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Alpha Condé: „Wir brauchen keine Spenden, sondern Investitionen“

Der neue Präsident der Afrikanischen Union, Alpha Condé, im Gespräch mit dem Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft.

Seit Anfang des Jahres sind Sie Präsident der Afrikanischen Union. Wie schätzen Sie die aktuelle Situation des afrikanischen Kontinents ein?

Alpha Condé: Es gibt das, was im Fernsehen gezeigt wird – und es gibt die Realität. Wenn von Afrika gesprochen wird, wird oft von Epidemien und Katastrophen gesprochen. Afrika ist aber auch der Kontinent mit den größten Wachstumsraten. Außerdem hat Afrika eine extrem junge Bevölkerung – sieben von zehn Afrikanern sind unter 30 – und bis 2050 werden zwei Milliarden Menschen auf dem Kontinent leben.

Werden diese zwei Milliarden auch aus eigener Kraft versorgt werden können?

Alpha Condé: Unser Ziel ist es, die Energieversorgung zu garantieren und die Infrastruktur zu verbessern. Wenn wir ausreichend Strom haben, können wir unsere Rohstoffe bei uns im Land weiterverarbeiten, anstatt diese für die Weiterverarbeitung in andere Länder zu exportieren. Des Weiteren spielt Bildung in Bezug auf die Industrialisierung unseres Landes eine zentrale Rolle. Hier haben wir wichtige Entwicklungen versäumt, denn die Sklaverei hat Afrika viele seiner treibenden Kräfte genommen. Dank der Digitalwirtschaft können wir nun aufholen. Afrika wird mit seinen zwei Milliarden Einwohnern nicht nur ein sehr großer Markt sein, sondern könnte sich auch zur „Fabrik der Welt“ entwickeln und somit Asien in dieser Rolle ablösen. Wir können günstig produzieren und nutzen die neuen Technologien. Zudem ermöglicht uns die Nähe zu Europa vorteilhafte Exportbedingungen.

Unternehmertum in Afrika

Dass immer mehr Menschen in Städte ziehen, wirkt sich negativ auf den ländlichen Raum aus. Die Unternehmerin Halatou Dem aus Mali und der Wirtschaftsanwalt Lutz Hartmann aus Deutschland tragen mit ihrem Engagement zur ländlichen Entwicklung in Afrika bei.

Wie junge Entrepreneure den ländlichen Raum aufmischen

Im Fokus der deutschen G20-Präsidentschaft steht die Intensivierung der wirtschaftlichen Beziehungen zu afrikanischen Staaten. Ist das ein Schritt in die richtige Richtung?

Alpha Condé: Wir waren sehr beeindruckt von dem Engagement von Bundeskanzlerin Merkel bei unserem Treffen auf der Afrikakonferenz in Berlin, ihr Einsatz hat uns positiv überrascht. Wir denken, dass mit den Impulsen des G20 und der Europäischen Union nicht nur die Kooperation mit Deutschland verstärkt wird, sondern auch sehr wichtige Beziehungen mit anderen EU-Ländern aufgebaut werden können.

Was erhoffen Sie sich von dem neuen Afrika-Konzept?

Alpha Condé: Was wir brauchen, sind keine Spenden, sondern Investitionen. Nicht nur staatliche, sondern vor allem private Investitionen, um nachhaltige staatlich-private Partnerschaften aufzubauen. Die Regierungen und die EU müssen Investitionen ermöglichen und vor allem Flexibilität schaffen. Afrika sollte auf eine faire Art und Weise behandelt werden und auch Zugang zu Krediten haben. Ohne Kredite können wir uns nicht langfristig entwickeln.

Neben der AU-Präsidentschaft sind Sie seit 2010 demokratisch gewählter Präsident Guineas. Wie geht es Ihrem Land?

Alpha Condé: Unter den damaligen französischen Kolonien hatte Guinea die hoffnungsvollste Zukunft vor sich, wenn man das landwirtschaftliche und industrielle Potenzial in Betracht zieht. Leider haben die Bedingungen nach der Unabhängigkeit nicht ermöglicht, dieses Potenzial ganzheitlich auszuschöpfen. Doch jetzt sind wir eine Demokratie und die makroökonomischen Probleme sind weitgehend abgeschlossen. Wir sind überzeugt, dass Guinea in den nächsten 15 Jahren einen großen Schritt machen und sich zu einem Schwellenland entwickeln wird.

(c) aw – afrika wirtschaft 2017/3

afrika wirtschaft ist die Mitgliederzeitschrift des Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft

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