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„weltwärts“ holt junge Menschen für einen Freiwilligendienst nach Deutschland

Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst „weltwärts“ bietet jungen Deutschen vielfältige Möglichkeiten für einen Aufenthalt im Ausland. Doch Kulturaustausch ist keine Einbahnstraße. Die Süd-Nord-Komponente des Programms gibt deshalb jungen Menschen aus aller Welt die Chance, für einen Freiwilligendienst nach Deutschland zu kommen.

Die Süd-Nord-Komponente von „weltwärts“ richtet sich an junge Menschen aus dem „globalen Süden“, die im Rahmen eines Freiwilligendienstes für eine Zeit nach Deutschland kommen wollen. Was heißt „globaler Süden“, an welche Herkunftsländer richtet sich das Programm? Wer kommt für einen Einsatz in Deutschland in Frage? An wen können sich Interessierte in ihren Heimatländern wenden? Wer bezahlt Reise und Aufenthalt und welche Fristen sind zu beachten? Über diese Fragen hat das Alumniportal mit Miriam Elsinghorst von Engagement Global gesprochen.

Frau Elsinghorst, die Süd-Nord-Komponente von „weltwärts“ soll jungen Menschen aus dem „globalen Süden“ die Möglichkeit geben, im Rahmen eines Freiwilligendienstes für einige Zeit nach Deutschland zu kommen. Was muss man sich unter dem Begriff „globaler Süden“ vorstellen?

Miriam Elsinghorst: Der Begriff „globaler Süden“ bezeichnet eine benachteiligte politische, ökonomische und gesellschaftliche Position in unserem globalen System. Der Begriff „globaler Norden“ hingegen bezeichnet eine privilegierte Position. Der Begriff „globaler Süden/Norden“ ist also nicht geografisch gemeint. Die Begriffe nutzen wir, um die wertenden Bezeichnungen von Entwicklungsland und Industrieland beziehungsweise entwickeltes und unterentwickeltes Land zu ersetzen. So können ökonomisch reiche Menschen in Südafrika auch Teil des Globalen Nordens sein oder ökonomisch arme Menschen in Deutschland Teil des Globalen Südens.

Freiwilligendienst mit „weltwärts“

Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst „weltwärts“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wendet sich an junge Menschen im Alter zwischen 18 und 28 Jahren. Interessierte können sich direkt bei einer beim BMZ eingetragenen Entsendeorganisation für einen 6 bis 24 Monate dauernden Dienst bewerben. Für die Freiwilligen ist die Teilnahme kostenfrei.

Miriam Elsinghorst ist Programmreferentin für die Süd-Nord-Komponente von „weltwärts“.

Mit welchen Partnerländern und -organisationen arbeitet „weltwärts“ im Rahmen der Süd-Nord-Komponente konkret zusammen? Welche Einrichtungen in Deutschland bieten Plätze im Rahmen dieses Programms an und wo können Interessierte sich bewerben?

Miriam Elsinghorst: Wir arbeiten mit Ländern in Asien, Afrika und Lateinamerika und (Ost-)Europa zusammen. Die Organisationen in den Ländern des „globalen Südens“ haben eine langjährige Partnerschaft mit deutschen Nichtregierungsorganisationen. Gemeinsam bauen sie die Süd-Nord-Komponente auf. Die deutschen Organisationen, die in der Regel auch deutsche Freiwillige ins Ausland entsenden, finden die passenden Einsatzstellen in Deutschland.

Die Einsatzstellen arbeiten im Jugendaustausch, in der entwicklungspolitischen Bildung oder im Umweltschutz sowie als soziale Einrichtungen, Kitas, Schulen oder mit Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung. Die Freiwilligen unterstützen diese Einrichtungen im Alltag, sie führen beispielweise Theaterworkshops durch, basteln mit Kindern oder arbeiten mit Jugendlichen.

Die Entsendeorganisationen aus dem „globalen Süden“ wählen geeignete Freiwillige aus, die Interesse an entwicklungspolitischen Themen mitbringen und sich freiwillig engagieren möchten. Das Programm „weltwärts“ bietet hierfür die finanzielle Förderung und ermöglicht eine fachlich-pädagogische Begleitung der Teilnehmer. Für die Freiwilligen ist der Dienst in Deutschland kostenlos. Reisekosten sowie Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Sozialversicherung werden übernommen. Die Zentralstelle Engagement Global fungiert dabei als Koordination und Beratungsinstanz für die Aufnahmeorganisationen.

Freiwilligendienst „weltwärts“: Engagement für mehr Gerechtigkeit in der Welt

Wie wird das Angebot bisher angenommen und welches Feedback haben Sie bisher von einzelnen Einrichtungen, aber auch von Freiwilligen bekommen, die an dem Programm teilgenommen haben?

Miriam Elsinghorst: Alle Beteiligten sind sehr angetan von der Süd-Nord-Komponente und den Freiwilligen, die in den Einsatzstellen in der täglichen Arbeit mithelfen. Die Freiwilligen können sich mit einer bisher fremden Welt vertraut machen, sie knüpfen Freundschaften, leben in Familien und lernen Zusammenhänge aus einer anderen Perspektive kennen.

