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Klimarisikoversicherungen: Wenn Wetter und Klima zur Gefahr werden

Versicherungen gibt es heute für fast jede Lebenslage: Popstars, Top-Pianisten und Fußballspieler versichern ihre Beine oder Hände für viele Millionen Euro. Wenn Menschen aber etwa durch einen tropischen Wirbelsturm ihre Lebensgrundlage im wahrsten Sinne des Wortes davonfliegen sehen, fehlt ihnen oft ein soziales Sicherungsnetz. Besonders arme Menschen sind Naturkatastrophen oft hilflos ausgeliefert.

2017 war ein Jahr mit vielen extremen Wetterereignissen: Im August und September richteten die Hurrikane Harvey, Irma und Maria in der Karibik Schäden in Höhe von etwa 215 Milliarden US-Dollar an – so viel wie nie zuvor in einer Saison. Auf Inseln wie Barbuda und Saint-Martin zerstörte Irma fast alle Häuser. Laut Deutschem Roten Kreuz herrschte zur selben Zeit in vielen afrikanischen Ländern eine dramatische Dürre und in Südasien kam es zu den schlimmsten Überflutungen seit 30 Jahren. Allein in den vier nördlichen Bundesstaaten Indiens waren 31 Millionen Menschen von den Fluten betroffen und über 800.000 Häuser wurden unbewohnbar. In Bangladesch vernichteten die Wassermassen die Ernte von 1,5 Millionen Bäuerinnen und Bauern. Laut Weltbank stürzen jedes Jahr extreme Naturereignisse geschätzte 26 Millionen Menschen in die Armut.

Fakten zu Klimarisiken

  • Anzahl der Naturkatastrophen (c) Swiss Re/Swiss Re Institute

    1. Die Anzahl der Naturkatastrophen steigt seit Jahrzehnten. Dazu gehören wetter- und klimabedingte Ereignisse wie Stürme, Überschwemmungen und Dürren, aber auch Erdbeben.


    (c) Swiss Re/Swiss Re Institute

  • Durch Naturgefahren verursachten Schäden (c) Swiss Re/Swiss Re Institute

    2. Von den durch Naturgefahren verursachten Schäden ist bisher nur ein kleiner Teil durch Versicherungen abgedeckt.


    (c) Swiss Re/Swiss Re Institute

  • Weltweite Gefährdung – Quelle: WeltRisikoBericht 2017 (c) Bündnis Entwicklung hilft

    3. Die weltweite Gefährdung durch Naturkatastrophen variiert je nach geografischer Lage erheblich.


    Quelle: WeltRisikoBericht 2017 (c) Bündnis Entwicklung hilft

  • Vulnerabilität der Menschen – Quelle: WeltRisikoBericht 2017 (c) Bündnis Entwicklung hilft

    4. Entscheidend für das Risiko der Bevölkerung gegenüber Naturgefahren ist aber auch, wie vulnerabel die Menschen sind.


    Quelle: WeltRisikoBericht 2017 (c) Bündnis Entwicklung hilft

  • Der WeltRisikoIndex – Quelle: WeltRisikoBericht 2017 (c) Bündnis Entwicklung hilft

    5. Der WeltRisikoIndex zeigt das Risiko, Opfer einer Katastrophe in Folge von extremen Naturereignissen zu werden. Er berücksichtigt dabei sowohl die Gefährdung der Bevölkerung als auch ihre Vulnerabilität.


    Quelle: WeltRisikoBericht 2017 (c) Bündnis Entwicklung hilft

Deshalb sind Klimarisikoversicherungen aktueller denn je. Sie sollen verhindern, dass aus einem extremen Naturereignis für die Betroffenen, deren Häuser oder Felder zerstört wurden, eine existenzbedrohende Katastrophe wird. 

Versicherung gegen Klimarisiken: Wie funktioniert das?

Klimarisikoversicherungen funktionieren auf zwei Arten: Die erste Variante ist die direkte private Versicherung gegen Klimarisiken, beispielsweise für Kleinbäuerinnen und -bauern. Bei der zweiten – der indirekten – Variante versichern sich in der Regel Staaten gegen die finanziellen Risiken von klimabedingten Katastrophen. Sie zahlen jährliche Prämien und erhalten im Versicherungsfall eine zuvor vereinbarte Summe, die sie dann an die betroffene Bevölkerung weitergeben und für den Wiederaufbau von Infrastruktur verwenden können. Unter anderem wird genau festgelegt, ab welcher Windstärke etwa der Versicherungsfall bei Stürmen eintritt.

