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Wir decken auf: Heimliche Klimasünder

Treibhausgase lauern in vielen Lebensbereichen, wo man sie nicht vermutet. Oder haben Sie gewusst, dass auch der Kater Ihrer Nachbarn ein heimlicher Klimasünder ist?

Wenn von Treibhausgasen und Klimasündern die Rede ist, werden in der Regel Länder-Listen aufgestellt, auf denen China und die USA ganz oben stehen. Oder es wird der CO2-Ausstoß von Autos und Flugzeugen angeprangert. Doch es gibt auch andere, eher heimliche Klimasünder. Wir stellen Ihnen einige vor.

1. Mülldeponien

Still gärt der organische Müll auf den großen Müllhalden der Welt vor sich hin und stößt dabei das Treibhausgas Methan aus. Das hat es in sich, denn eine Tonne Methan schadet dem Klima 25-mal stärker als eine Tonne Kohlendioxid (CO2). Laut der Deutschen Umwelthilfe sind Mülldeponien weltweit die drittgrößte nicht-natürliche Methanquelle.

Es geht aber auch anders: In Deutschland, das als Mülltrennmeister, gilt, landet organischer Abfall heute zu einem großen Teil nicht mehr auf der Mülldeponie, sondern wird umweltfreundlich kompostiert. Zudem nutzen immer mehr Länder Technologien, um die Deponien zu lüften, und reduzieren so die Bildung von Methan. Oder sie sammeln das Gas und gewinnen daraus Energie.

2. Internationale Schifffahrt

Man benötigt eine Menge Energie, um ein 400 Meter langes Containerschiff mit einem Tiefgang von 14 Metern in Bewegung zu setzen. Auch wenn er in Fahrt ist, bleibt der Containerriese zusammen mit mindestens 40.000 weltweit fahrenden Handelsschiffen auf jeder zurückgelegten Seemeile eine Dreckschleuder. Tanker, Massengutfrachter und Kreuzfahrschiffe fahren mit Schweröl. Und wie sieht es da mit Rußpartikelfiltern oder Katalysatoren aus, wie sie bei Autos selbstverständlich sind? Leider immer noch Fehlanzeige. Die Schifffahrtindustrie zeigt sich bei umweltschonenden Alternativen zögerlich, auch wenn es bereits positive Beispiele gibt.

Laut dem Globalen Netzwerk für energieeffiziente Schifffahrt könnten der Einsatz existierender Technologien und operative Maßnahmen bis zu 75 Prozent der CO2-Emissionen einsparen. Doch das wird wohl vorerst nicht geschehen. Die EU-Kommission geht davon aus, dass bis 2050 der CO2-Ausstoß der Schifffahrt um 50 bis 250 Prozent zunehmen wird.

3. Reisanbau

Saftig-grüne Reisfelder, die die Nahrung für Millionen von Menschen sicherstellen: Aus Klimasicht ist das eine trügerische Idylle. Auch Reis produziert Methan und wird für etwa 1,5 Prozent der gesamten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich gemacht. Das klingt prozentual nicht viel. Betrachtet man allerdings einige südostasiatische Länder allein, dann nimmt der Reisanbau einen großen Teil des nationalen CO2-Fußabdrucks ein. Die gesamte Landwirtschaft ist übrigens für etwa 25 Prozent aller Treibausgas-Emissionen verantwortlich.

Auch hier gibt es Wege aus der Klimafalle: Das International Rice Research Institute (IRR) hat herausgefunden: Werden Reisfelder immer mal wieder ausgetrocknet, kann das den Methan-Ausstoß um 60 bis 90 Prozent reduzieren. Dafür müssen die Reisbauern ihre Anbaumethoden ändern. Das sollte prinzipiell machbar sein, zumal diese alternative Anbaumethode auch die Ernten steigern soll.

4. Stauseen

Wasserkraft galt lange als klimaneutrale Energiequelle. Hinter den weltweit über eine Million Staudämmen sammelt sich aber viel organisches Material, das sich langsam zersetzt und Methangas bildet. Weil das Wasser ehemalige Landgebiete bedeckt und der Wasserlevel in den künstlichen Gewässern öfter steigt und fällt als in natürlichen Seen, gebe es hier viel mehr organisches Material und damit auch höhere Methan-Emissionen, so die Erklärung der amerikanischen Wissenschaftlerin Bridget R. Deemer und ihrer Kollegen in der Zeitschrift BioScience.

