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Im Reisegepäck: Bildung für nachhaltige Entwicklung

Tourismus, Müll und Klimawandel werden für die kleine Andaman-Insel Havelock im Indischen Ozean immer mehr zu einem großen Problem. Trotzdem war das Potenzial von Bildung für nachhaltige Entwicklung hier als Lösungsansatz weitgehend unbekannt – bis die Freundinnen Supriya Singh aus Indien und Katarina Roncevic aus Deutschland/Kroatien im November 2016 die Insel besuchten.

Die beiden Frauen sind Expertinnen für Bildung für nachhaltige Entwicklung und wollten nach einer Konferenz in Indien zusammen auf der kleinen Trauminsel ausspannen. Sie kamen mit dem stellvertretenden Direktor der Government Senior Secondary School ins Gespräch und schnell war klar: „Hier müssen wir was machen.“ Und so machten die beiden etwas. Zunächst spontan in Eigenregie: „Wir haben Lehrkräften, Schülern und deren Eltern die globalen Nachhaltigkeitsziele nähergebracht und ihnen gezeigt, wie relevant sie für die Insel sind“, berichtet Supriya Singh, eine Deutschland-Alumna, die 2012 an einem Leadership Training der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Deutschland teilnahm.

Was ist Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)?

„Gemeint ist eine Bildung, die Menschen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigt: Wie beeinflussen meine Entscheidungen Menschen nachfolgender Generationen oder in anderen Erdteilen? Welche Auswirkungen hat es beispielsweise, wie ich konsumiere, welche Fortbewegungsmittel ich nutze oder welche und wie viel Energie ich verbrauche? […] Bildung für nachhaltige Entwicklung ermöglicht es jedem Einzelnen, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.“

Quelle: Deutsche UNESCO-Kommission

Zurück in der Heimat erarbeiteten die beiden Freundinnen ehrenamtlich ein Konzept für Lehrerfort- und -weiterbildungen und kooperierten mit lokalen Schulen und Nichtregierungsorganisationen. „Im April 2017 führten wir einen Pilotworkshop mit 30 Lehrkräften und 40 Schülerinnen und Schülern durch“, sagt Katarina Roncevic. „Dabei haben wir den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in erster Linie Kompetenzen vermittelt, mit denen sie sich aktiv für ihre nachhaltige Zukunft engagieren können – besonders in den Bereichen Abfall, Energie und Wasser“, so Roncevic weiter.

Irgendwann bekam ihr Projekt auch einen Namen: „The Turquoise Change“ – auf Deutsch: „Der türkise Wandel“, weil das Meer in der Andamanensee zum einen so herrlich türkis, aber gleichzeitig durch Verschmutzung und sinkende Artenvielfalt bedroht ist. Hier braucht es einen Wandel und ein konsequentes Umdenken im Einklang mit der Natur.

Inzwischen gibt es auf der Insel dank des Engagements der beiden Frauen Trainingsmodule für die Weiterbildung von Lehrkräften, Bausteine zur nachhaltigen Entwicklung für den Lehrplan und diverse Schüleraktivitäten. Dabei geht es immer um globale Herausforderungen – und wie die Bevölkerung der Insel mit diesen am besten umgeht.

  • Supriya Singh (links) und Katarina Roncevic (rechts) mit dem stellvertretenden Leiter der Government Senior Secondary School (GSSS) in Havelock, Prabash Mondal.

    Supriya Singh (links) und Katarina Roncevic (rechts) mit dem stellvertretenden Leiter der Government Senior Secondary School (GSSS) in Havelock, Prabash Mondal – Foto (c) The Turquoise Change

  • Supriya Singh (links) und Katarina Roncevic (rechts) mit dem stellvertretenden Leiter der Government Senior Secondary School (GSSS) in Havelock, Prabash Mondal.

    Supriya Singh (vorne links) und Katarina Roncevic (hinten rechts) brachten Schülern in Havelock die globalen Nachhaltigkeitsziele näher – Foto (c) The Turquoise Change

  • Schülerinnen und Schüler in Havelock sagen „Ja“ zu den SDGs.

