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Corporate Sustainability: Interview mit Bernd Schleich, dem GIZ-Beauftragten für Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit in Unternehmen umzusetzen gilt als keine leichte Aufgabe. Bernd Schleich stellt im Interview das Nachhaltigkeitsinstrument der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) vor, den Corporate Sustainability Handprint® (CSH).

Konfrontiert mit dem eigenen „ökologischen Fußabdruck“ stehen Unternehmen meist einer Vielzahl von Problemfeldern in den unterschiedlichsten Bereichen gegenüber. Das Konzept der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) möchte diese Perspektive um positive Aspekte erweitern und fragt: Was haben wir bisher richtig gemacht?

Nachhaltigkeit spielt in deutschen Unternehmen eine immer größere Rolle. Für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) verfolgen Sie diesbezüglich einen neuen Ansatz. Was ist das Ziel?

Bernd Schleich: Ziel ist, die GIZ als international anerkanntes Exzellenzunternehmen für Nachhaltigkeit zu positionieren. Nachhaltigkeit ist unser Kerngeschäft und das Leitprinzip unseres Handelns. Dieses Leitbild wurde in einem breit angelegten gemeinschaftlichen Prozess im Unternehmen entwickelt. Wir verstehen Nachhaltigkeit als das Zusammenspiel der vier Bereiche soziale Verantwortung, ökologisches Gleichgewicht, politische Teilhabe und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.

Grafik: Was bedeutet Nachhaltigkeit für die GIZ?

Wie sind diese Größen messbar und gibt es dafür einen Referenzrahmen?

Bernd Schleich: Der Referenzrahmen für Nachhaltigkeit ist zunächst unser Leitbild. Darüber hinaus orientieren wir uns an internationalen Nachhaltigkeitsstandards wie der Global Reporting Initiative (GRI). Bei messbaren Größen tragen wir Daten, Fakten und Zahlen zusammen, für qualitative Größen beschreiben wir unter anderem Good Practices.

Wie unterscheidet sich das Konzept von der bisherigen Praxis des Unternehmens? Was ist neu?

Bernd Schleich: Wir wollen die Betrachtung unseres ökologischen Fußabdrucks um unsere positiven Beiträge zur Nachhaltigkeit erweitern. Gleichzeitig ist es unser Anspruch, die Nachhaltigkeitsleistungen unserer beinahe 90 Länderbüros weltweit systematisch zu erfassen und zu verbessern.

Als Instrument zur Verbesserung der Nachhaltigkeit haben Sie den Corporate Sustainability Handprint® (CSH) entwickelt. Erläutern Sie bitte kurz, wie dieses Instrument funktioniert.

Bernd Schleich: Für die Erweiterung des ökologischen Fußabdrucks (footprint) um unsere positiven Beiträge (handprint) haben wir den CSH entwickelt. Er ist ein Mittel zur Erfassung und Verbesserung der unternehmerischen Nachhaltigkeitsleistung der GIZ. Er identifiziert Beispiele guter Praxis und verbreitet diese im Unternehmen. Dafür gibt es einen standardisierten Ablauf, den unsere Länderbüros alle zwei Jahre durchlaufen: Anhand von Kennziffern und eines Fragebogens wird zunächst der Status quo der unternehmerischen Nachhaltigkeit ermittelt. Dabei werden bestehende praxiserprobte Lösungen für Nachhaltigkeitsprobleme identifiziert und dokumentiert.

Der aktuelle Stand und bereits erreichte Verbesserungen werden in einer Selbstbewertung (Self-Assessment) anhand eines Punktesystems festgehalten. Als nächstes entscheiden die Mitarbeitenden innerhalb des Landesteams, welche Verbesserungen in den kommenden ein bis zwei Jahren erreicht werden sollen und setzen sich als Selbstverpflichtung (Self-Commitment) entsprechende Ziele. Die Mitarbeitenden einigen sich auf zwei bis drei Ziele und halten diese in der Landesplanung fest – das kann von der Reduktion von CO2-Emissionen bis zu Sensibilisierungsmaßnahmen zum Thema Gender reichen.

Video: Der Corporate Sustainability Handprint® der GIZ

Wer steuert die Prozesse und wie viel Anteil haben die Mitarbeiter?

Bernd Schleich: Der Prozess wird vor Ort gesteuert, das kann durch den Landesdirektor, den Verwaltungsleiter oder auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus unserem nationalen Personal geschehen. Mitarbeitende sind durchgängig in den CSH-Prozess integriert.

Ist es auch denkbar, den Ansatz in der Privatwirtschaft anzuwenden? Was wären hier die Herausforderungen?

Bernd Schleich: Der Corporate Sustainability Handprint® ist grundsätzlich so angelegt, dass er auch in anderen Unternehmen und in Kommunen angewendet werden kann. Eine Herausforderung hierbei ist es unter anderem, die Fragestellungen und die wichtigsten Nachhaltigkeitsthemen an den spezifischen Kontext anzupassen. In diesem Rahmen ist beispielsweise ein Pilotprojekt in einer deutschen Kommune geplant.

Sie haben jahrelange Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit gesammelt: Wie ist Ihre persönliche Einschätzung, was sich diesbezüglich in den vergangenen Jahren geändert hat?

Bernd Schleich: Nachhaltigkeit hat auch im engeren Kontext der Entwicklungszusammenarbeit und internationalen Zusammenarbeit zunehmend an Bedeutung gewonnen. Dabei geht es neben der Dauerhaftigkeit der Projekte auch um  die Art und Weise der Leistungserbringung.

Zur Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung haben auch die Vereinten Nationen ihre Millenniums-Entwicklungsziele  (acht MDG bis zum Jahr 2015) in Richtung Nachhaltige Entwicklungsziele (SDG) formuliert.  Welche Bedeutung hat diese Neuausrichtung?

Bernd Schleich: Die SDG tragen einem umfassenden und integrativen Verständnis von Nachhaltigkeit Rechnung, wie es zum Beispiel im Brundtland-Bericht entwickelt wurde und richten sich noch expliziter an alle Länder: In vielen Nachhaltigkeitsfragen sind wir alle Entwicklungsländer. Die Herausforderung wird dabei sein, die klassischen Ziele der MDGs wie beispielsweise Armutsreduktion im Blick zu behalten.

Zur Person

Bernd Schleich war bis Ende 2015 Beauftragter des Vorstands für Nachhaltigkeit bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH. Er studierte Sozialwissenschaften und Wirtschaftspädagogik an der Universität Göttingen. Seit 1979 ist er in verschiedenen Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit tätig. So war er von 1993 bis 2002 Geschäftsführer der Carl Duisberg Gesellschaft e. V. und anschließend Geschäftsführer der InWEnt – Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH.

Januar 2015

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