Viele Fragen sind hier noch offen, aber inzwischen gehen Forscher davon aus, dass Stauseen eine ähnlich schlechte Treibhausgas-Bilanz aufweisen wie Reisfelder.

5. Haustiere

Viele Menschen in Industrieländern wollen für ihre Hunde und Katzen nur das Beste. Das gilt auch für den Speiseplan der kleinen Vierbeiner. Laut einer amerikanischen Studie verursachen die mehr als 163 Millionen in den USA lebenden Hunde und Katzen schätzungsweise 64 Tonnen CO2-äquivalentes Methan und Lachgas, weil so viele tierische Produkte auf ihrem Speiseplan stehen und Fleischkonsum wesentlich mehr Treibhausgase verursacht als pflanzliche Lebensmittel.

Dass die Hunde und Katzen ihre Klimasünden in den nächsten Jahren reduzieren, ist nicht wahrscheinlich. Insbesondere in Schwellenländern wie China folgt der Speiseplan von Haustieren den Qualitätsstandards für das Essen von Herrchen und Frauchen. Und die finden immer mehr Gefallen an tierischen Nahrungsmitteln. 

6. Internet

Mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren, zum Mittagessen lokale Produkte gegessen und abends im Internet gesurft – ein Tag mit einer perfekten persönlichen Klimabilanz. Falsch! Die Internetrecherche hat alle guten Absichten zunichtegemacht. Deutsche Rechenzentren allein verbrauchen pro Monat so viel Strom, wie vier mittelgroße Kraftwerke in diesem Zeitraum erzeugen. Die weltweite IT-Branche produziert laut dem deutschen Umweltsiegel „Blauer Engel“ so viel CO2-Äquivalente wie der gesamte Flugverkehr.

Die Chancen stehen jedoch gut, dass die Rechenzentren in Zukunft energieeffizienter arbeiten. Zwar müssen sie stark gekühlt werden, weil die großen Server viel Wärme produzieren. Aber es schadet nicht, wenn es statt frischer 20 Grad etwa 28 Grad warm ist. Das senkt den Strombedarf laut Blauem Engel um mehr als ein Fünftel. Zudem könnte eine bessere Auslastung der Rechenzentren zusätzlich Energie einsparen und damit die Klimabilanz verbessern.

7. Babys?

Alle Menschen haben einen CO2-Fußabdruck – vielleicht abgesehen von einigen sehr ursprünglich lebenden Naturvölkern. Das hat die Forscher Seth Wynes and Kimberly A. Nicholas zu der radikalen Empfehlung veranlasst, dass Paare ein Kind weniger zur Welt bringen sollten, um besonders effektiv die Freisetzung von Treibhausgasen zu reduzieren.

Die Kritik an diesem Vorschlag ließ nicht lange auf sich warten. Viele Leute sind bereit, zum Schutz des Klimas auf etwas zu verzichten, aber ein solch massiver Eingriff in die persönliche Lebensplanung und eine Empfehlung gegen das Leben ging dann doch zu weit.

Etwas Gutes hatte der Vorschlag trotzdem: Er hat Menschen zum Nachdenken angeregt, wie sie das Klima schützen können – ohne gleich auf Kinder zu verzichten.

Heimliche Klimasünder entdeckt – und nun?

Die Familienplanung stoppen, das Haustier abschaffen, das Internet nicht mehr nutzen und keinen Reis mehr essen? Solche Konsequenzen aus den hier genannten Beispielen zu ziehen wäre übertrieben. Wir können heute nicht ganz vermeiden, Treibhausgase zu produzieren. Aber wir können unseren CO2-Fußabdruck reduzieren, mit bewussteren Entscheidungen, jeden Tag. Beginnen wir am besten noch heute damit.

Autorin: Susanne Reiff, to the point communication

Wie schonen Sie im Alltag das Klima? Und was sind vielleicht Ihre persönlichen kleinen Klimasünden, auf die Sie nicht verzichten möchten? Wo sollte der Klimaschutz bei Verbrauchern am besten ansetzen? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare in der Community-Gruppe „Climate change and related issues“!

Community-Diskussion

November 2017

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