Die Menschen in den Einsatzstellen – Kinder, Jugendliche, Erwachsene – erfahren etwas über das soziale, politische und ökonomische Leben in Peru, Tansania oder Nepal. Und die Freiwilligen erleben hier eine vielfältige deutsche Gesellschaft: Sie erfahren, wie die deutsche Politik funktioniert, welche sozialen Herausforderungen in Deutschland existieren und vieles mehr. Die Rückmeldungen zeigen uns, dass sie ihre Erfahrungen sehr motiviert weitergeben und sich auch in Zukunft für mehr Gerechtigkeit in unserer Welt engagieren möchten.

Was müssen Interessierte beachten? Wo können sie sich über das „weltwärts“-Programm informieren und bewerben und welche Fähigkeiten müssen sie mitbringen? Müssen sie beispielsweise bereits über Deutschkenntnisse verfügen, oder gibt es Möglichkeiten, diese im oder neben ihrem Freiwilligendienst hier zu erwerben?

Miriam Elsinghorst: Interessierte können sich auf der „weltwärts“-Webseite auf Spanisch, Englisch, Deutsch und Französisch informieren. Eine Bewerbung ist aktuell nur aus bestimmten Ländern möglich, in denen bereits Partnerschaften zwischen lokalen und deutschen Nichtregierungsorganisationen bestehen. Interessierte sollten mindestens 18 Jahre alt sein und das 29. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Sie bewerben sich bei den jeweiligen Entsendeorganisationen in ihrem Land.

Die Bereitschaft, Deutsch zu lernen, ist Voraussetzung zur Teilnahme, ebenso wie Offenheit und Interesse an entwicklungspolitischen Themen. Außerdem ist es wichtig, sich nach der Rückkehr aus Deutschland im eigenen Land gesellschaftlich zu engagieren und aktiv zu werden! Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist nicht erforderlich, viele Freiwillige bringen aber bereits Berufserfahrung mit.

Interviews zur Süd-Nord-Komponente

Bettina aus Kamerun betreut als Freiwillige beim Internationalen Bund Kassel an der August-Fricke-Schule Kinder mit Lernschwierigkeiten.

Ambika aus Indien betreut als Freiwillige mit dem Internationalen Bund Kassel an der Alexander-Schorell-Schule Kinder mit Beeinträchtigungen im Schulalltag.

Francisco Abilia aus Mosambik war ein Jahr lang als Freiwilliger in der Eduard-Spanger-Gemeinschaftsschule in Reutlingen und unterstützt die Lehrkräfte bei Unterrichtseinheiten und Aktivitäten außerhalb des Schulunterrichts.

Eine letzte Frage: Ist das Programm auf Dauer angelegt oder nur eine zeitlich begrenze Initiative? Welche Fristen müssen Bewerber beachten oder kann man sich jederzeit bewerben?

Miriam Elsinghorst: Die Süd-Nord-Komponente von „weltwärts“ befindet sich in einer dreijährigen Pilotphase, die wir anschließend evaluieren und daraus Schlüsse ziehen werden, welche Punkte wir verbessern können und was bereits gut läuft. Sehr gut klappt beispielweise die Verbindung von Aufnahme und Entsendung von Freiwilligen, ein tatsächlicher Austausch im „weltwärts“-Programm ist nun möglich.

Wer sich interessiert, kann sich fortlaufend für einen Freiwilligendienst in Deutschland bewerben. Die Anforderungen einer Bewerbung erfragen die Interessierten am besten direkt bei der Entsendeorganisation in ihrem Land. Kontaktmöglichkeiten finden sie auf unserer Webseite. Die meisten Entsendeorganisationen entsenden ihre Freiwilligen in den deutschen Sommermonaten.

Diskussion über ehrenamtliches Engagement in der Community

August 2015

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Kommentare

Hassan
19. Dezember 2015

Lieber Redaktion Team Alumniportal Deutschland,
danke sehr für Ihre Antwort.
Wissen Sie,ich habe Ihre Antwort nicht gesehen.
Noch einmal DANKE und sage Ihnen Sie sind SUPER TEAM.
Alles Gute und herzliche Grüsse aus Marokko.
Hassan

Redaktion
6. August 2015

Lieber Hassan,

hier finden Sie Miriam Elsinghorsts Antwort auf Ihre Frage:

Für jede Altersstufe gibt es Angebote des freiwilligen Engagements. Die Zielgruppe von weltwärts sind Jugendliche und junge Erwachsene. Aber es stimmt, Engagement und gesellschaftliche Mitgestaltung sind natürlich in jedem Alter willkommen! Es gibt z.B. den Bundesfreiwilligendienst, der auch für Ausländer/innen möglich ist und keine Altersgrenze nach oben hat- also auch mit 38 Jahren möglich ist. Zu diesem Freiwilligendienst gibt es hier Informationen: www.bundesfreiwilligendienst.de

Alles Gute und herzliche Grüße

Redaktion Alumniportal Deutschland

Jayakanth.K
5. August 2015

Its an excellent idea and a platform to bring and share GOOD PRACTICES for the development of the human man kind and to exchange knowledge/culture/technology beyond boundaries, thus addressing to our future generation for sustainability and harmony.

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