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Gleichberechtigung der Geschlechter: Bildung für alle?

Bildung von Mädchen ist „die wirksamste Einzelinvestition, die ein Entwicklungsland tätigen kann“, schreibt die Weltbank. Nachrichten unserer Mitglieder zeigen, dass einige afrikanische Länder diesen Rat beherzigen. Aber noch lange nicht herrscht in ganz Afrika Chancengleichheit für Frauen.

Eine Umfrage des Alumniportals Deutschland vom März 2016 zum Schwerpunktthema Bildung.Chancen.Perspektiven. zeigt: Für unsere Mitglieder ist das Thema Gleichberechtigung der Geschlechter besonders wichtig. Viele Zuschriften kamen aus Afrika.

„Heutzutage ist Bildung wichtiger als alles andere. In Afrika haben wir ein kulturelles Problem: Bestimmte Leute denken, dass Mädchen nicht dazu geeignet sind, zur Schule zu gehen, da sie sowieso heiraten und Kinder bekommen. Aber so langsam beginnen die Leute zu akzeptieren, dass Frauen und Mädchen zur Schule gehen. In Afrika kann man bereits eine Veränderung beobachten – an mir und an anderen.“ Diese Nachricht schrieb eine Nutzerin des Alumniportals Deutschland von der Elfenbeinküste auf den Aufruf vom März 2016, sich zum Schwerpunktthema Bildung.Chancen.Perspektiven. zu äußern.

Hier die wichtigsten Fakten zum Thema Chancengleichheit von Frauen und Bildung im Überblick:

  • Weltweit können etwa 781 Millionen Jugendliche und Erwachsene weder lesen noch schreiben – ungefähr zwei Drittel davon sind Frauen. Nach Zahlen der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) haben etwa 58 Millionen Kinder im Grundschulalter keine Möglichkeit, zur Schule zu gehen. Die Dunkelziffer wird noch sehr viel höher vermutet.
  • Bildung ist ein Menschenrecht. Die internationale Gemeinschaft hat sich dazu verpflichtet, die Bildungssituation weltweit zu verbessern. Das war auch eines der Millenniumsentwicklungsziele: Bis 2015 sollten alle Kinder Zugang zur Grundschule haben und diese abschließen. Auch die Gleichberechtigung der Geschlechter sollte bis dahin auf allen Bildungsebenen verwirklicht sein.

Keine Chancengleichheit in Kamerun

„In Kamerun herrscht noch lange keine Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau“, sagt Berthe Ada Biwole. Sie hat es dennoch geschafft: Als Tochter einer armen Familie, die in einem kleinen Dorf nahe der Stadt Ayos lebt, konnte sie das Gymnasium besuchen, in Kamerun studieren und in Deutschland promovieren. „Ich musste alles selbst finanzieren, ich hatte kein Stipendium und meine Eltern konnten mir auch kein Geld geben.“ Insgesamt habe alles länger gedauert, jedoch habe es sich gelohnt: Heute arbeitet sie als Fachkraft für Alphabetisierung an der Bergischen Volkshochschule Solingen und nimmt am Graduiertenprogramm der Bergischen Universität Wuppertal teil.

„Es gibt aber genug Frauen aus meinem näheren Umfeld, die keine Ausbildung haben – weil sie Frauen sind“, erzählt Berthe Ada Biwole. „Zum Beispiel meine Freundin, deren Namen ich nicht nennen möchte: Sie wurde mit 14 Jahren schwanger. Der Vater übernahm keine Verantwortung, sie blieb mit dem Kind allein. Und sie musste die Schule verlassen.“ Denn: Nach Biwoles Worten sehen fast alle Schulen in Kamerun in ihrer Schulordnung vor, dass schwangere Mädchen nicht mehr am Unterricht teilnehmen dürfen. Genauso wie in der sich anschließenden zweijährigen Stillzeit. Die Mädchen verlieren also insgesamt drei Jahre, die in den meisten Fällen nicht aufgeholt werden können.

Auch von offizieller Seite wird bestätigt, dass Frauen in Kamerun immer noch benachteiligt sind. Auf der Seite des nationalen Statistikamtes ist in einer Zusammenfassung zu den Millenniumsentwicklungszielen von Oktober 2015 nachzulesen, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau noch nicht gelungen sei. Gleichzeitig wird jedoch darauf verwiesen, dass sich vor allem im Zugang zu Bildung im Bereich der Grundschule und weiterführenden Schule die Geschlechter stark angeglichen hätten.

