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Innovation Hubs sind Entwicklungsmotoren für Afrika

Wie entstehen Innovationen in Afrika – gerade auch im Segment der Nachhaltigkeit? Und welche jüngsten Beispiele gibt es? Im Interview erklärt Projektmanagerin Geraldine de Bastion das Konzept der Innovation Hubs und berichtet von jüngsten Entwicklungen, die Mut machen.

Frau de Bastion, was genau ist ein Innovation Hub?

Geraldine de Bastion: Innovation Hubs spielen eine wichtige Rolle in der rasant wachsenden Technologie-und Unternehmensszene Afrikas. In immer mehr Städten, von Kairo über Addis Abeba bis Daressalam werden Hubs gegründet, um die Anlaufpunkte für die lokale IT- und Kreativwirtschaft zu schaffen.

Innovation Hubs sind Ausdruck und Treiber der wachsenden lokalen IT- und Kreativwirtschaft in afrikanischen Ländern. Sie bieten einen physischen Raum für lokale Internet- und IT-Communities, Unternehmer, Start-ups und Kreativschaffende. Durch Inkubations- und Mentorenprogramme, durch Veranstaltungen und Trainings sowie die Bereitstellung von Internetkonnektivität und Büroausstattung unterstützen sie die Entwicklung lokaler Innovationen, nicht nur im Bereich IT bzw. Internet- und Kreativwirtschaft, sondern auch in anderen Sektoren wie erneuerbare Energien und Agrarwirtschaft.

Ähnliche Entwicklungen finden sich auch in Asien und Südamerika. Ihr gemeinsames Ziel ist die Förderung lokaler Innovationen, ein Wissensaustausch zu einem frühen Entwicklungszeitpunkt sowie die Förderung von Kooperationen. Innovation Hubs unterstützen die Vernetzung zwischen lokalen Akteuren und schaffen Verbindungen zu Investoren und internationalen Organisationen.

„Das Konzept der Innovation Hubs hat in vielen Ländern eine Lücke gefüllt“

Und woher kommt die Idee der Innovation Hubs?

Geraldine de Bastion: Die Idee, physische Orte zur Vernetzung und Weiterbildung zu schaffen, ist nicht neu. In vielen afrikanischen Ländern fehlen herkömmliche Strukturen, die Verbindungen zwischen Universitäten und der Wirtschaft bilden, jungen Menschen Zugang zu Fördermöglichkeiten bieten und sie bei der Gründung von Start-ups unterstützten. Daher hat das Konzept der Innovation Hubs in vielen Ländern eine Lücke gefüllt und erfolgreich eingeschlagen.

In welchen afrikanischen Ländern gibt es gelungene Beispiele?

Geraldine de Bastion: In den meisten Hauptstädten haben sich mittlerweile Innovation Hubs etabliert. Eine Übersichtskarte zeigt die wachsende Zahl der Innovation Hubs in Afrika.

Welche guten Erfindungen wurden schon gemacht?

Geraldine de Bastion: Beispiele für das gewaltige kreative Potential solcher Hubs sind sowohl raffinierte mobile Applikationen wie auch Low-Tech-Lösungen für den Alltag. Ein typisches Beispiel für den möglichen Output ist die Entwicklung einer kostengünstigen Solarthermieanlage durch icecairo, einem von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) initiierten grünen Innovation Hub. Ein weiteres prominentes Beispiel sind die Beinprothesen, die Designer und Prothesenhersteller rund um ein indonesisches Innovation Hub als Alternative zu den marktüblichen, teuren Prothesen aus Titan entwickelt haben. Die Bauanleitung ist dabei für alle einsehbar und kann unkompliziert an die verschiedenen Bedarfe angepasst werden.

Zur Person

Geraldine de Bastion ist Politologin und internationale Politikberaterin. Sie berät öffentliche Institutionen, Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen zum strategischen Einsatz digitaler Technologien und neuer Medien für politische Kommunikation und neue Geschäftsmodelle. Außerdem arbeitet Sie mit Bloggern und Aktivisten zu Themen wie Internet- und Medienfreiheit.

Geraldine de Bastion ist Gesellschafterin der Konnektiv GbR und arbeitet als freie Kuratorin und Moderatorin für die re:publica, Europas größte Konferenz zum Thema Internet und Gesellschaft, und weitere internationale Veranstaltungen. Geraldine de Bastion engagiert sich ehrenamtlich in den Vereinen Digitale Gesellschaft e.V., und ICE Bauhaus.

Innovation Hubs wurden 2013 auf der re:publica vorgestellt – wie genau?

Geraldine de Bastion: Auf der re:publica 2013 – Europas größter Konferenz zum Thema Internet und Gesellschaft mit über 5.000 Besuchern – fand dieses Jahr in Berlin das erste globale Treffen von Innovationszentren statt. In Zusammenarbeit mit dem afrikanischen Netzwerk AfriLabs brachten die Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) sowie die GIZ Ägypten vom 6. bis 8. Mai rund 20 Innovation Hubs aus Afrika, Asien und Südamerika zur Global Innovation Lounge zusammen. Hier vernetzten sich die Hubs untereinander und mit Besuchern der re:publica, tauschten ihre Ansätze und Erfahrungen aus und zeigten, was alles in der Welt an spannenden technologischen Innovationen entsteht.

Was ist Ihr Lieblingsprojekt?

Geraldine de Bastion: Offene und freie Internet-Infrastruktur ist immer noch ein wichtiges Thema und ein großes Problem in vielen afrikanischen Ländern. Daher beeindruckt mich das Projekt von ActiveSpaces in Kamerun. Da es in den meisten Gebieten keine bezahlbare, gute Internetversorgung gibt, haben sie eine virtuelle Bibliothek entwickelt, die keinen Internetzugang braucht. DataZone nutzt moderne Computer und Mobiltelefone, läuft aber über ein LAN-Netzwerk. Etwa 1.000 Studenten an der Universität in Buea testen sie seit Januar. Die Inhalte sind kostenlos nutzbar; finanziert wird der Dienst mit Entertainment: In der virtuellen Bibliothek finden sich auch Songs lokaler Musiker, die man für wenig Geld herunterladen kann. In Zukunft soll DataZone auch genutzt werden, um Zugang zu Wissen in ländliche Gegenden zu bringen.

Was ist für die Zukunft geplant? Welche neue Innovation Hubs wird es geben?

Geraldine de Bastion: Es entstehen jeden Tag neue Hubs. Welche davon nachhaltig Erfolg haben werden, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen. Das Treffen auf der re:publica hat das AfriLabs-Netzwerk gefestigt und vorangebracht. Eine Reihe von gemeinsamen Aktivitäten und Projekten ist in Planung, die den Wissensaustausch und die Zusammenarbeit zwischen den Innovation Hubs fördern werden. Hoffentlich können wir die Ergebnisse auf der re:publica 2014 präsentieren.

Oktober 2013

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