4 Finde ich gut

Einfach erklärt: Das Problem mit dem Palmöl

Palmöl ist das weltweit am meisten produzierte pflanzliche Öl. Sein Anbau vernichtet viele Regenwälder und ist damit eine große Gefahr für Klima, Menschen und bedrohte Tierarten. Das Öl hat aber auch viele nützliche Eigenschaften und ist in weit mehr Produkten enthalten als wir ahnen. Für Verbraucher ist es nicht einfach, richtig zu handeln.

Quiz: In welchen Produkten ist häufig Palmöl enthalten?

Was sind die Vorteile von Palmöl?

Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der Früchte von Ölpalmen gewonnen. Ein Grund für die weite Verbreitung von Palmöl und Palmfett: Es macht Produkte wie Margarine oder Schokocremes schön cremig und sie lassen sich gut verstreichen. Außerdem ist es lange haltbar. Im Gegensatz etwa zu Kokosöl schmeckt Palmöl nach nichts und kann sehr gut erhitzt werden. Deshalb kochen und backen besonders in Asien viele Menschen mit Palmöl. In der Industrie sehen Hersteller oft keine Alternative zum Palmöl als Inhaltsstoff für Shampoo, Lippenstifte oder Waschmittel. So findet es sich in etwa 50 Prozent aller Produkte in deutschen Supermärkten. Auch als Biokraftstoff wird Palmöl verwendet – in Deutschland sind das sogar 42 Prozent des gesamten Palmölverbrauchs.

Kein Wunder also, dass jährlich weltweit etwa 65 Millionen Tonnen Palmöl produziert werden. Die dafür benötigte Fläche von 17 Millionen Hektar Land ist etwa so groß wie die Hälfte Deutschlands. Hier liegt ein weiterer Vorteil von Palmöl: Jede einzelne Palme liefert so hohe Erträge, dass Palmöl relativ wenig Anbaufläche benötigt. Weil Ackerland weltweit immer knapper wird, ist das ein wichtiges Argument für Palmöl. Für Sojaöl benötigt man zum Beispiel die siebenfache Anbaufläche.

Im Fokus: Indonesien

Indonesien gehört zu jenen Ländern, die weltweit am meisten CO2 ausstoßen. Allerdings sind dafür nicht Industrie und die Energiegewinnung verantwortlich. Brandrodungen, die Nutzung früherer Regenwälder für die Landwirtschaft sowie die Entwässerung, Verbrennung und Zersetzung von Torfböden sind hier die Klimakiller.

Indonesien kann Palmöl sehr preiswert produzieren. Wegen des niedrigen Preises steigt die Nachfrage, es wird mehr Palmöl verbraucht und wiederum mehr produziert – ein typischer Rebound-Effekt. Laut oekom research hat sich in Indonesien die Anbaufläche von Ölpalmen seit 1990 verzehnfacht.

Was ist das Problem?

Man könnte Palmöl fast ein Wundermittel nennen, wenn da seine schwerwiegenden Nachteile nicht wären. Die Ölpalme wächst nur in tropischem Klima und am besten in Gegenden, die eigentlich von Urwald bedeckt sind. Die weltweit steigende Nachfrage nach Palmöl führt dazu, dass besonders in Indonesien und Malaysia große Flächen Regenwald kilometerlangen Palmöl-Plantagen weichen müssen. Aus diesen beiden Ländern stammen etwa 90 Prozent aller Palmöl-Exporte.

Die dramatischen Auswirkungen der Abholzung von Regenwald sind bekannt: Mehr CO2 gelangt in die Atmosphäre und trägt zum Klimawandel bei. In den Regenwäldern Indonesiens und Malaysias leben viele vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Auch der Orang-Utan ist hier zu Hause und verliert durch die Rodungen seinen Lebensraum. Viele Menschen, die schon seit Generationen auf dem Land leben, werden enteignet und vertrieben. Die Arbeitsbedingungen auf den Plantagen sind oft menschenunwürdig.

Sollten wir deshalb auf Palmöl verzichten? Jein.

Was sind die Alternativen?

