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Arbeitszeugnisse und Referenzen

Neuer Job, neues Glück! Doch ehe es losgehen kann, geht es erst einmal in die Bewerbungsphase. Unerlässlich dafür sind ordentliche Unterlagen und zu diesen zählen neben Anschreiben und Lebenslauf auch Arbeitszeugnisse und Referenzen. Wie man zu diesen Unterlagen kommt?

In Deutschland zum Beispiel hat jeder Arbeitnehmer nach Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein Arbeitszeugnis vom Arbeitgeber. Gut zu wissen ist außerdem: Das Zeugnis darf dem Bewerteten nicht schaden.

Achten Sie auf die Sprache

In den vergangenen Jahren hat sich die Auswertung von Sprache und Form von Arbeitszeugnissen fast schon zu einer eigenen Wissenschaft entwickelt. Ein Beispiel: Schreibt ein Arbeitgeber, Aufgaben wären „zur Zufriedenheit“ erfüllt worden, liest ein geschulter Personaler, dass die Arbeitsleistung lediglich ausreichend war. Deutlich besser ist eine Beurteilung „zur vollsten Zufriedenheit“, die der Schulnote 1, also sehr gut, entspricht.

Doch das ist nicht alles, worauf der potentielle neue Arbeitgeber achtet. Meist wird zunächst eine Vorauswahl aus den eingegangen Bewerbungen getroffen. Dies geschieht auf Grundlage der Gesamtbewertung am Ende des Zeugnisses und der Form der eingereichten Unterlagen. Diese sollte den üblichen Standards in Sachen Schrift und Aufbau, als auch der Reihenfolge der Aussagen genügen. Weitere wichtige Kriterien sind: Warum wurde das letzte Arbeitsverhältnis beendet? Und wo sieht sich der Bewerber in Zukunft, also welche Karriere er anstrebt.

Versteckte Bewertungen im Arbeitszeugnis

Hat es das Zeugnis durch die Vorauswahl geschafft, geht es ins Detail: Eine zu kurze Aufgabenbeschreibung beispielsweise macht einen eher schlechten Eindruck. Außerdem werden jetzt solche Floskeln wie „zu unserer Zufriedenheit“ zur Arbeitsleistung, zum Verhalten und die Gesamtbewertung des Arbeitnehmers quasi in Schulnoten von (1) sehr gut bis (6) ungenügend übersetzt: Superlative und ausdrückliche Hinweise auf Beständigkeit mit Worten wie „stets“ oder „immer“ machen den Unterschied. Aber keine Angst, auch ein gutes Zeugnis kommt mit abgeschwächten Adverbien wie „besonders“ oder „voll“ aus. Sollten solche Ausschmückungen gänzlich fehlen, landet man aber schnell bei der Schulnote (3) befriedigend. Übrigens: sogenannte „Geheimcodes“ kommen in seriösen Unternehmen nicht mehr vor. Ein Beispiel: „Sie war eine gesuchte Gesprächspartnerin“ bedeutet: „Sie hat sich zu viel neben ihrer Arbeit unterhalten“ - so etwas liest man nicht mehr.

Andere Länder, andere Sitten

So streng wie in Deutschland geht es aber nicht auf der ganzen Welt zu. Anders als das normierte und rechtlich genau geregelte Arbeitszeugnis in Deutschland sind im angloamerikanischen Raum eher mündliche Referenzen üblich. Diese sind, wie auch die Zeugnisse, die eher Empfehlungsschreiben („letter of recommendation“) gleichen, weit weniger formell. Auch besteht hier kein Recht auf ein Arbeitszeugnis, der Arbeitgeber muss also darum gebeten werden. Ähnlich verhält es sich bei internationalen Unternehmen in China. Trotzdem können Empfehlungsschreiben auch bei inländischen Firmen hilfreich sein.

Eine andere Form von Arbeitszeugnissen gibt es in vielen Staaten der ehemaligen UdSSR. Dort wird ein staatlich anerkanntes Arbeitsbuch geführt, das alle wichtigen Dokumente rund um das Arbeitsleben einer Person wie auch Prämien oder Abmahnungen enthält. „Wenn jemand keine unerwünschten oder misswürdigen Einträge hat, reicht es  manchmal, um einen Arbeitsplatz zu bekommen“, weiß Alexander Belyakov aus der Ukraine. Insbesondere bei verantwortungsvollen Positionen werden in vielen Ländern auch mündliche Referenzen von Kollegen oder ehemaligen Arbeitgebern eingeholt. Kyrellos Boutros erklärt zum Thema Referenzen in Ägypten: „Viele Ägypter können den Begriff nicht ganz verstehen.“ Arbeitszeugnisse werden demnach auch nur auf Anfrage des Arbeitgebers den Bewerbungsunterlagen beigefügt.

An diesen Beispielen sieht man, wie unterschiedlich in anderen Kulturen mit dem Thema Referenzen oder Arbeitszeugnissen umgegangen wird. Deshalb ist es bei Bewerbungen immer wichtig, sich über die jeweiligen Gepflogenheiten zu informieren.

Nutzen Sie dazu auch die Alumniportal Deutschland - Gruppe „Spotlight on Jobs & Careers“. Dort finden Sie unsere Checkliste mit Aufbau und Inhalten von deutschen Arbeitszeugnissen. Sie haben auch die Möglichkeit, sich mit anderen Deutschland-Alumni aus der ganzen Welt zum Thema Arbeitszeugnisse und Referenzen auszutauschen.

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Melanie Rottmüller

März 2012

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Kommentare

andris
5. April 2012

Ja das ist gut theme.

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