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Alternative Energiequelle: Der Mensch als natürlicher Stromerzeuger

Die Welt braucht immer mehr Energie. Aber es gibt immer weniger natürliche Stromquellen. Was liegt näher, als den Menschen als alternative Energiequelle zu nutzen? Ein Trend, den Forscher in Deutschland und auch international stärker ergründen: So produziert man im Ruhrgebiet Strom aus menschlichen Abwässern, die Reisenden im Stockholmer Bahnhof versorgen ein Gebäude mit Wärme, und in Toulouse können die Fußgänger ihre Beleuchtung bald im Vorbeigehen erzeugen.

Abwasser-Kläranlagen findet man fast überall auf der Welt. Dass sie aber auch Strom erzeugen und damit eine alternative Energiequelle darstellen, ist neu. In den Abwässern befindet sich Bioabfall, der große Mengen an Energie enthält. Allein in den Bottroper Kläranlagen in Nordrhein-Westfalen fließt das Abwasser von rund 1,5 Millionen Menschen zusammen. Was früher auf der Deponie landete, liefert heute Energie. In über 50 Meter hohen Türmen zersetzen Bakterien den menschlichen Bioabfall zu Klärgas. Das besteht zu 70 Prozent aus energiereichem Methan.

Eberhard Holtmeier, Leiter der Kläranlage Bottrop: „Wir produzieren hier ungefähr 900 Kubikmeter Klärgas pro Stunde. Damit betreiben wir unsere beiden Blockheizkraftwerke. Umgerechnet kann man sagen, dass damit rund 7.000 Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden können.“

Eine kostenlose alternative Energiequelle

Etwa 100 Kilowattstunden an Wärme- und Bewegungsenergie erzeugt ein Mensch im Jahr. Die Kalorien, die wir beim Essen aufnehmen, geben wir im Laufe des Tages wieder ab - wir "verlieren" permanent Energie, umgerechnet die Energie einer 100-Watt-Glühbirne. Diese alternative Energiequelle kann man nutzen. Zum Beispiel in Bahnhöfen: Der Stockholmer Bahnhof ist der größte in Schweden. Rund 400.000 Menschen strömen täglich durch das Gebäude. Die Körperenergie, die sie verbrauchen, wird zum großen Teil in Wärme umgesetzt. Aber durch die vorhandene Wärme muss der Bahnhof auch im Winter ständig gekühlt werden. Die Klimaanlage im Keller produziert dabei zusätzlich eine große Wärmemenge.

Klas Johansson, Umweltbeauftragter von Jernhusen AB, der Betreibergesellschaft des Stockholmer Bahnhofs: „Wir wollen einzelne Gebäude miteinander kommunizieren lassen. Wir haben also überschüssige Wärme im Stockholmer Hauptbahnhof und diese können wir in einem unserer Bürogebäude auf der anderen Straßenseite nutzen.“ Integrierte Wärmetauscher nutzen die gesamte Abwärme, um Wasser aufzuheizen. Das heiße Wasser wird in dem benachbarten Gebäude zur Heizung und für warmes Wsser verwendet. Johannsson: „Die kostenlose menschliche Abwärme im Bahnhof senkte die Energiekosten um ein Viertel.“

Alternative Energiequelle: Der „elektrische Bürgersteig“

Rund 70.000 Straßenlaternen sorgen in Toulouse nicht nur für Licht, sondern auch für eine gewaltige Stromrechnung. Um die Kosten zu senken, ohne an der Sicherheit zu sparen, hat die Stadt gemeinsam mit der örtlichen Technischen Universität das Projekt „Trott-Èlec" ins Leben gerufen. Das Ziel: die Schritte der Menschen als alternative Energiequelle zu nutzen, um damit z.B. die Fußgängerzone zu beleuchten. Eine der schwierigsten Aufgaben bei Trott-Èlec ist es, die Bewegungsenergie zu „sammeln". Bei Trott-Èlec wandelt ein im Boden versenkter Miniaturgenerator die Energie eines Schritts direkt in elektrische Energie um. Künftig sollen fünf dieser Generatoren pro Bodenplatte einen Speicherakku versorgen. Es gilt herausfinden, welche Anordnung die höchste Effizienz verspricht.

Alexandre Marciel, stellvertretender Bürgermeister von Toulouse: „Die Gesellschaft glaubte bisher, dass die Stadt eine Energieverbraucherin ist. Wir glauben, dass die Stadt eine Stromerzeugerin sein kann. ‚Trott-Èlec’ bedeutet: Ich verbrauche, was ich produziere dort, wo ich es produziere.“

Die „Energiequelle Mensch" alleine wird die globalen Versorgungsprobleme kaum lösen. Am Ausbau einer Vielzahl alternativer Energiekonzepte und am Energiesparen führt kein Weg vorbei. Aber Projekte zur Förderung alternativer Energiequellen können viel bewirken: Sie nutzen bislang kaum gebrauchte Ressourcen und schaffen ein Bewusstsein für die weltweite Energieproblematik.

Autor: Andreas Förster

Juni 2012

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