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Mikroversicherung – ein neues Instrument der Entwicklungshilfe

Menschen in Entwicklungsländern, die besonders stark Schadensrisiken wie beispielsweise Feuer, Unfall oder Naturkatastrophen ausgesetzt sind, haben häufig keinen Zugang zu Versicherungen – obwohl sie diese dringend bräuchten. Die Mikroversicherung soll nun Abhilfe schaffen.

Wie sollen sich Menschen in Entwicklungsländern gegen Lebensrisiken versichern? Diese Frage stand lange nicht im Zentrum der Entwicklungshilfe. Seit einigen Jahren rückt die Zukunftsvorsorge der Armen und Ärmsten aber verstärkt in den Fokus der Branche. Eine Antwort ist die Mikroversicherung, auf Englisch „microinsurance scheme“, für die sich Firmen wie etwa Cruzsalud in Venezuela oder Microcare in Uganda einsetzen. International sind Versicherer wie die Allianz und Munich RE aktiv.

Was sind die Ziele einer Mikroversicherung?

In armen Haushalten sind die Risiken in Bereichen wie Unfälle, Krankheit oder auch Diebstahl potenziell höher. Auch Naturkatastrophen und Ernteausfälle treffen Menschen in Entwicklungsländern oft besonders hart. Gleichzeitig haben diese aber kaum Mittel, Schadensfälle zu kompensieren und verlieren sehr schnell ihre wenigen Ersparnisse, wenn sie krank werden, etwas gestohlen wurde oder andere Schäden entstanden sind. Arme Menschen sind also besonders stark auf Versicherungen angewiesen, gleichzeitig fehlt aber das Geld dafür. Und es fehlt auch das Wissen, dass und wie man sich absichern sollte.

Zudem lehnen klassische Versicherer es oft ab, Menschen mit sehr geringem Einkommen, etwa in Asien oder Afrika, als Kunden aufzunehmen. Es gibt daher häufig keinerlei Angebote für arme Bevölkerungsschichten – ein Problem, dem sich die Entwicklungshilfe stellen muss.

Soziale Sicherung: Beratung durch die GIZ

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützt beim Aufbau von Kleinst- oder Mikroversicherungen und anderen sozialen Sicherungssystemen und berät alle beteiligten Akteure, beispielsweise Regierungsinstitutionen oder Versicherungsanbieter. Ziel ist es, die Rahmenbedingungen in Entwicklungs- und Schwellenländern so zu verbessern, dass soziale Sicherungssysteme auf die gesamte Bevölkerung ausgedehnt werden können.

Mikroversicherung als neue Form des sozialen Unternehmertums

Abhilfe soll da die Mikroversicherung schaffen. Sie kann den Menschen vor Ort helfen, aber auch den Versicherungen, die sich in Entwicklungsländern neu engagieren, um die bisher vernachlässigten Bevölkerungsschichten als Kundenkreis zu erschließen. Mikroversicherungen gelten als neue Form des sozialen Unternehmertums, das sich im Feld der Nachhaltigkeit gerade sehr schnell entwickelt.

Versicherer, die in dem neuen Feld aktiv sind, haben verschiedene Themen im Blick. Dazu gehören beispielsweise Kranken- und Lebensversicherungen, Absicherungen für den Tod des Viehs und auch den Ausfall der Ernte – ein Schadensfall, den nur wenige klassische Versicherer akzeptieren. Der aber gehört in Entwicklungsländern zum alltäglichen Existenzrisiko, gerade auf dem Land.

Einfache Funktionsweise der Mikroversicherung

Das Prinzip ist dem der Mikrokredite als Entwicklungshilfe ähnlich, die Idee dahinter ebenfalls: Der Versicherte zahlt in kurzer Zeit mehrere kleine Beträge an ein Institut, das sich auf Mikroversicherungen spezialisiert hat; oft gehören die Versicherungen zu Mikrokredit-Paketen und werden entsprechend ausgewiesen. Im Schadensfall wird dann die gesamte Summe ausgezahlt.

Wichtig ist: Die Verträge und Informationen zur Mikroversicherung sollten sehr einfach formuliert sein. Denn oft haben die Versicherten einen geringen Bildungsstand – oder sind gar Analphabeten. Deshalb müssen die Vorteile für sie unmittelbar erkennbar sein, etwa für die eigene Gesundheit, wenn für ein paar Cent im Monat eine Versicherung gegen Krankheit und Tod abgeschlossen werden kann. Diese deckt dann auch die Kredite der Verstorbenen, damit die Familie nicht in Schwierigkeiten kommt.

Problem des Zugangs

Doch Probleme bleiben, denn die Mikroversicherungen kommen bei den Menschen, die sie eigentlich bräuchten, nur selten an. Schätzungen gehen von zwei Prozent aus. Die Werbung dafür erfolgt zum Teil über die Versicherer selbst, was jedoch nicht ausreicht, sagen Experten. Auch Politik und Wirtschaft in den Entwicklungsländern müssen sich an der Kommunikation beteiligen. Wichtig wird außerdem sein, dass noch mehr kommerzielle Versicherungen Angebote machen, da ihre Reichweite insgesamt deutlich größer ist als die von NGOs und lokalen Projekten vor Ort.

April 2014

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