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Eileen V. Quigley zum Klimaschutz in den USA: „Wir tun, was wir können“

Klimaschutz steht derzeit nicht sehr weit oben auf der Agenda der US-Regierung. Eileen V. Quigley unterstützt als Expertin für die Energiewende besonders Städte und Kommunen im Nordwesten der USA dabei, erneuerbare, „saubere“ Energien einzusetzen. Für die Klimapolitik Deutschland zieht sie eine gemischte Bilanz.

Eileen V. Quigley kämpft seit vielen Jahren für den Klimaschutz in den USA. Ihr Ziel: Sie will die Städte stark machen, damit diese tatsächlich und effizient ihren Verbrauch an fossilen Brennstoffen senken und ihre Versorgung auf erneuerbare Energie umstellen können.

„Wir stehen an einem Scheideweg in der Geschichte der Welt und unseres Landes“, appelliert sie an die Parlamentarier. „Ich kann nicht genug betonen, wie wichtig es ist: Die Regionen, die Länder, die Kommunen und die Bürger müssen umgehend und nachdrücklich handeln, um den Ausstoß an Kohlendioxid zu vermindern.“ Eileen V. Quigley steht vor dem Ausschuss für Selbstverwaltung des US-Bundesstaats Washington. Eindringlich spricht sie über die Notwendigkeit, die Kommunen so zu stärken, dass sie dem Klimawandel entgegentreten können.

Arbeit für den Klimaschutz

Die Nutzung erneuerbarer Energien voranzutreiben ist ihr Metier und die Anhörung vor dem Ausschuss ein wichtiger Teil ihrer Arbeit. Eileen ist Expertin für den Energiewandel in Städten und Kommunen. Sie ist Geschäftsführerin von Clean Energy Transition, einer Consulting Agentur in Seattle, Washington. Schwerpunktmäßig berät Eileen Städte im Nordwesten der USA, entwickelt Strategien, um den Kohlendioxid-Ausstoß zu senken und unterstützt die Kommunen bei der Umstellung auf saubere Energie.

Zur Person

Eileen V. Quigley ist in New York City geboren und aufgewachsen. Sie machte 1980 ihren Bachelor in Literaturwissenschaften an der Yale University und 1983 ihren Master in Journalismus an der Columbia University. Sie arbeitete zunächst als Journalistin und Herausgeberin. Dann managte sie verschiedene gemeinnützige Organisationen.

Viele Jahre arbeitete Eileen bei der Non-Profit-Organisation Climate Solutions, zuletzt als Director of Strategic Innovation. Sie leitete das Programm „New Energy Cities“, das insbesondere kleine und mittlere Städte dabei unterstützt, ihren Kohlendioxid -Ausstoß zu reduzieren und saubere Energie einzusetzen. 2017 gründete sie ihre eigene Beratungsagentur Clean Energy Transition.

Eileen gibt Kurse am Institute for Energy Studies an der Western Washington University. Und sie ist im Vorstand vom US-Centers des Stockholm Environment Institutes, einer internationalen Non-Profit-Forschungsorganisation im Bereich Umwelt und Entwicklung.

Eileen ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Sie lebt mit ihrem Mann in Seattle, Washington.

Die Energiewende in Deutschland erleben

2015 kam Eileen nach Deutschland. „Das war ein Schlüsselerlebnis für mich“, sagt sie. „Ich hatte von der Energiewende gehört und verfolgt, wie Deutschland eine führende Rolle in Sachen Klimaschutz und erneuerbare Energien übernommen hat. So war es für mich von unschätzbarem Wert, nach Hamburg zu reisen und so viele Menschen kennenzulernen, die sich für die Energiewende einsetzen.“

Sie reiste durch Schleswig-Holstein und ließ sich vor Ort die Solar-, Wind- und Biomasse-Anlagen zeigen. Hier erfuhr sie auch, wie die Einspeise-Vergütung den Kommunen zugutekommt und ihnen Unabhängigkeit im Energiebereich verschafft.

Sie traf Experten und Wissenschaftler und erfuhr, was Hamburg tut, um den Kohlendioxid-Ausstoß zu verringern. Ihre Thesen zur Energiepolitik in den USA und in Deutschland konnte sie an der Kühne Logistics University Hamburg vortragen.

„Anders, als nur Bücher zu lesen“

Die „Energiewende in action“, wie Eileen sagt, mit den eigenen Augen zu sehen, war eine „sehr wertvolle Erfahrung.“ Sie konnte viele konkrete Beispiele mit nach Hause nehmen, wie Hamburg und Schleswig-Holstein in Deutschland erfolgreich Strategien eingeführt haben, den globalen Klimawandel zu bekämpfen.

