurück, resistent gegen das Toxin und schädlich wie eh und je.

Grüne Gentechnik in Deutschland und Europa

Lautet Gesetz muss in der Zutatenliste von Lebensmitteln stehen, ob das Produkt zum Beispiel aus genetisch veränderter Soja hergestellt wurde. Eine Liste mit den gekennzeichneten Produkten finden Sie bei Greenpeace.

Greenpeace weist aber auch auf ein Gesetzeslücke hin: „Produkte von Tieren (Milch, Eier, Fleisch), die mit Gen-Pflanzen gefüttert wurden, müssen nicht gekennzeichnet werden. Der Großteil der weltweit angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen landet für den Verbraucher unbemerkt im Tierfutter und somit indirekt mit dem Frühstücksei, dem Joghurt oder der Wurst wieder auf dem Esstisch.“

Pro: Die Grüne Gentechnik ist nachhaltig

Die Meinungen sind kontrovers, wenn es um die Grüne Gentechnik geht. Wissenschaftler Matin Qaim, Professor für Welternährungswirtschaft an der Universität Göttingen, sieht in der Grünen Gentechnik eine Chance, weniger Ressourcen zu verbrauchen. Für ihn bergen genetische Verbesserungen „ein großes Potenzial. Dieses muss durch konventionelle und biotechnologische Züchtungsmethoden ausgenutzt werden.“ (Quelle: Biosicherheit-Webseite des Bundesforschungsministeriums zum Thema Gentechnik)

Befürworter der Grünen Gentechnik argumentieren mit höheren Erträgen, weniger Ernteausfällen und einem geringeren Einsatz von Pestiziden. Und die Grüne Gentechnik ist nicht auf Nahrungsmittel begrenzt. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die industrielle Produktion als Alternative für den energieaufwändigen Einsatz von Erdöl. Forschern der Universität Universitäten Rostock, Berlin, Bielefeld und Tübingen ist es beispielsweise gelungen, eine Kartoffel zu entwickeln, die einen biologisch abbaubaren Kunststoff liefert.

Kontra: Die Grüne Gentechnik birgt Risiken

Das Umweltinstitut München bezeichnet gentechnische Eingriffe an Pflanzen als „Lotteriespiel mit unvorhersehbarem Ausgang“. Denn bei einem Genom handelt es sich nicht um „eine Art Legobaukasten“, in den man nach Belieben neue Gene einsetzen kann. So erzeugen gentechnisch veränderte Pflanzen wie Mais oder Baumwolle ständig ein bakterielles Gift, das Insekten tötet. Doch dies stelle ein erhebliches Risiko für die Umwelt dar, da das Gift sowohl Schädlinge als auch Nutzinsekten sterben lässt, was Studien beweisen. Wie das Beispiel Mais zeigt fördern außerdem manche gentechnisch veränderte Sorten die Bildung resistenter Schädlinge.

Andere Kritiker argumentieren, dass Kleinbauern in armen Ländern ihre Existenz durch sehr stark steigende Saatgut- und Pestizidpreise verlieren. Über Verträge werden sie dazu verpflichtet, in Verbindung mit dem Anbau der gentechnisch veränderten Pflanze auch das zugehörige Pestizid derselben Firma zu nutzen. Weil Konzerne wie Monsato Patente auf ihr Saatgut haben, ist es den Bauern außerdem verboten, ihre eigene Ernte im nächsten Jahr für die Wiederaussaat verwenden. Dadurch werden sie von einigen großen Agrar- und Chemiekonzernen abhängig.

Dezember 2013

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Kommentare

Peter
14. November 2017

Isst geil

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