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„ZGI:kompakt“ – Workshop für Social Entrepreneurs

Social Entrepreneurs sind Unternehmer, die Gutes tun und damit Geld verdienen. Ein Zertifikatsprogramm für Einsteiger der Social Entrepreneurship Akademie (SEA) in München will Existenzgründern helfen, ihre sozialen, kulturellen oder ökologischen Ideen umzusetzen. Wie das geht, erläutert Oliver Beckmann im Gespräch.

Der Politikwissenschaftler Oliver Beckmann arbeitet als Leiter Qualifizierung bei der Social Entrepreneurship Akademie (SEA) in München.

Herr Beckmann, das Programm „ZGI:kompakt“ will vermitteln, wie Social Entrepreneurship gelingen kann. Wie geht das – und für wen ist „ZGI:kompakt“ geeignet?

Oliver Beckmann: „ZGI:kompakt“ ist ein zweitägiger praxisnaher Intensivworkshop für Studierende und junge Berufstätige aus möglichst vielen Bereichen, die gesellschafsrelevante unternehmerische Gründungen planen und erste eigene Ideen mit finanzieller Nachhaltigkeit umsetzen wollen.

Warum ist das wichtig?

Oliver Beckmann: Weil an den Hochschulen noch viel zu stark zwischen Profit- und Non-Profit-Bereichen unterschieden wird. Da setzt Social Entrepreneurship an. Dabei geht es vor allem um Innovationen, die bewusst nicht auf vorhandene Strukturen setzten.

Video „ZGI:kompakt“ – Social Entrepreneurship

Mit unseren Seminaren sprechen wir Studenten aus dem „Arabischen Frühling“ an, die unabhängig von Fördergeldern Dokumentationszentren über die Gräueltaten des Mubarak-Regimes aufbauen wollen. Oder junge Unternehmer aus Afrika, die mit mobilen Bezahlsystemen mehr bewirken als 20 Jahre Entwicklungsarbeit. Für solche Projekte versuchen wir das erste Wissen zu vermitteln. Und das funktioniert richtig gut.

„ZGI:kompakt“

Das einjährige Zertifikatsprogramm „Gesellschaftliche Innovationen“ (ZGI) wurde 2010 von vier Münchner Universitäten entwickelt. Die zweitägige Kurzversion „ZGI:kompakt“ entstand aufgrund der großen Nachfrage 2013 und wird von der Social Entrepreneurship Akademie (SEA) mit Förderung der KfW-Stiftung europaweit an Instituten, Stiftungen und Hochschulen durchführt. Ob Kosten für Teilnehmerinnen und Teilnehmer übernommen werden, ist von den Partnerinstitutionen abhängig.

Social Entrepreneurs lösen fächerübergreifend Probleme

Wie läuft „ZGI:kompakt“ konkret ab?

Oliver Beckmann: „ZGI:kompakt“ besteht aus vier aufeinander aufbauenden Modulen, die den angehenden Social Entrepreneurs grundlegende, teils neuartige Methoden, Standards und Kompetenzen zum Aufbau eines Sozialunternehmens vermitteln. Das reicht von der Vorstellung beispielhafter Initiativen über die Entwicklung erster eigener Ideen bis hin zum ersten Businessplan und Wachstums- oder Wirkungsstrategien.

Und dann haben wir noch einen ganzen Nachmittag, in dem interdisziplinäre Kleinteams in einem strukturierten Prozess die ersten Social-Startup-Ideen und Prototypen kreieren – und gleich Feedback bekommen. Das ist furchtbar anstrengend, kommt aber immer am besten an.

Wie reagieren Sie denn auf die unterschiedlichen Zielgruppen?

Oliver Beckmann: Gar nicht! Das Interdisziplinäre ist in unserem Workshop für Social Entrepreneurs ja gewünscht und gewollt. Die großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit lassen sich nur fächerübergreifend lösen. Die Forschung bestätigt: Je interdisziplinärer die Teams, desto größer die Innovation.

Das ist nicht einfach, weil Sozialwissenschaftler, Designer oder Ingenieure eine andere Sprache sprechen. Da muss man erst einmal dafür sorgen, dass die Hemmungen fallen, um miteinander zu reden und zu arbeiten. Aber es lohnt sich.

Apropos „lohnen“ – was bringt das Zertifikat?

Oliver Beckmann: Das Zertifikat ist das Sahnehäubchen, das die Leistung würdigt und das man auch seinen Bewerbungsschreiben beilegen kann. Wichtig ist das Seminar und was es vermittelt.

Ist Social Entrepreneurship wirklich ein Lösungsweg für Krisenländer?

Social Entrepreneurship hilft Europa aus der Krise

Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit „ZGI:kompakt“ gewonnen?

Oliver Beckmann: Die gewaltige Nachfrage nach „ZGI:kompakt“ hat uns selbst überrascht. Allein für unsere bisher acht Seminare in Deutschland hatten wir über 500 Bewerbungen – was uns dazu bewogen hat, das Programm jetzt europaweit anzubieten. Social Entrepreneurship ist in vielen Ländern ja noch unbekannt.

Den ersten Versuch haben wir im Januar 2015 mit dem Goethe-Institut in Thessaloniki gestartet. In Griechenland mit seinen 40 Prozent Jugendarbeitslosigkeit haben wir da offenbar eine Lücke geschlossen. Gerade in solchen Ländern in Ost- und Südosteuropa könnte das Modell, sich selbstständig zu machen und soziale Probleme zu lösen, ein kleiner Schritt auf dem Weg aus der Krise sein.

Juni 2015

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