2 Finde ich gut

Bleiben oder zurückkehren?

Für viele afrikanische Akademiker, die in Deutschland studiert haben, stellt sich die Frage: gehen oder bleiben? Zwei DAAD-Alumni berichten über ihre Entscheidungen.

Dr. Betty Mayeku ...

... ist Expertin für Computerwissenschaft und hat sich auf E-Learning spezialisiert. Sie hat von 2012 bis 2015 als DAAD-Stipendiatin an der Universität Göttingen studiert und promoviert.

Ihre Geschichte

„Als ich im September 2015 meinen Doktortitel in der Tasche hatte, war klar, dass ich nach Kenia zurückgehe. Ich wollte meiner Gesellschaft etwas von dem weitergeben, was ich bekommen habe. Als DAAD-Stipendiatin konnte ich dreieinhalb Jahrelang an der Universität Göttingen studieren. Eine wissenschaftliche Karriere in Deutschland fand ich aber auch verlockend. Es gibt mehr Unterstützung, mehr Forschungsgelder. Und der Alltag verlangt nicht so viel Energie wie in Kenia: Es fällt leichter sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Trotzdem habe ich meine Entscheidung nicht einen Moment bereut. In Kenia kann ich viel mehr bewirken. Das ist die größte Belohnung, die man sich vorstellen kann.

Seit meiner Rückkehr arbeite ich an der staatlichen Kibabii-Universität in Bungoma, einer Stadt im Westen Kenias, deren 45.000 Einwohner vor allem von der Landwirtschaft leben. Dort unterrichte ich an der Fakultät für Computerwissenschaft und Informatik. Außerdem leite ich die Abteilung für Open-, Distance- und E-Learning, die ich zugleich aufbaue. Rund 400 Studierende sind bei uns eingeschrieben. Schön ist, dass mich meine Kolleginnen und Kollegen sehr unterstützen. Niemand neidet mir hier die Zeit im Ausland, sie sind eher alle froh, dass sie von meiner Erfahrung mit profitieren können. Trotzdem war es am Anfang schwer, mich wieder an den Alltag zu gewöhnen. In Kenia muss man immer mit Überraschungen rechnen, immer flexibel sein. Aber für mich gibt es kaum etwas Reizvolleres, als selbst ein Projekt aufbauen zu können. Und das kann ich hier an der Universität von Bungoma.“

Der Weg zurück, ein Schritt nach vorne?

Nach einem Auslandsaufenthalt sieht man sich bei der Rückkehr ins Heimatland neben Hoffnungen möglicherweise auch mit Herausforderungen und Ängsten konfrontiert. Umso wichtiger ist es, sich mit anderen Alumni über Erfahrungen auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. Aus welchen Gründen haben Sie sich für oder gegen eine Rückkehr in Ihr Heimatland entschieden? Vor welche Probleme wurden Sie gestellt und welche Chancen konnten Sie ergreifen? Teilen Sie Ihre persönliche Geschichte und Tipps mit der Community!

Zur Community

Dr. Tomabu Adjobimey ...

... leitet die Arbeitsgruppe Humanimmunologie am Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie des Universitätsklinikums Bonn. Er promovierte von 2005 bis 2008 mit einem DAAD-Forschungsstipendium in Zellbiologie an der Universität Bonn.

Seine Geschichte

„In Benin als Immunologe zu forschen und damit die gesundheitliche Situation der Menschen im Land zu verbessern – das ist mein großer Wunsch. Die Universität Abomey-Calavi, an der ich Biochemie studiert habe, verfügt leider bislang nicht über die notwendigen Ressourcen. In Bonn ist das anders, hier habe ich optimale Arbeitsbedingungen. Das ist mir viel wert, denn von meiner Arbeit verspreche ich mir grundlegende Erkenntnisse über parasitäre Würmer aus den tropischen Gebieten Afrikas. Helminthen sind in Benin etwa für die sogenannte „Flussblindheit“ verantwortlich. Die Würmer haben aber auch positive Eigenschaften, die ich am Universitätsklinikum Bonn gemeinsam mit meinem Team untersuche. Uns interessiert dabei besonders, welche Folgen die Würmer auf das Immunsystem ihres Wirts haben.

Damit die Menschen meines Heimatlandes trotz der räumlichen Distanz von meiner Arbeit profitieren, reise ich regelmäßig zu Lehrveranstaltungen nach Benin. Und sollte ich irgendwann doch meine Karriere in Afrika fortsetzen können, steht jetzt schon für mich fest: Den Kontakt zu meinen deutschen Kollegen möchte ich in jedem Fall weiter pflegen. Internationale Kooperationen halte ich für wichtig und inspirierend, deshalb bin ich auch im DAAD-Freundeskreis als Kontaktmitglied aktiv. Als ich im Jahr 2004 als DAAD-Stipendiat nach Deutschland kam, haben mich die fremde Sprache und die deutsche Bürokratie anfangs sehr verunsichert. Dieses Gefühl möchte ich anderen ausländischen Studierenden nehmen.“

Protokolle: Bettina Rühl, Christina Pfänder

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Magazin LETTER – Ausgabe 03/17 publiziert.

LETTER – Das Magazin für DAAD-Alumni erzählt spannende Geschichten aus Wissenschaft, Kultur, Deutschland und dem DAAD-Alumni-Netzwerk.

Juli 2018

Kommentare

Cédric Kossivi Elom Affognon
11. Juli 2018

Durch ein Stipedium hatten die Vorträger in Deutschland studiert, jetzt lehren, arbeiten sie in Deutschland. Außerdem sie reisen weltweit. Wie kann man ein Stipedium bekommen? Als Germanist wie kann man sich bewerben? Dank im voraus.

Vikramaditya Mathur
10. Juli 2018

Erst kommt die Sprachenshock. Wann jemand die Sprache in Lernefase traegt, muss er/sie viel bemuehen andere Mitteilungs Signalen zu verfahren z. B. Koerpersprache und nicht verbale Ausdruecke....wann richtig desto besser...Sonst ist viel Verwirrung und Mist. Kulturschock war ein andere Sache und ich selbst habe es verglichen mit ein allgemein Westliche Kulturkonzept...das kann vielleicht helfen das Gesellschaft besser zu verstehen und handlen/einwohnen....Durch Hollywood Kinos ist das westliche kultursache interessant gemacht :)

Vikramaditya Mathur
9. Juli 2018

The world is full of opportunities wherever you are, more so now in a networked interconnected scenario where ideas, thoughts, concepts and service packages move at the speed of thought across landmasses and continents with equal swiftness as they would across the boundary wall separating neighbours.
"When the going gets tough, the tough get going" :), these are indicators and guides for future movements. Stay as long as your business allows you to, do not overstay on your welcome mat till it is withdrawn but take the bold and sometimes courageous move of moving back to your homeland and readjusting yourself once again to the meanwhile changed realities....for better or for worse...
There is always a ray of hope which can be followed till you meet with success and a fulfilling future !

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