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Kreativwirtschaftszentren: Abschied von der „brotlosen Kunst“

Menschen, die in der Kultur- und Kreativbranche tätig sind, fehlt oft das wirtschaftliche Know-how. Das Goethe-Institut will deshalb gemeinsam mit dem Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE)  den Unternehmergeist von Kunst- und Kulturschaffenden fördern und vermittelt in derzeit drei Kreativwirtschaftszentren in Griechenland, Indonesien und Südafrika wirtschaftliche Perspektiven.

Ob Design, Musik oder Literatur – viele  Künstlerinnen und Künstler wollen in erster Linie innovativ sein, mit ihren Werken die Gesellschaft wachrütteln oder abseits des Mainstreams kulturelle Angebote schaffen. Um ihren Lebensunterhalt zu sichern, müssen Kunst- und Kulturschaffende aber auch nach ökonomischen Prinzipien handeln, die vielen von ihnen eher fremd sind.

Kunst und Ökonomie sind kein Widerspruch

Die Kultur- und Kreativbranche hat sich in den vergangenen Jahren weltweit zu einem dynamischen Wirtschaftszweig entwickelt. Typisch für die Branche sind Kleinstunternehmen, und während in einigen Teilmärkten die Gewinne schon immer niedrig ausfallen, sind andere Bereiche wie die Software- und Games-Industrie wirtschaftlich sehr erfolgreich.

Die deutsche Politik spricht der Kreativwirtschaft eine wichtige Rolle zu: für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des Landes, aber auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Zeiten der Digitalisierung und Globalisierung .

  • Quelle (c) Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, 2009

    Die elf Teilmärkte der Kreativbranche

  • Quelle (c) Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, Destatis, 2016c; eigene Berechnungen ZEW

    Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist in Deutschland ein wichtiger Wirtschaftszweig

    Die Bruttowertschöpfung der Kultur- und Kreativwirtschaft für die Jahr 2014 bis 2016 lag höher als jene der chemischen Industrie oder des Finanzdienstleistungssektors.

  • Quelle (c) International Confederation of Societies of Authors and Composers (CISAC)

    Kultur- und Kreativwirtschaft weltweit: Einnahmen und Arbeitsplätze (2015)

    Beim Fernsehen waren 2015 die Gewinne weltweit im Vergleich zu anderen Kreativmärkten am höchsten, die meisten Beschäftigten gab es im Bereich der bildenden Künste.

Neue Perspektiven durch Entrepreneurship

Oft fehlt Kultur- und Kreativwirtschaftsakteuren wirtschaftliches Know-how, um ihre Produkte und Ideen gewinnbringend zu verkaufen. Das Goethe-Institut will deshalb gemeinsam mit dem Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE) der Hochschule München  Kultur- und Kreativschaffende qualifizieren, unternehmerisch zu denken und als Entrepreneure zu handeln, damit sie ihre kulturellen und kreativen Produkte besser auf den Markt bringen und neue Märkte erschließen oder erschaffen können.

Mit finanzieller Unterstützung vom Auswärtigen Amt wurden in Griechenland, Südafrika und Indonesien drei Cultural Entrepreneurship Hubs gegründet. Dort können sich Kultur- und Kreativwirtschaftsakteure unternehmerisches Wissen aneignen und ihr Start-up auf den Weg bringen.

Einzelkämpfer gibt es hier nicht. „Wir bieten den kreativen Gründern die Möglichkeit, sich national und international besonders mit der deutschen Kreativwirtschaft zu vernetzen, damit sie ihre einzelnen Ideen zu größeren Visionen entwickeln können“, so Projektkoordinator Dr. Johann-Jakob Wulf vom Goethe-Institut.

Vernetzung, Weiterbildung, Kooperation

Die drei Hubs sind inzwischen zu einer beliebten Anlaufstelle für Kreative geworden. Weil die Kunst- und Kulturszene in Jakarta, Johannesburg und Thessaloniki sehr unterschiedlich ist, gleicht kein Hub dem anderen.