    Schülerinnen und Schüler in Havelock sagen „Ja“ zu den SDGs – Foto (c) The Turquoise Change

  • Ein lokaler Fernsehsender interviewte eine Teilnehmerin des Youth Empowerment Programme auf Sansibar im Oktober 2017.

    Ein lokaler Fernsehsender interviewte eine Teilnehmerin des Youth Empowerment Programme auf Sansibar im Oktober 2017 – Foto (c) The Turquoise Change

Nachhaltige Entwicklung für Inseln besonders überlebenswichtig

Schon 2017 bekam „The Turquoise Change“ ein zweites Standbein in Sansibar. Sie kamen mit lokalen Nichtregierungsorganisationen ins Gespräch und begriffen, wie dringend die Jugendlichen auf der Insel vor der Küste Afrikas Förderung  benötigen. So holten die beiden Bildungsexpertinnen ihren kunst- und wissenschaftsbegeisterten Freund Hosannah Nathan aus New York nach Sansibar und organisierten im August 2017 einen Workshop mit 20 Jugendlichen , die ihre Vorstellungen einer nachhaltigen Entwicklung unter anderem mit Hip-Hop, Graffiti und einem Filmdreh zum Ausdruck brachten.

Der Fokus von „The Turquoise Change“ auf Inseln ist nicht nur Zufall. „Inseln zeichnen sich durch eine eigene Identität und Kultur aus, weil sie abgeschiedener sind. Früher herrschte auf Inseln oft ein besonders harmonisches Verhältnis zwischen Mensch und Natur“,  erklärt Supriya Singh. Und ihre Freundin ergänzt: „Besonders auf Sansibar, aber auch auf Havelock hat der Tourismus das Ökosystem in vielfacher Hinsicht aus der Balance gebracht. Die Korallenriffe sind bedroht und auch die Müllmengen sind ein großes Problem.“

Was ist das ESD Expert Net?

Das ESD Expert Net fördert den internationalen Dialog zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (Education for Sustainable Development, ESD). Fachleute aus Deutschland, Indien, Mexiko und Südafrika tauschen sich darüber aus, wie Bildung die Lösung globaler Probleme unterstützen kann.

Zukunftspläne in drei neuen Ländern

Die Ideen für ihr ehrenamtliches Engagement gehen den beiden Frauen noch lange nicht aus. Im Mai 2018 bildeten sich beim zweiten Training of Trainers von „The Turquoise Change“ 15 Lehrer zu nachhaltiger Entwicklung fort, die ihr Wissen in den nächsten Monaten an Kolleginnen und Kollegen in der Umgebung weitergeben werden.

Supriya Singh und Katarina Roncevic engagieren sich stark im ESD Expert Net und führen ihr Projekt deshalb schon seit einiger Zeit unter dem Dach dieses Netzwerks durch. Es vereint Fachleute aus Deutschland, Indien, Mexiko und Südafrika und die beiden Frauen möchten ihr Projekt in Zukunft auf deutsche, mexikanische und südafrikanische Inseln ausweiten. Auch dort wollen sie die Menschen befähigen, eine nachhaltige Zukunft zu gestalten – gemäß ihrem Rezept „Take the best from local and add the best of global.“

Haben Sie in Ihrer Schulzeit etwas über nachhaltige Entwicklung gelernt? Kennen Sie gute Beispiele aus der Schul- oder Erwachsenenbildung in Ihrem Umfeld, die zum verantwortungsvolleren Handeln anleiten? Wir würden uns freuen, wenn Sie diese Anregungen mit uns teilen!

Community-Diskussion

Autorin: Susanne Reiff, to the point communication

Juli 2018

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Kommentare

Ramani
26. Juli 2018

Meine Tochter Veena Adam arbeitet bei CERES, eine Nichtregierungsoranization in Boston. Ihre Arbeit ist "sustainable development." Sie ist eine Expertin .

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