Palmöl durch andere tropische Öle zu ersetzen ist keine Lösung. Ihr Anbau benötigt ein ähnliches Klima wie die Ölpalmen, aber viel mehr Anbaufläche. Setzt man etwa verstärkt auf Kokosöl, würde wohl noch mehr Regenwald gerodet werden, um die gleichen Ölmengen produzieren zu können. Öle, die in ökologisch weniger sensiblen Regionen angebaut werden – wie in Deutschland etwa Raps- und Sonnenblumenöl – können dagegen ein sinnvoller Ersatz für Palmöl sein. Das stellte der WWF (World Wide Fund For Nature) 2016 in seiner Studie „Auf der Ölspur – Berechnungen zu einer palmölfreieren Welt“ fest.

Wichtige Fakten zum Palmöl im Überblick

  • Palmöl: Indonesien und Malaysia

    Indonesien und Malaysia sind bei Weitem die weltweit größten Palmöl-Produzenten. Hier werden über 50 Millionen Tonnen Palmöl im Jahr produziert.

  • Ölpalmen sind mehr als dreimal so ertragreich wie etwa Kokospalmen.

    Ölpalmen sind mehr als dreimal so ertragreich wie etwa Kokospalmen.

  • Palmöl-Anbau

    Palmöl benötigt viel weniger Anbaufläche als andere pflanzlichen Öle. Pro Hektar können 3,7 Tonnen Palmöl produziert werden. Zum Vergleich: Bei Kokosöl sind es nur 0,7 Tonnen.

  • Palmöl als Biokraftstoff

    Palmöl wird besonders für Lebensmittel, als Futtermittel und in der Industrie verwendet. In Deutschland wird Palmöl am meisten als Biokraftstoff genutzt, im Jahr 2015 waren es fast 500.000 Tonnen.

Welche Lösungen gibt es?

Palmöl muss mit weniger negativen Auswirkungen für Mensch und Umwelt produziert werden. Klare Richtlinien dafür liefern verschiedene Zertifizierungen. Am meisten verbreitet ist die des Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO). 21 Prozent des weltweit produzierten Palmöls sind heute bereits RSPO-zertifiziert. Das bedeutet, dass bei der Produktion bestimmte soziale und ökologische Prinzipien und Kriterien eingehalten werden müssen. Umweltorganisationen wie Greenpeace kritisieren den RSPO-Standard allerdings als zu niedrig.

Für das Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP) ist klar: Zertifizierungen allein können die Probleme nicht lösen. Dazu braucht es auch die Unterstützung von Politik und Gesetzgebung, die Anwendung bereits bestehender Gesetze sowie verantwortungsvolle Produzenten und Händler. Seit 2014 muss in der EU übrigens Palmöl in weiterverarbeiteten Nahrungsmitteln gekennzeichnet werden. Vielleicht folgen ja bald noch andere Länder diesem Beispiel.

Nachhaltige Beschaffung von Palmöl – Deutschland und Indonesien starten gemeinsame Initiative

Im Mai 2017 startete der deutsche Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gerd Müller, in Indonesien eine Initiative für nachhaltiges Palmöl. Dabei verpflichtet sich Deutschland, den Aufbau entwaldungsfreier Lieferketten zu unterstützen. „Im EU-Freihandelsabkommen mit Indonesien brauchen wir effektive Nachhaltigkeitsstandards für den Palmölanbau. Mit Zollvorteilen für zertifiziertes Palmöl können wir Anreize setzen. In Deutschland müssen wir schneller als bisher den Anteil von zertifiziertem Palmöl von 50 auf 100 Prozent erhöhen“, sagte der Minister. 

Quelle: BMZeit 05/2017

Auch die Verbraucher sind gefragt. Der WWF hat herausgefunden: Verzichten wir auf Palmöl als Biokraftstoff und konsumieren bewusster, könnten wir rund 50 Prozent des derzeitigen Palmölverbrauchs einsparen. Eine innovative App aus der Schweiz kann dabei behilflich sein: CodeCheck, auch auf Englisch und bald für den US-amerikanischen Markt verfügbar, scannt den Barcode von Produkten und informiert, ob das Produkt Palmöl enthält.

