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„Hacktivismus“ – Netzaktivisten zwischen Gut und Böse

Das Internet verändert nicht nur die Art wie wir leben und wirtschaften, es eröffnet Netzaktivisten auch völlig neue Möglichkeiten für bürgerschaftliches Engagement und gesellschaftlichen Protest – nicht zuletzt durch „Hacktivismus“. Zwei Beispiele zeigen, wie verletzlich die digitale Gesellschaft ist und dass die Rolle, die „Hacktivisten“ spielen, sehr unterschiedlich sein kann.

Das Internet hat das Leben rund um den Globus grundlegend und nachhaltig verändert. Davon betroffen sind nicht nur die Art und Weise, wie wir arbeiten, wie wir uns informieren oder wie und welche Arten von Freundschaften wir pflegen. Verändert haben sich auch die Formen des politischen Engagements und des gesellschaftlichen Protests.

Online-Petitionen etwa erleben gegenwärtig einen wahren Boom – nicht nur in Deutschland. Plattformen wie Change.org oder openpetition.de machen es Netzaktivisten leicht, Online-Aktionen zu starten, an denen man sich ohne großen Aufwand mit ein paar Klicks beteiligen kann.

Vom Erfolg oder Misserfolg dieser Form bürgerschaftlichen Engagements einmal abgesehen: Es ist zumindest nicht gefährlich. Dagegen sollen Cyber-Aktionen, mit denen ganze Netzwerke lahmgelegt werden, ganz bewusst Schaden anrichten – aus Sicht der Hacktivisten für die gute Sache.

Hacktivismus – illegale Selbstjustiz ...

Im Jahr 2010 machte die durch Spenden finanzierte Enthüllungsplattform WikiLeaks hunderttausende vertrauliche Lageberichte aus US-Botschaften in aller Welt öffentlich. Aus Sicht von WikiLeaks hatte die Weltöffentlichkeit das Recht zu erfahren, was die US-Diplomaten über ihre Partner in der Welt in Wahrheit dachten. Aus Sicht der US-Regierung dagegen schadeten die Veröffentlichungen dem nationalen Interesse und waren dazu geeignet, die internationalen Beziehungen zu belasten.

Als bekannt wurde, dass verschiedene Banken und Kreditkartenunternehmen auf politischen Druck keine Spenden mehr WikiLeaks mehr überwiesen, wurden die Server der betroffenen Unternehmen von Hacktivisten mithilfe konzertierter „Distributed-Denial-of-Service-Attacken“ (DDoS-Attacken) zeitweise lahmgelegt. Opfer der Netzaktivisten waren unter anderem die Kreditkarten-Unternehmen Visa und Mastercard, der Internet-Bezahldienst PayPal sowie die schweizerische PostFinanz und die Bank of America.

... oder „demokratisch wertvoll“?

Technisch gesehen sind solche Angriffe vergleichsweise einfach mithilfe von Programmen aus dem Internet zu realisieren. Je nach Angriffsziel können die Folgen dramatisch sein. So kann eine Firma in den Ruin getrieben oder aber die Infrastruktur ganzer Länder angegriffen werden. Wie man eine konkrete Aktion bewertet, hängt deshalb sehr vom Einzelfall und von der eigenen Perspektive ab.

Es gibt allerdings auch Beispiele für „demokratisch wertvollen“ Hacktivismus. So haben Hacker des deutschen Chaos Computer Clubs e. V. (CCC) und aus dessen Umfeld vor einigen Jahren demonstriert, dass die damals in mehreren europäischen Ländern eingesetzten Wahlcomputer von Angreifern gezielt manipuliert werden konnten – etwa um die für einen bestimmten Kandidaten abgegeben Stimmen auf dem Wahlkonto eines seiner Konkurrenten zu verbuchen. Die Hacktivisten leisteten also einen Beitrag zur Verhinderung von möglichen Wahlmanipualtionen und machten sich so um die Demokratie verdient.

Verletzliche digitale Gesellschaft

Zwei sehr unterschiedliche Beispiele für Hacktivismus, die ein weiteres Mal zeigen, wie verletzlich die digitale Weltgesellschaft ist. Es bleiben viele offene Fragen. Lassen sich Freiheit und Sicherheit in der digitalen Gesellschaft gleichermaßen nachhaltig bewahren? Oder müssen wir uns entscheiden?

Arte-Dokumentation: Hacktivisten – Rebellen Im Internet

Juli 2014

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