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Brücken bauen, Lücken schließen – Wege zur Überwindung der digitalen Kluft

Wissen ist Macht. Und seit es das Internet gibt, ist sein unerschöpflicher Fundus an Informationen zu einer der wichtigsten Quellen für Wissen – und Macht – geworden. Heute teilt sich die Weltbevölkerung durch die sogenannte digitale Kluft in jene Menschen, die Zugang zum Internet haben, und die, die vom Netz abgeschnitten sind.

Die US-amerikanischen Wissenschaftler Phillip Tichenor, George Donohue und Clarice Olien sprachen 1970 erstmals von einer Wissenskluft, die durch den Informationsfluss der Massenmedien entstehe. Abhängig von ihrer Bildung, ihrem sozialen und wirtschaftlichen Status hätten Menschen einen unterschiedlichen Zugang zu Massenmedien und eigneten sich auf unterschiedliche Weise Wissen an.

Von der Wissenskluft zur digitalen Kluft

Da an die Stelle älterer Massenmedien – Zeitung, Radio, Fernsehen – inzwischen das Internet und die neuen Medien getreten sind, hat sich die Wissenskluft zur digitalen Kluft gewandelt. Sie spaltet Gesellschaften überall dort, wo Menschen aus technischen, sozialen, ökonomischen oder anderen Gründen keinen Zugang zum Internet haben oder nicht die nötigen Kenntnisse zur Nutzung von Computern und Internet mitbringen.

Die digitale Spaltung existiert auf vielen Ebenen: Höher gebildete Menschen profitieren stärker von der Digitalisierung als weniger gebildete. Gut situierte Bevölkerungsgruppen nutzen neue Medien mehr als ärmere, und jüngere Menschen – sogenannte Digital Natives – gehen selbstverständlicher mit der digitalen Welt um als ältere, die – als Digital Immigrants – die Nutzung des Internets und neuer Medien erst im Erwachsenenalter erlernen. Auch ist eine digitale Kluft zwischen Bewohnern von Städten und ländlichen Regionen festzustellen.

Projekte zur digitalen Inklusion

In vielen Ländern sind in den letzten Jahren Projekte initiiert worden, die dazu beitragen, die digitale Kluft zu verkleinern und hoffentlich irgendwann zu schließen. Bei der re:publica 2014, der größten europäischen Konferenz zum Thema Internet und Gesellschaft in Berlin, befassen sich viele Vorträge und Diskussionen mit Belangen der digitalen Inklusion, zum Beispiel von älteren Menschen, die Vorbehalte gegen das Internet haben. Auch das barrierefreie Internet ist dort Thema, da es Menschen mit Behinderungen ganz neue Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe eröffnet. Andere Initiativen, wie etwa das britische Unternehmen DigiBridge, bringen sozial Benachteiligte ins Netz und verwerten weggeworfene Geräte.

Video: Das brasilianische Center for Digital Inclusion (englisch)

Digitale Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern

Am deutlichsten klafft die digitale Spaltung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Während in den Industrienationen schon kleine Kinder Smartphones und Tablets besitzen, kämpfen Projekte zur digitalen Inklusion in den Entwicklungs- und Schwellenländern im doppelten Sinne: Sie kämpfen – wie seit jeher – gegen Armut und Mangel an Bildung; hinzu kommt jedoch, dass für digitale Ausbildungsprogramme vielerorts die technischen Voraussetzungen erst geschaffen werden müssen.

Bereits 1995 gründete Rodrigo Baggio in Rio de Janeiro das Center for Digital Inclusion (CDI), das inzwischen in 13 Ländern operiert und zahlreiche Community Center betreibt, in denen Kinder und Jugendliche die Arbeit am Computer und mit dem Internet erlernen.

Global zählt die International Telecommunication Union (ITU) als spezialisierte Agentur der Vereinten Nationen für Informations- und Kommunikationstechnik mit derzeit 193 Mitgliedsstaaten zu den wichtigsten Akteuren auf dem Weg zur digitalen Inklusion. Zu ihrem Ziel – „connecting all the world’s people, wherever they live and whatever their means “ – schreibt Direktor Brahima Sanou in der jüngsten Statistik hoffnungsvoll: „ The new figures show that, by the end of 2014, there will be almost 3 billion Internet users, two-thirds of them coming from the developing world […]. Behind these numbers and statistics are real human stories. The stories of people whose lives have improved thanks to ICTs (information and communication technology). “

Video: ITU – „ICTs for a Better Future“ (englisch)

Juli 2014

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