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Digitalisierung: „Jeder Job könnte betroffen sein“

Wie die Digitalisierung die Arbeitswelt verändert und warum wir uns umstellen müssen. Ein Interview mit dem US-amerikanischen Autor und IT-Unternehmer Martin Ford.

Wie werden unsere Arbeitsbedingungen im Jahr 2030 aussehen?

Martin Ford: Meine Grundthese ist, dass Maschinen, Roboter und smarte Software bis dahin einen viel größeren Teil der Arbeit übernehmen. Es wird wahrscheinlich weniger Arbeitsplätze geben - und mehr Wettbewerb um die verbleibenden Jobs. 

Sie sagen Massenarbeitslosigkeit durch die Computerisierung voraus. Solche Prognosen sind nicht neu. Was ist diesmal anders?

Martin Ford: Der wichtigste Unterschied ist, dass die Maschinen angefangen haben zu denken. Deshalb werden sie alle möglichen Arbeiten übernehmen. Alles, was nach Routine aussieht, wird tendenziell ersetzt, und zwar unabhängig von der Branche und in vielen Fällen auch unabhängig vom Grad der Ausbildung. Dazu gehören fließbandähnliche Arbeiten, die zum großen Teil bereits verschwunden sind, oder Tätigkeiten wie Hamburger wenden und Fahrzeuge lenken. Doch auch eine große Zahl an wissens­basierten Jobs wird davon betroffen sein.

„Es geht nicht nur um gering qualifizierte Arbeit“

Sie erwähnen das Beispiel von Radiologen.

Martin Ford: Ich halte das für eine Tätigkeit, die irgendwann wahrscheinlich komplett automatisiert ist, weil Computer letztlich besser darin sein werden als Menschen, Bilder zu interpretieren und etwa Hinweise auf einen Tumor zu finden. Daran sieht man: Es geht wirklich nicht nur um gering qualifizierte Arbeit.

Was bedeutet das für Gesellschaften und für den Einzelnen?

Martin Ford: Es könnte eine großartige Sache werden. Stellen Sie sich eine Zukunft vor, in der niemand eine verhasste Arbeit verrichten muss. Die Menschen müssten weniger arbeiten und hätten mehr Freizeit, mehr Zeit für die Familie. Das alles könnte wahr werden, aber nur, wenn wir uns den veränderten Gegebenheiten anpassen.

„Mindesteinkommen über Steuern finanzieren“

Was, wenn nicht? Wird unser System dann zusammenbrechen?

Martin Ford: Langfristig vielleicht schon – jedenfalls, wenn wir uns nicht umstellen. Sollte die Technologie Millionen Arbeitsplätze vernichten, können die Menschen kein Einkommen erzielen. Ohne dieses Einkommen droht eine wirtschaftliche Abwärts­spirale. Das wiederum kann sozialen und politischen Aufruhr nach sich ziehen. Es besteht die ernsthafte Gefahr, dass viele Bürger das Vertrauen in den Kapitalismus verlieren und eine Alternative suchen. 

Deswegen fordern Sie ein Mindesteinkommen für alle. Wie soll die Finanzierung aussehen?

Martin Ford: Das Mindesteinkommen müsste über Steuern finanziert werden – wahrscheinlich über eine Kombination aus einer pro­gressiveren Besteuerung von Unternehmen und Wohlhabenden und weitreichenden Verbrauchssteuern. Eine CO2-Steuer zum Beispiel wäre geeignet, einen Teil der benötigten Einnahmen zu generieren. 

„Weg zu Wohlstand bislang über Industrialisierung“

Stehen auch Entwicklungsländer vor diesem Wandel?

Martin Ford: Ja, das ist eine globale Entwicklung.

Wie wird sich dieser Wandel auf den Kampf gegen Armut auswirken?

Martin Ford: Die Herausforderung liegt darin, dass der Weg zu Wohlstand für arme Länder bisher über die Industrialisierung führte: Man baute Fabriken, die Jobs für viele, wenig verdienende und unausgebildete Arbeiter schufen. Solche Fabriken wird es aufgrund der Automatisierung künftig nicht mehr geben. Wie können arme Länder und ihre Bevölkerungen dann zu Wohlstand gelangen? Dafür müssen wir neue Wege finden. 

Das Bild von der Zukunft, das Sie malen – ist es letztlich hell oder düster?