Das half ihr auch bei ihrer Arbeit in den USA. Dort ist sie neben ihrem Job noch Dozentin am Institut für Energiestudien der Western Washington University. „Ich konnte mit meinen Studenten teilen, was ich in Deutschland erfahren habe. Das ist schon anders, als nur Bücher zu lesen.“

Friedrich-Ebert-Stiftung: Die Energiewende in Deutschland

„Die Welt verdankt Deutschland viel“

Wie bewertet sie nun die Klimapolitik in Deutschland? Was ist anders als in den USA? „Deutschland war in Sachen Klimapolitik jahrzehntelang Spitzenreiter. Der umfangreiche Ausbau der Solar- und Windtechnologie hat sehr viel dazu beigetragen, dass die Kosten für erneuerbare Energien mittlerweile so niedrig sind. Die Welt verdankt Deutschland hier sehr viel.“

Aber Eileen sieht auch die Schwierigkeiten: „Zurzeit wird Deutschlands Strom zu 40 Prozent aus Kohle erzeugt – das ist mehr als in vielen anderen EU-Staaten. Ich verstehe, wie schwierig es ist, bei der Stromerzeugung auf fossile Brennstoffe zu verzichten. Denn gleichzeitig sind noch viele Fragen offen, wie zum Beispiel der Ausbau der Übertragungsnetze oder der Umgang mit schwankender Nachfrage.“ Auf jeden Fall will sie weiterhin verfolgen, wie Deutschland mit diesen vielfältigen Herausforderungen umgehen wird.

Die US-Klimapolitik ist ein Albtraum

Den USA bescheinigt Eileen herbe Rückschläge in der Klimapolitik: „Es ist ein Albtraum für alle, die in den vergangenen Jahrzehnten so hart für saubere Energien gearbeitet haben. Die Erfolge, die unter Präsident Obama erzielt werden konnten, werden überall gestoppt oder gar rückgängig gemacht.“

So sieht sie die Zukunft des Klimaschutzes in den Städten: „Die Städte und Kommunen verstärken ihre Anstrengungen, um den Ausfall auszugleichen. Sie versuchen so gut sie können, das Engagement für Klimaschutz aufrechtzuerhalten.“ Das ersetzt natürlich nicht die fehlende nationale Klimaschutzpolitik. „Aber wir tun, was wir können“, meint Eileen.

Emissionsarme Wirtschaft als Ziel

Eileen V. Quigley will aber noch mehr: Ihre Beratungsagentur soll die Städte und Gemeinden im Nordwesten der USA in Zukunft noch besser bei ihrem Kampf für eine Energiewende unterstützen. Clean Energy Transition soll ein gemeinnütziges Non-Profit-Institut werden und starke Partner gewinnen, mit deren Hilfe der Übergang zu einer emissionsarmen Wirtschaft gelingen soll. 

Autorin: Sabine Giehle

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April 2018

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Kommentare

Edd E. Segov
12. April 2018

Ms Quiglay,
The whole Climate scare is only a political scheme , invented by the transatlantic oligarqs (Angloamerican power elites) , and their last aim ? : reduction of the world population . I studied in Germany and work since decades all over the world as a water and energy expert (lately in India, Pakistan, Brazil, Mexico) . Everywhere I see the hindrances put up by such mafia against even water power and reservoirs. As a scientist and climate expert I confirm you that the CO2 level was over 10 x higher sometimes in the long past than today (plants loved that ). And there is NO RELATION betw. CO2 rise and temperaure climbing. Do you realize the billions of cost increase only in Germany from turning down the nuclear powerplants ?? - they were so safe, pride of the German industry (I worked there for decades). You mean fine but we must reflect deeper !

Friedrich Tilmann KROPP
11. April 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich bin seit 2004 in Spanien, ein Land mit viel Sonne und Wind. Wenn man die Werte mit Mittel- und Nordeuropa vergleicht, könnte man sicherlich über die Hälfte der herkömmlichen Energie einsparen.
Es werden zu wenig Akzente von Seiten der Regierungen gesetzt. Hierbei spielen sicherlich viele private Interessen eine grosse Rolle.
Bei einer guten Unterstützung würde man nicht nur etwas für die Umwelt tun, sondern auch viele Arbeitsplätze schaffen. Beides ist hier ein Problem und sicherlich nicht nur in Spanien.
Als Privatperson können nur einen kleinen Beitrag leisten, ist wie ein Tropfen Wasser auf einem heissen Stein. Aber wir müssen weiter machen, die Zukunft ist mehr weit weg.

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