Gleichberechtigung auf unteren Bildungsebenen in Kenia

Weit hoffnungsvoller klingen die Zuschriften aus Kenia. Eine Alumniportal-Nutzerin aus Nairobi schreibt: „In Kenia glaubt man, das gute Leben komme durch gute Bildung. Mädchen und Jungen werden dazu ermutigt, sich bis zum höchstmöglichen Niveau zu bilden. In den vergangenen Jahren wird die Bildung von Mädchen im Grundschulalter massiv gefördert. Das ist erfolgreich.“

Diese Aussage wird von Zahlen des nationalen Statistikamtes bestätigt. Zwischen 2011 und 2014 ist die Anzahl der Kinder, die eine Grundschule besuchen, um 350.000 gestiegen. „Nach offiziellen Angaben besuchten 87,5 Prozent der Mädchen 2014 eine Schule verglichen mit 89,3 Prozent der Jungen“, schreibt Mary Mutembei aus Kenias Hauptstadt Nairobi. „Andere Studien zeigen jedoch, dass gerade in den Armensiedlungen wesentlich mehr Jungen als Mädchen die Schule besuchen.“ Auch im Bereich der Universitäten ist der Unterschied zwischen der Anzahl der weiblichen und männlichen Studierenden immer noch enorm (259.600 Männer im Gegensatz zu 184.200 Frauen im Jahr 2014).

Bildung für Mädchen wichtig für das ganze Land

„Gut ausgebildete Frauen bekommen weniger Kinder und ziehen Familien von ,guter Qualität auf. Außerdem heiraten sie häufiger jemanden, der nicht aus ihrer Umgebung stammt. Dies durchbricht den Kreislauf von Armut in nicht gebildeten Gegenden“, sagt Mary Mutembei.

„Und genau diesen Teufelskreis haben wir in Kamerun noch“, sagt Berthe Ada Biwole. „Meine Freundin, die mit 14 schwanger wurde, brauchte Unterstützung von ihren Eltern. Also fehlte Geld für ihre Geschwister. Die Eltern konzentrieren sich in so einem Fall auf die Förderung von den Kindern, die selbst noch keine Kinder haben. Häufig auf die Förderung der Söhne, die Mädchen gehen dann leer aus. Dies ist ein riesiger Verlust für den Einzelnen, aber auch für die ganze Gesellschaft.“

Biwoles Freundin hatte keine Chance mehr auf eine gute Ausbildung. Schließlich musste sie als Marktfrau arbeiten, die arme, ländliche Gegend hat sie bis heute nicht verlassen. „Gerade in den ärmeren, ungebildeten Schichten haben Frauen keine Möglichkeit, sich gegen so ein Schicksal zu wehren“, sagt Biwole. „In den letzten Jahrzehnten hat sich nicht viel verändert. Deshalb wünsche ich mir sehr, dass die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau in Kamerun endlich Wirklichkeit wird.“

Mary Mutembei: Ich sehe einen enormen Fortschritt

Der Zugang zu Bildung hat sich in Kenia für Frauen deutlich verbessert. Mary Mutembei sieht hier einen „enormen Fortschritt“. Dennoch besteht noch lange keine wirkliche Chancengleichheit, vor allem nicht zwischen Frauen aus armen und aus reichen Familien.

Der ostafrikanische Staat Kenia hat in den vergangenen Jahren viel für einen besseren Zugang zu Bildung von Frauen und Mädchen getan. Inzwischen besuchen fast genauso viele Mädchen wie Jungen eine Grundschule. Mary Mutembei spricht im Interview über den Fortschritt, den sie in ihrem Land beobachtet, genauso wie über Hindernisse, die der Chancengleichheit noch immer im Wege stehen.

Zum Interview

Diskussion über die Chancengleichheit von Frauen in der Community

Die Weltbank hält Investitionen in Bildung für Mädchen für die wirksamsten Einzelinvestitionen, die ein Entwicklungsland tätigen kann. Sie wirken auf allen Ebenen und kommen der Gesellschaft, der Wirtschaft und der Umwelt zugute.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Wie erleben Sie die Gleichberechtigung der Geschlechter in Ihrem Heimatland? Wo muss etwas getan werden? Sagen Sie uns in der Gruppe „Zukunftsthema Nachhaltigkeit“, was Sie zu diesem wichtigen Thema denken!

Zur Community

Autorin: Verena Striebinger

Juni 2016

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