Weltweit verfügen aber gerade einmal etwa 100 Millionen Menschen in Entwicklungsländern über einen solchen finanziellen Schutz – 55 Millionen durch direkte, 45 Millionen durch indirekte Versicherungen. Daher sei auch das Prinzip von Versicherungen, so Nikolas Scherer vom Think Tank adelphi, in Entwicklungsländern weitgehend unbekannt. „Die Menschen fragen sich – vielleicht zu Recht –, warum ihre Regierungen so viel Steuergelder für eine Versicherung bezahlen, die sich nie rentiert. Schließlich gebe es andere dringende kurzfristige Bedürfnisse.”

„Eine Versicherung sensibilisiert die Menschen für Wetter- und Klimarisiken“

Christina Ulardic von der Rückversicherungs-Gesellschaft Swiss Re berichtet im Interview, wie sich Kleinbauern in Indien gegen Ernteausfälle durch Überflutungen absichern können und welche Branchen noch von Klimarisiken betroffen sind. Außerdem erläutert sie, wie das Risiko der Kunden durch die Swiss Re eingeschätzt wird und wie gefährdete Menschen durch Klimarisikoversicherungen widerstandsfähiger werden.

Zum Interview

Für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sind Klimarisikoversicherungen ein Erfolgsrezept, wie der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Silberhorn im Oktober 2017 sagte: „Vor zwei Jahren bekamen in Niger, Senegal und Mauretanien insgesamt 1,3 Millionen Menschen Hilfe. 26 Millionen US-Dollar wurden ausgezahlt. 500.000 Nutztiere konnten gerettet werden, Kinder konnten weiter zur Schule gehen, Saatgut musste nicht angebrochen werden. Das hat Existenzgrundlagen gesichert!“

Klimarisikoversicherungen: Möglichkeiten und Grenzen

Es gibt aber auch kritische Stimmen: Brot für die Welt, das deutsche Hilfswerk der evangelischen Kirchen, fordert mehr Klimagerechtigkeit. Länder wie Fidschi, die stark vom Klimawandel bedroht sind, verursachen kaum nennenswerte Mengen an CO2 im Unterschied zu großen Emittenten wie China oder die USA. Daher fragt Brot für die Welt: „Wer haftet beziehungsweise trägt die Kosten – die Verursacher oder die Geschädigten?“. Schließlich ist die Finanzierbarkeit ein wichtiger Faktor für die Akzeptanz der Versicherungen: „Damit Klimarisikoversicherungen tatsächlich die Ärmsten und Vulnerabelsten schützen, müssen sie bedarfsorientiert, leicht zugänglich und vor allem bezahlbar sein.“

Klimarisikoversicherungen stehen hoch oben auf der internationalen Agenda, denn trotz der berechtigten Einwände überwiegen die Hoffnungen, die viele in diese Versicherungen setzen. So gründeten die G7-Staaten bei ihrem Gipfel in Elmau im Jahr 2015 die Initiative InsuResilience. Sie hat sich den Prinzipien der Armutsorientierung verpflichtet und soll bis 2020 weiteren 400 Millionen Menschen in Entwicklungsländern einen Versicherungsschutz gegen Klimarisiken ermöglichen.

Video: InsuResilience Initiative

Community-Diskussion

Waren Sie selbst schon einmal von klimabedingten Katastrophen wie Überschwemmungen, Dürren oder tropischen Stürmen betroffen? Oder kennen Sie jemanden, der durch ein so extremes Naturereignis einen Schaden erlitten hat? Spielte der Schutz einer Versicherung dabei eine Rolle? Berichten Sie uns von diesen Erfahrungen in der Community-Gruppe „Climate Change and Related Issues“!

Zur Community

Autorin: Susanne Reiff, to the point communication

Februar 2018

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Kommentare

Jürgen Friedmann
10. Oktober 2018

Es gibt Aufzeichnungen aus denen klar hervorgeht, dass die USA seit Mitte der 50er Jahre an der Klima-Dominanz forschen, basierend z.T. auf Entdeckungen und Erfindungen von Nikola Tesla. Damals sagten amerikanische Wissenschaftler schon, dass sie in 50 Jahren das Klima kontrollieren würden. Wenn wir heute nach diesen Technologien suchen, finden wir tatsächlich sehr viel Informationen dazu, wenn wir die Begriffe ,,Geoingeniering oder HARRP" eingeben. Es wird also nicht mehr geleugnet, diese Technologie existiert, wurde sogar von der UNO verboten weil sie ganze Länder bedrohen kann und zur modernen Kriegsführung zählt. Aber wie es scheint wird dieses Verbot von gewissen Leuten umgangen. Jeder kann sich im Netz selbst davon überzeugen.

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