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Hip-Hop, Haushalt oder Hörsaal: So unterschiedlich leben alte Menschen weltweit

Die Menschheit wird älter: Im Jahr 2050 wird es erstmals mehr alte als junge Menschen auf der Welt geben. Dieser gesellschaftliche Wandel betrifft fast alle Länder. Wie sieht die Situation für ältere Menschen in Deutschland, Ghana, Peru, Schweden und China aus?

Ein Wendepunkt steht der Menschheit bevor: Im Jahr 2050 wird es auf der Welt erstmals mehr alte als junge Menschen geben. Das heißt: Es wird mehr Menschen geben, die ihren 60. Geburtstag schon hinter sich haben als Menschen, deren 15. Lebensjahr noch nicht begonnen hat. Eine höhere Lebenserwartung und fallende Geburtenraten – diese Entwicklung findet mittlerweile in fast allen Ländern der Welt statt.  Aber was bringt dieser demografische Wandel mit sich? Wie geht es den vielen alten Menschen? Wir haben uns angeschaut, wie Senioren in Afrika, Asien, Europa und Lateinamerika leben.

Ghana: Der familiäre Zusammenhalt bröckelt

Ghana ist ein junges Land. Nur sieben Prozent der Bevölkerung sind älter als 60 Jahre. Doch auch Ghana altert: 2050 sollen bereits 12 Prozent der dort lebenden Menschen ihren 60. Geburtstag hinter sich haben.

Familie ist der stärkste soziale Kitt. Die meisten alten Menschen leben in Ghana mit ihren Kindern und Enkeln zusammen. Vor allem die Frauen bringen sich oft bis ins hohe Alter im öffentlichen Leben ihrer Gemeinde ein und stemmen den Haushalt ihrer Familie.

Aber die Regierung des Landes räumte 2010 ein, dass sich diese ghanaische Tradition verändert. Denn immer mehr junge Ghanaer ziehen fort, um in Großstädten oder im Ausland Glück und Geld zu finden. Das Problem ist nun: Ein staatliches Rentensystem hat Ghana nicht. Nur wenige Senioren, die in der Wirtschaft tätig waren, erhalten eine Rente. Die vielen Fischer, Bäuerinnen oder Kleinhändler hingegen brauchen die Unterstützung ihrer Familie. Den wachsenden Mangel an Fürsorge – vor allem in den Städten – müssen zunehmend nichtstaatliche Initiativen wie die katholische Kirche oder Non-Profit-Organisationen abdecken.

China: Respekt vor dem Alter

China ist ein Land der Superlative. Dazu gehört auch, dass das Land weltweit die am schnellsten alternde Bevölkerung hat. Es wird geschätzt, dass 2050 mehr als 40 Prozent aller Chinesen 60 Jahre oder älter sein werden. Derzeit sind es rund 16 Prozent.

Früher war es normal, dass Senioren bei ihren Kindern und Enkeln wohnen. Heute gilt das für nicht einmal mehr die Hälfte aller alten Menschen in China: Nur noch 38 Prozent teilen ihr Zuhause mit ihrer Familie. Für China bedeutet dieser Wandel eine Gratwanderung. Denn in konfuzianischer Tradition erwarten die Alten Respekt von ihren Kindern. Doch diese ziehen oft weit weg, um woanders Arbeit zu finden. Das macht es schwer, die Eltern im Alltag zu unterstützen.

Viele ältere Chinesen können aber heute ihren Ruhestand genießen, solange sie gesund sind. Berühmt sind die Videos von chinesischen Rentnern, die unter dem Jubel der Zuschauer in öffentlichen Parks Hip-Hop-Szenen hinlegen oder den Jive tanzen.

Wall Street Journal: Wird China die “Dancing Grannies” verbannen? (englisch)

Deutschland: Rentenpolitik und Pflegenotstand

„Die Rente ist sicher!“ – das behauptete 1986 der westdeutsche Arbeitsminister Norbert Blüm. Heute wird er gerne mit diesem Versprechen zitiert, allerdings mit einem Fragezeichen dahinter. Der Grund ist einfach: Im Jahr 2050 wird jeder dritte Deutsche älter als 60 Jahre sein. Derzeit ist es rund jeder Vierte. Viele junge Deutsche machen sich Sorgen, dass sie zwar im Laufe ihres Lebens viel in die staatliche Rentenkasse einzahlen, jedoch selbst nicht ausreichend Rente bekommen, wenn sie irgendwann nicht mehr arbeiten gehen.

