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develoPPP.de: nachhaltige Entwicklungspartnerschaften in der Praxis

Strom aus Erdnussschalen? Wer das develoPPP.de-Programm noch nicht kennt, kann bei unseren Projektbesuchen einige überraschende Erkenntnisse gewinnen. Seit 1999 fördert das Entwicklungsministerium (BMZ) im Rahmen des Programms internationale Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft. Ob es um klimafreundliche Energiegewinnung oder nachhaltiges Abfallmanagement geht – europäische Unternehmen engagieren sich erfolgreich in unterschiedlichen Branchen in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Unter dem Motto „Gemeinsam gehen, weiter kommen“ wurden in den vergangenen 15 Jahren mehr als 1.500 develoPPP.de-Projekte in über 70 Ländern realisiert. Dafür hat das Entwicklungsministerium Akteure zusammen gebracht, deren internationales Engagement sich vielfach ergänzt. Dies sind zum einen deutsche und europäische Firmen, die in die Zukunftsmärkte Afrikas, Asiens oder Lateinamerikas investieren wollen; zum anderen sind es drei Institutionen der Entwicklungspolitik, die über jahrzehntelange fachliche und regionale Erfahrung verfügen und das develoPPP.de-Programm umsetzen. Unsere Besuche zeigen, was sich hinter einzelnen Projekten verbirgt.

develoPPP.de: „Am besten gemeinsam“

Erdnussschalen, Bambus und ägyptisches Mode-Design haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam. Im Hinblick auf Entwicklungspartnerschaften des develoPPP.de-Programms jedoch schon. Die drei Begriffe stehen jeweils für eins der develoPPP.de-Projekte, die in Afrika bereits erfolgreich realisiert wurden. Der erste Projektbesuch führt uns in das Dorf Kalom im Senegal. Wie viele ländliche Gebiete des westafrikanischen Landes ist auch der 1.200 Einwohner zählende Ort nicht an das nationale Stromnetz angeschlossen. Elektrische Geräte wie Kühlschränke oder gar eine effiziente Schälmaschine für Erdnüsse ließen sich nicht betreiben. Seit 2012 ist das anders. Die Stiftung „Energie für Afrika“ der Stadtwerke Mainz AG hat gemeinsam mit dem Projektentwickler für erneuerbare Energien Novis GmbH und der DEG in einer develoPPP.de-Entwicklungspartnerschaft ein Biomassekraftwerk errichtet, das den Ort mit Strom versorgt.

Betrieben wird das Kraftwerk mit biologischen Brennstoffen, vor allem Hirsestängel und Erdnussschalen. Auf diese Weise bietet es nicht nur seinen Beschäftigten einen Arbeitsplatz, sondern auch eine Einnahmequelle für die lokalen Bauern, die die bislang ungenutzten Bioabfälle ans Werk verkaufen. Alle Dorfbewohner können über ein Prepaid-System – wie beim Mobiltelefon – ihre „Stromguthaben“ individuell aufladen. Die Stadtwerke Mainz finden im Dorfwerk einen möglichen Einstieg in den senegalesischen Strommarkt. Für Dr. Joachim Schwerd, Projektleiter „Kalom“ der Stadtwerke Mainz, ist Afrika ein attraktiver Zukunftsmarkt mit großem Potenzial für erneuerbare Energien. Seitdem das Dorfwerk arbeitet, beobachtet er eine interessante Entwicklung: „Es sind einige Familien aus anderen Dörfern neu hinzugezogen, weil es dort jetzt Strom gibt. Die Bewohner haben sich auch schon Elektrogeräte gekauft. Außerdem hat die Erdnusskooperative eine Schälmaschine beschafft und will sich damit im Mini-Gewerbegebiet niederlassen.“

Schnell wachsend wie der Bambus: Zukunftsmärkte Afrika

Unsere zweite Station liegt im ostafrikanischen Äthiopien. Obwohl hier über 67 Prozent des gesamten Bambusbestands Afrikas wachsen, wird diese schnell wachsende und attraktive Alternative zu Tropenholz industriell kaum genutzt. Lediglich wenige Kleinbetriebe stellen einfache Möbel oder Matten aus Bambus her. Dabei ist die Nachfrage für industriell erzeugte Bambusprodukte auf dem internationalen Markt groß. Das äthiopische Möbelunternehmen African Bamboo plant deshalb gemeinsam mit seinen drei deutschen Geschäftspartnern Dynea AS, Dieffenbacher GmbH und Michael Weinig AG sowie der GIZ im Rahmen einer develoPPP.de-Entwicklungspartnerschaft die industrielle Verarbeitung des äthiopischen Bambus. Ziel ist, eine komplette Wertschöpfungskette für Bambusprodukte – angefangen vom Anbau über Sammelstellen bis hin zu Verarbeitungsfabriken für Terrassendielen – aufzubauen. So entstehen neue Jobs und zusätzliche Einkommen für äthiopische Kleinbauern.

Kooperativ, nachhaltig – kreativ

Nachhaltige und kreative Ideen sind auch beim dritten Projektbeispiel aus Nordafrika gefragt. Es geht um frisches Modedesign aus Ägypten. Anstoß für die develoPPP.de-Entwicklungspartnerschaft gab die Messe Berlin. Für ihre jährliche Verkaufsausstellung Bazaar Berlin (ehemals Import Shop), bei der aktuelle Produkte aus aller Welt vorgestellt werden, ist sie immer auf der Suche nach originellen und neuen Designs. Gemeinsam mit Global Project Partners e.V. und sequa initiierte die Messe Berlin schließlich eine Entwicklungspartnerschaft zum Thema Weiterbildung in der ägyptischen Designbranche. Designerinnen aus Europa und Ägypten entwickeln in Workshops gemeinsam kommerziell erfolgreiche, zeitgenössische Kreationen bis hin zur Musterkollektion. Lehrkräfte des Istituto di Moda Burgo in Kairo und der Helwan Universität sind im Projekt eingebunden. Die Ergebnisse der kreativen Arbeit werden beim Bazaar Berlin vorgestellt und erreichen ein großes Publikum – und neue Absatzmärkte.

develoPPP.de: Ideenwettbewerb für Unternehmen

Das develoPPP.de-Programm feierte 2014 sein 15-jähriges Jubiläum. Unternehmen, die sich für die Teilnahme am Ideenwettbewerb interessieren, bewerben sich mit ihrem Projektvorschlag bei dem von ihnen ausgewählten Partner (DEG, GIZ oder sequa). Die Bewerbungsphasen laufen jeweils von:

  • 15. Februar bis 31. März
  • 15. Mai bis 30. Juni
  • 15. August bis 30. September
  • 15. November bis 31. Dezember

Alle Informationen zur Bewerbung finden Sie auf der Webseite develoPPP.de

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August 2014

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