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Der Wert der Dinge: Wie transparent ist der Rohstoffhandel?

Korruption und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen – so lauten unter anderem die Vorwürfe an einige Akteure im internationalen Rohstoffhandel. Transparenz soll für mehr Verantwortung der Unternehmen und für mehr Klarkeit für die Verbraucher sorgen.

Belgische Menschenrechtsgruppen starteten 2001 eine Kampagne, um auf die erschütternden Zustände in und um die kongolesischen Coltan-Minen aufmerksam zu machen. Unter dem Motto "Kein Blut in meinem Handy" wurde der Zusammenhang zwischen der Produktion von Mobiltelefonen und den Abbaubedingungen des Erzes Coltan aufgezeigt. Unter dem zunehmenden öffentlichen Druck beendeten schließlich die zwei größten Unternehmen im Coltan-Handel, H.C. Starck und Cabot Corporation, ihr Geschäft mit der D.R. Kongo.

Zunehmend wird eine ethische Verantwortung von den Unternehmen im Rohstoffhandel eingefordert. Verbraucher wollen wissen, woher die Rohstoffe kommen und unter welchen ökologischen und sozialen Bedingungen sie abgebaut werden. Doch zerstörerische Arbeits- und Umweltbedingungen kommen nicht nur beim Erz Coltan vor. Wer weiß schon, woher zum Beispiel das Kupfer stammt, das in unseren Autos oder Computern verwendet wird?

Vom Handy bis zum Auto: Die Produktion von Rohstoffen geht uns alle an

Verbraucher haben im Normalfall kaum Informationen über die Herkunft der verwendeten Rohstoffe. Laut Auskunft des deutschen Kupferinstitutes wird knapp die Hälfte des europäischen Bedarfs an Kupfer durch die Aufarbeitung von Abfällen hergestellt. Das recycelte Material besitzt die gleiche Qualität wie aus Minen erzeugtes Kupfer. Dabei schont das Recycling aber die begrenzten natürlichen Ressourcen, reduziert den Müll und hilft Energie zu sparen.

Die Bilanz bei den Primärrohstoffen sieht anders aus. Die Verträge, die zwischen rohstoffreichen Entwicklungsländern und den weiterverarbeitenden Unternehmen in den Industrienationen geschlossen werden, sind geheim. Die fehlende Transparenz beim Rohstoffhandel fördert die Korruption und ist häufig verbunden mit Umweltzerstörung und unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Rohstofferlöse verschwinden zudem oft in dunklen Kanälen. Die einheimische Bevölkerung wird so ihrer Entwicklungschancen beraubt.

Ohne Transparenz im Rohstoffhandel geht es nicht

Nichtregierungsorganisationen (NROs) betonen, dass ohne Transparenz bei Verhandlungen und beim Zahlungsverkehr zwischen Unternehmen und Regierungen die sozialen und ökologischen Standards beim Rohstoffhandel nicht erfüllt werden. Inzwischen findet ein Umdenken statt. 2003 wurde in Europa die Transparenz-Initiative EITI (Extractive Industries Transparency Initiative) gegründet. Entwicklungsländer verpflichten sich, Zahlungsströme von rohstofffördernden Unternehmen an den Staat transparent zu behandeln. Mittlerweile sind 36 Staaten der EITI beigetreten.

Die bislang weitreichendste gesetzliche Regelung ist 2010 in den USA eingeführt worden. Ein Passus im Dodd-Frank-Act verpflichtet börsennotierte Unternehmen bei bestimmten Rohstoffen, zum Beispiel Coltan, Gold oder Wolfram, nachzuweisen, dass sie nicht aus Konfliktregionen stammen.

In Europa bemühen sich Unternehmen, Missstände mit freiwilligen Selbstverpflichtungen auszuschließen. Derzeit wird ein Vorschlag der EU-Kommission diskutiert: Die am Rohstoffhandel beteiligten Firmen sollen sich zur Offenlegung ihrer Zahlungen an ausländische Regierungen verpflichten.

Oktober 2012

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