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Biosphärenreservate: Chance für Mensch und Natur

Die UNESCO hat für den internationalen Naturschutz Biosphärenreservate geschaffen. Hier sollen Wirtschaft und Umwelt vorbildlich miteinander verbunden werden.

Nationalparks hat jedes Land; sie werden auf staatlicher Ebene eingerichtet. Auch das Management ist Sache des jeweiligen Landes, seiner Regionen oder der Kommunen. Doch es gibt auch internationale Schutzgebiete, zum Beispiel das Weltnaturerbe, das von den Vereinten Nationen (UN) anerkannt sein muss. Hinzu kommt eine weniger bekannte Kategorie: die Biosphärenreservate, die die UNESCO seit 1976 einrichtet. Grundlage dafür ist das UN-Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ (Man and the Biosphere Programme, MAB-Programm). 1970 startete es.

Mittlerweile sind 621 Modellregionen aus 117 Staaten im Weltnetz der Biosphärenreservate verbunden. In Deutschland gibt es derzeit 15 UNESCO-Biosphärenreservate. Sie werden auch als „Lernorte für nachhaltige Entwicklung“ bezeichnet, da der Mensch bewusst in das Konzept eingeschlossen wird. Die Leitfragen sind dabei: Wie können Umwelt und Wirtschaft verbunden werden? Wie können Mensch und Natur miteinander existieren?

Biosphärenreservate: Schutzgebiete mit Wirtschaftsfaktor

Biosphärenreservate sind Schutzgebiete für Tiere und Pflanzen. Der Schutz geht bewusst einher mit der wirtschaftlichen Nutzung des Gebietes – ganz im Unterschied zu Nationalparks, die meist so unberührt bleiben sollen wie möglich. Oft sind lokale Märkte, Öko-Tourismus und Partnerschaften mit regionalen Firmen Bestandteile des Reservatskonzeptes. Daher werden Biosphärenreservate meist auch in menschlich geschaffenen Kulturlandschaften eingerichtet und weniger in unzugänglichen Wildnisgebieten mit besonders seltenen Arten.

Die Vermarktung regionaler Produkte ist einer der häufigen Schwerpunkte der Reservate – zusammen mit der Stärkung ländlicher Gebiete, aus denen Menschen abwandern und der Frage, wie sich Regionen an den Klimawandel anpassen können. Einen besonderen Fokus legen Biosphärenreservate aber auch auf die Bildung für nachhaltige Entwicklung – sei es mit Ausstellungen, Podiumsdiskussionen oder Führungen.

Die UNESCO kann den Titel „Biosphärenreservat“ auch entziehen

Die entsprechenden MAB-Nationalkomitees bewerten regelmäßig die Situation eines Biosphärenreservats. In Deutschland ist das alle zehn Jahre der Fall. Werden die von der UNESCO vorgegebenen Kriterien nicht eingehalten, kann dem Reservat der Titel auch wieder entzogen werden. Die Kriterien und Regularien variieren von Land zu Land. In Deutschland etwa müssen die entsprechenden Schutzgebiete größtenteils auch die Kriterien eines Naturschutzgebietes und durchweg die eines Landschaftsschutzgebiets erfüllen.

Es gibt jedoch auch Kernzonen innerhalb der Gebiete ohne wirtschaftliche Nutzung. Hier stehen Umweltbeobachtung und Artenschutz im Vordergrund. In den sogenannten Pflegezonen sind etwa Öko-Tourismus oder biologische Landwirtschaft erlaubt. In den Entwicklungszonen, den oft größten Gebieten, haben dann viele Modellprojekte Platz, die naturnahes und regionales Wirtschaften zeigen.

Bekannte, gut funktionierende Beispiele in Deutschland sind zum Beispiel die Biosphärenreservate Mittelelbe und Schorfheide-Chorin im Osten des Landes sowie Rhön, Pfälzerwald und Schwäbische Alb im Südwesten und der Schaalsee im Norden der Bundesrepublik.

Autor: Torsten Schäfer

Januar 2014

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Kommentare

Walentina
4. Juni 2017

Es ist sehr interessant über die Aktivitäten der UNESCO im Bereich des Öko-Tourismus zu lernen.

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