  • Dumisane Kweyama – Foto (c) Goethe-Institut/Loredana LaRocca

    Johannesburg: der Inhouse-Hub

    Im Hub in der Bibliothek des Goethe-Instituts bilden sich im Rahmen eines kuratierten Mentoring-Programms jeweils 12 Kultur- und Kreativschaffende für ein halbes Jahr weiter und arbeiten an ihrer Businessidee. Interessierte können sich beraten lassen und Kontakte knüpfen.

    Einer von ihnen ist der Schuhmacher Dumisane Kweyama aus Durban. Im Hub erhielt er den Denkanstoß, seine Schuhe nicht nur als Fußbekleidung, sondern auch als Kulturgut wahrzunehmen und anzubieten. Schließlich sind die Farben und Muster der Schuhe typisch für die Region; das Leder stammt aus den Dörfern in der Umgebung. Zudem begann Dumisane Kweyama in größeren Dimensionen zu denken: Er könnte die Schuhe etwa in einem anderen Stadtteil für einen wesentlich höheren Preis verkaufen und dann die Gemeinden, aus denen er sein Leder bezieht, am zusätzlichen Gewinn beteiligen.

  • Made Ayu – Foto (c) Goethe-Institut/Loredana LaRocca

    Jakarta: der Hochschul-Hub

    Am Cultural Entrepreneurship Hub entstehen in Zusammenarbeit mit der Kunsthochschule in Surakarta neue Lerninhalte für das Curriculum zum Entrepreneurship. Für Studierende, die ihr eigenes Unternehmen gründen wollen, bietet der Hub ein an die Universität angeschlossenes Mentorenprogramm an.

    Made Ayu holte sich beim Goethe-Institut in Surakarta Tipps für ihre Geschäftsidee. Sie möchte mithilfe von einheimischen Bio-Lebensmitteln ausländische Besucher einladen, die Kultur Indonesiens abseits des Massentourismus kennenzulernen. So organisiert sie etwa Touren zur Obst- oder Tee-Ernte als Alternative zum typischen Strandurlaub.

  • Eleni Koumara – Foto (c) Loredana LaRocca

    Thessaloniki: der Netzwerk-Hub

    Der Hub ist vor allem eine Vernetzungsstelle für die bereits gut etablierte Kultur- und Kreativszene der Stadt. In der Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, der Universität und anderen Kreativwirtschaftszentren zeigen sich konkrete Weiterbildungs- und Beratungsbedarfe der Kreativen, die der Hub aufgreift.

    Eleni Koumara hat ihre Leidenschaft für Schmuck zum Beruf gemacht. In ihrer Schmuckkollektion verarbeitet sie griechische Steine und greift in ihren Entwürfen die Geschichte Thessalonikis auf. Der Hub ermöglichte ihr eine Reise zur internationalen Schmuckmesse „Munich Jewellery Week” in München, wo sie viele Kontakte knüpfen konnte – zum künstlerischen Austausch und für die Erschließung neuer Märkte oder Kooperationen.

Für das Goethe-Institut sind die Hubs ein wichtiger Baustein, um den Kultursektor zu stärken, Kulturschaffende zu qualifizieren und sie mit bestehenden Einrichtungen in Deutschland und weltweit zu vernetzen. Vor allem sollen die Hubs Kultur und Wirtschaft in Zukunft noch enger zusammenbringen. „Die beiden Bereiche werden immer noch zu häufig getrennt betrachtet. Wir wollen Strukturen schaffen, die eine bessere Verknüpfung ermöglichen,“ sagt Dr. Johann-Jakob Wulf. Viele Kultur- und Kreativschaffende werden diese Strukturen nutzen wollen, für kreative Impulse, neue Märkte und wirtschaftliche Perspektiven.

Video: Cultural Entrepreneurship Hubs bei der Munich Creative Business Week (englisch)

Sind Sie in der Kultur- und Kreativbranche tätig? Oder überlegen Sie, ein Start-up in diesem Bereich zu gründen? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Würden Sie anderen raten, Kunst oder Kultur zum Beruf zu machen? Wir freuen uns darauf, von Ihnen in der Community-Gruppe „Spotlight on Jobs & Careers“ zu lesen!

Community-Gruppe

Autorin: Susanne Reiff, to the point communication

Oktober 2018

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