Martin Ford: Ich tendiere dazu, langfristig Optimist und kurzfristig Pessimist zu sein. Wir können uns eine Zukunft ausmalen, in der Maschinen einen Großteil der Arbeit leisten – zumindest die Arbeit, die Menschen nicht gerne machen. Doch ein solches Szenario kann nur Realität werden, wenn wir das Problem der Einkommensverteilung lösen. Das wird eine große Herausforderung. Von daher befürchte ich eine Krise, die erst überwunden sein wird, wenn wir die nötigen Anpassungen vorgenommen haben.

Zur Person

Martin Ford ist ein Softwarespezialist und Unternehmer im Silicon Valley sowie Autor mehrerer Bücher. Das jüngste heißt „Aufstieg der Roboter“. Darin geht Ford der Frage nach, wie sich unsere Arbeitswelt durch die Digitalisierung wandelt. In den USA hat er mit seinen Thesen Furore gemacht – und unter anderem den Preis für das beste Wirtschaftsbuch 2015 von Financial Times und McKinsey gewonnen.

Interview: Friederike Bauer

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Magazin akzente – Ausgabe 2/16 publiziert.

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Community-Diskussion

April 2018

Kommentare

Jürgen Friedmann
18. April 2018

Ich sehe ebenso eine weitgehend gute Zukunft mit Robotern, aber nur bedingt in dem derzeitigen kapitalistischen System und schon gar nicht in allen Bereichen bei der derzeitigen Sicherheitslage auf unserem Planeten. Im Handumdrehen könnten einige Militärs, gesteuert von der derzeitigen sogenannten Elite, diese Roboter zweckentfremden und sie gegen die Menschheit richten. Je mehr Leuten es gut geht, desto schneller wächst die Wirtschaft und umso mehr Ressourcen werden verbraucht, Resultat noch mehr Kontamination. Bereits Anfang August 2018 wird die Menschheit die Ressourcen für das ganze Jahr aufgebraucht haben. Bei stätig wachsender Bevölkerung und zunehmendem Reichtum wird dieser Tag X Jahr für Jahr früher im Kalender fixiert werden. Die Menschheit wird sich also selbst ausrotten, wenn das nicht einige Computer bzw. Roboter schon vorher tun weil sie die Situation erkannt haben, diesbezüglich gibt es schon einige Science-Fiction-Filme. Die Menschheit muss also schnellstens lernen umzudenken, Aufklärung und Familienplanung in Ländern wie Indien, in einigen lateinamerikanischen Ländern müssen schnellst möglich human eingeführt werden. In diesen Ländern sieht man jetzt schon zwischen 10-30% der Bevölkerung die keinen Job haben, sie sind eine Last für die arbeitende Bevölkerung, teilweise auch kriminell, viel Elend und Missbrauch. Dies sind aber auch Folgen der ungerechten Verteilung des Reichtums. Reiche, Menschen müssen lernen mit weniger auszukommen, Werbung für unnötige, qualitativ schlechte Wegwerfprodukte darf es nicht mehr geben. Das kapitalistische System muss wieder sozial werden, für alle Menschen sollte eine relativ sorgenfreie finanzielle Zukunft geplant werden, zu viel Luxus muss hat da aber keinen Platz, zu viele Urlaubsreisen für Wohlhabende ebenfalls nicht, zumindest mit den heutigen Verkehrsmitteln, da sie ebenso wie die industrielle Produktion zu viel Kontamination hervorrufen und nicht vergessen, die letzten 50 Jahre wurden Kriege hauptsächlich wegen des Öls, in dieser Welt begonnen. Wenn dies alles geregelt ist haben wir auch hoffentlich keine Schattenregierungen mehr. Wir brauchen also eine globale, aber transparente Weltregierung die an alle Menschen und die Zukunft unseres Planeten denkt. Erst dann glaube ich ist es an der Zeit Roboter in allen Bereichen einzusetzen. Es gäbe noch viele Beispiele die man hier anführen könnte, aber dies würde dann doch zu lange werden.

Daniel Medina
18. April 2018

Ganz aktuelle Theme über dem uns allen nachdenken mussen.
Regelmaßiges ind vielfältiges Anpassen an die neue zukünftliche Arbeitsveränderung, müßte man aller Länder und ihre führungsveranwõrtlichen Leiter schon im Grif nehmen!!
Man sagt unter uns eine kluge Redewendung: 'curarse en salud': in Gesundheit sich heiligen !!

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