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ELD-MOOC: Weil Land einen Wert hat!

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) startet im Rahmen der Initiative „The Economics of Land Degradation (ELD)“ und in Kooperation mit dem United Nations University Institute for Water, Environment and Health (UNU-INWEH) einen Massive Open Online Course (MOOC).

Im Verlauf dieses für alle offenen Internet-basierten Kurses werden hochwertiger Content und eine fundierte Einführung in wissenschaftliche Methoden breitenwirksam erarbeitet und im Hinblick auf Klimawandel und Nachhaltigkeit diskutiert. Namhafte Wissenschaftler aus den Partnerorganisationen der Initiative werden den MOOC als Tutoren begleiten.

Das Alumniportal Deutschland befragte dazu den Projektleiter Mark Schauer von der ELD-Initiative und den Fachkonzeptionisten der Gruppe „Global Knowledge Sharing & Learning“, Volker Lichtenthäler.

Herr Schauer, was bedeutet eigentlich ELD und worum geht es in Ihrem Vorhaben?

Mark Schauer: Boden zu verlieren, bedeutet auch Zukunft zu verlieren. Mit dem Verlust an Boden geht die Grundlage für eine ausreichende Produktion von Nahrungsmitteln, für sauberes Trinkwasser und letztlich auch eine nachhaltige ökonomische Entwicklung verloren. Es gilt also, die fortschreitende Degradierung von Boden und Land weltweit zu stoppen und ein Bewusstsein für dieses drängende Problem zu schaffen. Die „Economics of Land Degradation“-Initiative liefert eine ökonomische Blickweise auf die Degradierung von Land und Boden, denn dem ökonomischen Nutzen von Land stehen fassbare ökonomische Kosten der Landdegradierung gegenüber. Diese Kennzahlen müssen in politische und wirtschaftliche Entscheidungen einfließen und den Entscheidungsträgern bewusst sein. Auch lokal werden handfeste Argumente zum Schutz von Böden und auch der damit verknüpften Leistungen benötigt.

Und was ist nun ein MOOC?

Volker Lichtenthäler: MOOC bedeutet „Massive Open Online Courses“. Es handelt sich dabei um eine neue, innovative Form von Online-Kursen mit einer theoretisch unbegrenzten Teilnehmerzahl. Ursprünglich vor allem an US-amerikanischen Universitäten lediglich auf Online-Vorlesungen und Lesematerial gestützt, werden in aktuellen MOOCs zunehmend auch partizipative Ansätze verfolgt, in denen das Co-Creation von Inhalten eine zentrale Rolle spielt. Anders gesagt: Die Teilnehmer sollen selbst aktiv mitmachen.

„Es ist gleichzeitig ein E-Learning und eine Online-Kampagne“

Wie passen ELD und MOOC zusammen?

Mark Schauer: Der MOOC setzt genau an der eingangs skizzierten Schnittstelle von Methoden, Wissen, deren Weiterverbreitung und dem Bewusstsein um Bodendegradierung an. Der MOOC-Ansatz passt gut zu der weitverzweigten Netzwerkstruktur der ELD-Initiative  und soll die Initiative methodisch, aber auch strategisch unterstützen. Es ist gleichzeitig ein E-Learning und eine Online-Kampagne.

Volker Lichtenthäler: Mit diesem neuen Lernformat knüpfen wir an 12 Jahre Erfahrung mit E-Learning in der Entwicklungszusammenarbeit und mit der Systemwelt Global Campus 21 an. Gleichzeitig erreichen wir eine theoretisch unbegrenzte Anzahl von Teilnehmern. Im ELD-MOOC können diese das Instrumentarium und die Methoden zur Ermittlung der Kosten der Landdegradierung mit Blick auf alle drei Säulen des Nachhaltigkeitsdreiecks erlernen. Der Praxistransfer wird durch den Austausch in sehr heterogenen Arbeitsgruppen unterstützt und gleichzeitig wird der Bekanntheitsgrad dieses Instrumentariums verstärkt. Beides sind wichtige Anliegen der ELD-Initiative.

Ist also ein MOOC noch E-Learning oder ist es mehr eine Plattform, um Gleichgesinnte kennen zu lernen?

Mark Schauer: Uns geht es durchaus um Menschen, die entsprechende Methoden erlernen und anwenden möchten. Gleichzeitig ist der Aufbau einer weltweiten und möglichst heterogenen Community of Practice, die auch politisch Einfluss nehmen kann, natürlich gewollt.

