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Die Better Cotton Initiative – Nachhaltige Baumwolle für Adidas und Co.

Baumwolle ist noch immer die beliebteste Faser zur Herstellung von Kleidung. Ihr Anbau ist jedoch keineswegs ökologisch. Mit der Better Cotton Initiative möchten Unternehmen wie Adidas und H&M eine nachhaltigere Produktion sichern.

Baumwolle steht für gute Hautverträglichkeit und hohen Tragekomfort und ist deshalb nach wie vor das weltweit führende Material in der Textilherstellung: Über 50 Prozent aller Textilien enthalten die weiße Faser. Dabei ist das Tragen von Baumwollprodukten nicht ganz unproblematisch. Denn beim Anbau werden Pestizide eingesetzt, das kann zu gesundheitlichen Schäden beim Tragen der Kleidung führen. Zudem verbraucht der Anbau der Naturfaser so viel Wasser wie alle Privathaushalte weltweit zusammen. Höhere Nachfrage aus den Schwellenländern – allen voran China – sorgen für darüber hinaus steigende Preise.

Natürlicher Umweltverschmutzer mit Wohlfühlfaktor

Höhere Rohstoffpreise bedeuten höhere Produktionskosten. Einen Teil davon wollen die Produzenten decken, indem sie ihrerseits die Preise erhöhen. Viele Kunden sind auch bereit, mehr zu zahlen, wenn sie dafür eine höhere Qualität erhalten. Genauer gesagt: Wenn sie wissen, dass die Baumwolle, die sie tragen, nachhaltig produziert ist, wenn also beim Anbau bestimmte ökologische und soziale Standards gelten. Da Nachhaltigkeit in den Industrienationen immer mehr zum Wettbewerbsfaktor im Kampf um die Kunden wird, entdecken zahlreiche Produzenten die Better Cotton Initiative (BCI) für sich. Sie will die ökologischen und sozialen Probleme der Baumwollproduktion verringern.

Zertifikat für Nachhaltigkeit

Neben den beiden schwedischen Unternehmen H&M und IKEA und dem WWF war vor allem Adidas an der Gründung der Initiative beteiligt. Sie verpflichten sich, verstärkt Baumwolle zu verarbeiten, bei deren Anbau weniger Wasser und Pestizide verbraucht wurden. Dies soll über die gesamte Produktionskette sichergestellt sein: Mit einem BCI-Zertifikat können sich Mitglieder aller Produktionsstufen die Nachhaltigkeit ihres Handelns bescheinigen lassen, vom Farmer über den Lieferanten bis hin zum Endabnehmer, also den Textilproduzenten.

Nachhaltigkeit hat viele Dimensionen

Ein wichtiges Ziel der Initiative ist eine bessere Ausbildung der Farmer und deren Befähigung zum ökologisch nachhaltigen Anbau. Die soziale Komponente beinhaltet: keine Kinder- und Zwangsarbeit sowie gewisse Sicherheits- und Gesundheitsstandards am Arbeitsplatz einzuhalten. Garantiert werden soll dies zum einen durch einen Rat unabhängiger Experten und zum anderen durch eine Beschwerdestelle, an die sich alle in den Prozess involvierten Parteien wenden und Missstände aufdecken können.

Nur ein Teilerfolg

Die Vorteile für Umwelt und Kunden sind aber auch begrenzt. Denn die Reduktion der Pestizide bedeutet nicht den vollständigen Verzicht. Die dann notwendigen höheren Preise für Kleidung wären selbst umweltbewussten Kunden kaum zu vermitteln. Bis 2018 möchte Adidas seinen gesamten Baumwoll-Bedarf mit Better Cotton decken, H&M zwei Jahre später. 100 Prozent Better Cotton heißt jedoch, dass dann keine vollständig pestizidfreie Bio-Baumwolle mehr verarbeitet werden wird, sondern nur noch die mit BCI-Zertifikat. Bis es soweit ist, haben Kunden zudem keine Möglichkeit, beim Kauf über die Qualität der Produkte zu entscheiden: Denn die Hersteller planen nicht, Produkte aus Better Cotton extra zu kennzeichnen.

August 2011

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