In jedem Wahlkampf spielt Rentenpolitik daher eine große Rolle. Zudem sind die Zustände in Pflegeheimen schon jetzt teilweise schlecht – dort leben derzeit knapp 30 Prozent aller Pflegebedürftigen. In der EU sind Deutschland und Italien übrigens die Länder, deren Gesellschaften am schnellsten altern.

Manche beklagen, dass älteren Menschen in Deutschland nicht genug Anerkennung entgegengebracht wird. Trotzdem: Die meisten Senioren fühlen sich einer Studie des Bundesfamilienministeriums zufolge gut. Sie nutzen ihre Freizeit zum Reisen und bleiben neugierig: Jeder zweite Gasthörer an einer deutschen Universität ist jenseits der 65. Außerdem engagiert sich rund jeder dritte Rentner in einem Ehrenamt.

Schweden: Gemeinsam alt werden

Nach Schätzungen der offiziellen Statistikbehörde wird die Bevölkerungszahl in Schweden bis zum Jahr 2050 auf rund 10,5 Millionen steigen – und rund 2,5 Millionen der Bewohner werden über 65 Jahre alt sein.

Laut UN gehört das skandinavische Land zu den Ländern, in denen man am besten alt werden kann. Die Schweden gehen davon aus, dass sie diesen Erfolg ihren starken Kommunen verdanken. Seit langem ist es Tradition, dass diese sich besonders viel um die Pflege und Unterstützung von alten Menschen kümmern.

In Schweden gilt: Alte Menschen sollen möglichst lange in ihrem eigenen Zuhause leben können. Das ist sowohl billiger für den Staat als auch schöner für die Betroffenen. Kommunen unterstützen dieses Prinzip, indem sie beispielsweise einen Lieferservice für Essen anbieten und Wohnungsbau fördern, der auf die Bedürfnisse alter Menschen zugeschnitten ist.

Hilfe kommt aber auch von den Mitmenschen. Neun von zehn alten Schweden geben an, sich auf die Unterstützung ihrer Familie und Freunde verlassen zu können. Außerdem gibt es einige große Organisationen und Vereine, die sich beim schwedischen Staat speziell für die Interessen alter Menschen einsetzen – diese haben also eine Lobby.

Peru: Schlechte Gesundheitsversorgung auf dem Land

Auch die Länder Lateinamerikas erleben einen rasanten demografischen Wandel, so unter anderem Peru. Jeder fünfte Mensch wird dort im Jahr 2050 über 60 Jahre alt sein, aktuell ist es noch jeder zehnte.

In Peru erhält nur rund die Hälfte aller alten Menschen eine Rente, viele sind demnach auf die die Unterstützung ihrer Familien angewiesen. So leben drei Viertel aller Senioren in Mehrgenerationenhaushalten, also mit ihren erwachsenen Kindern und Enkeln zusammen.

Viele alte Menschen in Peru haben gar keinen Zugang zum Gesundheitssystem, vor allem, wenn sie auf dem Land leben. Oftmals reicht das Geld nicht aus, um weite Strecken zu einem Arzt zurückzulegen. Außerdem ist jeder vierte alte Mensch in Peru nicht krankenversichert.

Wir wollen wissen, wie alte Menschen in Ihrem Land leben!

Teilen Sie mit uns, was alt werden in Ihrem Land bedeutet! Wie ist die Situation der Senioren? Nehmen sie aktiv am sozialen, wirtschaftlichen und politischen Leben teil? Wie steht es um ihre Versorgung? Was könnte besser sein und wie könnte das gehen? Diskutieren Sie mit uns in der Community-Gruppe „Die Welt von Morgen“ zum Thema „Demografischer Wandel: Aktiv und vielfältig in die Zukunft“!

Community-Diskussion

Autorin: Wiebke Schönherr
FLMH Labor für Politik und Kommunikation GmbH

September 2017

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