Volker Lichtenthäler: Genau dies trifft auch auf die didaktisch-methodische Konzeption zu. Wir entwickeln sehr viele E-Learning-Inhalte und Skripte für diesen Kurs, aber der Austausch unter den Teilnehmern, der Einbezug von Quellen und Medien aus dem Netz, aus Social Media und Web 2.0 sind ebenso wichtig. Das möglichst selbstgesteuerte Bilden einer offenen, netzgestützten Lerngemeinschaft ist ebenso wichtig wie der Erwerb von Wissen um ELD und Kompetenzen zur Erfassung von Daten oder der Anwendung in der Praxis.

Und wie ist diese Idee entstanden?

Marc Schauer: Wir hatten an die Entwicklung eines E-Learning-Kurses zu diesem Thema gedacht. Im Beratungsgespräch mit Volker Lichtenthäler kam dann die Frage auf: Sollten wir nicht viel größer denken und viel weiter gehen?

An wen richtet sich aus Ihrer Sicht der ELD-MOOC?

Marc Schauer: Es liegt in der Natur eines MOOCs, dass er für alle Interessierten weltweit offen zugänglich ist. Auch Inhalte werden weitgehend frei im Netz unter einer Creative Commons License verfügbar sein. Es geht einerseits darum, entsprechende wissenschaftliche Erkenntnisse und Wissen in die Praxis umzusetzen und damit die Bevölkerung allgemein in die Lage zu versetzen, ihre Böden zu schützen. Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft, Hochschulen und Verwaltung spielen dabei aber natürlich ebenfalls eine große Rolle.

Und wie werden die Partner miteinbezogen?

Mark Schauer: Einerseits streuen die Mitglieder und Partner der ELD-Initiative den MOOC in ihre Netzwerke, andererseits konnten wir insgesamt acht Experten zu diesem Thema aus den unterschiedlichsten Organisationen und Institutionen aus Politik und Wissenschaft als Tutoren gewinnen.

Wie  ist konkret der Ablauf des ELD-MOOCS? 

Volker Lichtenthäler: Der MOOC startet am 3. März 2014 und läuft für elf Wochen bis zum 17. Mai. Es gibt eine Einführungswoche mit einer spannenden interaktiven Aufgabe  zum Thema „The values of land“ und dann geht es los: In jeder Woche gibt es eine zentrale Leitfrage, beispielsweise „How is the value of ecosystem services measured?“, und ab der achten Woche werden die Methoden gemeinsam eingeübt und ausprobiert. Aufgaben und Diskussionen werden gemeinsam in Teams bearbeitet. Es wird also auch hart gearbeitet werden. Daneben gibt es freilich andere, offene Teams zu Diskussion und Ideenfindung.

Zur Person

Volker Lichtenthäler ist seit 2008 Teil der Global Campus 21 E-Academy und arbeitet bei der GIZ in der Gruppe „Global Knowledge Sharing & Learning“.

Mark Schauer ist bei der GIZ als Projektleiter der Initiative „The Economics of Land Degradation (ELD)“ für die Gesamtkoordination des Projekts zuständig.

Bekommt man auch ein Zeugnis?

Volker Lichtenthäler: Es gibt Badges, die je nach Aktivitätsgrad der einzelnen Teilnehmer verliehen werden, und ein Teilnahmezertifikat der United Nations University für diejenigen, die von Anfang bis zum Ende aktiv dabei sind.

Kann man sich schon anmelden? Oder einfach einsteigen?

Mark Schauer: Ja, die Anmeldung ist jetzt unter mooc.eld-initiative.org freigeschaltet. Wir möchten natürlich, dass die Teilnehmer sich vor Kursbeginn registrieren und am ganzen Kurs teilnehmen, aber die Registrierung bleibt offen, so dass bei dem interessanten dynamischen Verlauf jederzeit noch Interessenten dazu stoßen können.

Und was wird der ELD-MOOC erreichen?

Volker Lichtenthäler: Der MOOC wird den Global Campus 21 mit all seinen Systemen und den Experten, die dahinter stehen, als eine neue wichtig Plattform für den Einsatz von MOOCs in der Internationalen Kompetenzentwicklung beziehungsweise Vorhaben der nachhaltigen Entwicklungszusammenarbeit etablieren.

Mark Schauer: Der MOOC wird die Inhalte der ELD-Initiative wirkungsvoll verbreiten, eine Schnittstelle zwischen Entscheidern und Wissenschaft bilden und somit wird diese interne GIZ-Kooperation zum Erfolg der Initiative beitragen.

Februar 2014

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