5 Tipps: Wie Sie zur nachhaltigen Nutzung von Palmöl beitragen können

  1. Prüfen Sie, welche Inhaltsstoffe enthalten sind, bevor Sie ein Produkt kaufen. Achtung: Oft wird statt auf „Palmöl“ nur auf „pflanzliche Fette und Öle“ hingewiesen. Wenn auf der Waschmittelpackung beispielsweise „Sodium Palm Kernelate“ steht, ist das ebenfalls ein Hinweis auf Palmöl.
  2. Falls verfügbar, wählen Sie Produkte mit nachhaltig zertifiziertem Palmöl. Beispiele sind der bereits genannte Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO), ISCC Plus (International Sustainability & Carbon Certification), Rainforest Alliance und der Roundtable on Sustainable Biomaterials.
  3. Besonders viel Palmöl findet sich in Fertiggerichten, Süßigkeiten und fettigen Nahrungsmitteln. Es ist auch ein beliebtes Futtermittel in der Tierindustrie. Wenn Sie Palmöl vermeiden wollen, essen Sie mehr frische oder selbst gemachte Produkte und weniger Fleisch.
  4. In vielen Ländern wird Palmöl als Biokraftstoff genutzt. Lassen Sie das Auto öfter stehen und nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel.
  5. Fordern Sie von der Politik und Industrie, sich für mehr Nachhaltigkeit bei der Produktion und Nutzung von Palmöl einzusetzen. Die Umweltorganisation WWF, die in mehr als 80 Ländern weltweit vertreten ist, setzt sich zum Beispiel stark für eine nachhaltige Palmöl-Produktion ein.

Autorin: Susanne Reiff, to the point communication

Selbstversuch: Leben ohne Palmöl, geht das?

Palmöl steckt praktisch überall drin, sei es im Essen, in Kosmetik oder Benzin. Und nicht immer ist das offensichtlich. Deutsche-Welle-Reporter Klaus Esterluß hat sich Hilfe geholt, um diesen allgegenwärtigen Stoff besser zu verstehen. 

#HowGreenAmI: Eine Woche ohne Palmöl

Video: Faires Palmöl aus Sierra Leone

Video: Regenwald in Flammen – Kampf gegen die Palmöl-Mafia

Juni 2017

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Kommentare

Fabiana
22. Juni 2017

Frau Kortenbruck, es kann sein, dass die Deutsche Schokolade kein Fremdfett enthalten darf. Aber leider ist es nicht so, ein gutes Beispiel ist die Schocko-Brownie von Ritter Sport.
Zutaten: Gefüllte Vollmilchschokolade mit Brownie-Creme (39%) und Schokoladenstückchen (6%).
Zutaten: Zucker, Kakaomasse, Palmfett, Kakaobutter, Milchzucker, Vollmilchpulver, Magermilchpulver, Butterreinfett, Sahnepulver, Kakaopulver, pflanzliche Öle (Sonnenblume, Kokos), Glukosesirup, Weizenstärke, Feuchthaltemittel: Glycerin, Emulgator: Lecithine (Soja), Salz, Maltodextrin, Überzugsmittel: Gummi Arabicum, Bourbon Vanille Extrakt.

Harald Hellmuth
21. Juni 2017

Die Nachfrage zu senken bedeutet den Biokraftstoff aus Palmöl abzuschaffen, und den Verbrauch in der Ernährung zu begrenzen. Ein Teil der Dieselantriebe von Fahrzeugen wird durch den E-Antrieb ersetzt werden. Und man braucht nicht Palmöl für Biodiesel verwenden. Da die Produktionsproduktivität so günstig ist, könnten die Palmen in der Wiedergewinnung eines Teiles der degradierten abgeholzten Urwaldflächen in anderen Ländern eingesetzt werden.

Mirjam Habel
21. Juni 2017

Vielen Dank für den Hinweis, Frau Kortenbruck. Wenn es sich um reine Schokolade handelt, darf kein anderes Fett außer Kakaobutter enthalten sein. Wir haben die Frage präzisiert.

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