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Existenzgründer: mehr Risikobereitschaft in Deutschland

In Deutschland wächst eine neue Generation von Existenzgründern heran. Sie glauben an ihre Ideen und bringen Risikobereitschaft mit – die besten Voraussetzungen für erfolgreiche Start-up-Unternehmen. Für eine Existenzgründung in Äthiopien beispielsweise braucht es weit mehr Mut und Durchhaltevermögen.

Die Mentalität junger Existenzgründer hat sich gewandelt, sagt Christian Veith, Chairman für Zentral- und Osteuropa, den Nahen Osten und Afrika (CEMA) und ehemaliger Deutschland-Chef der Boston Consulting Group (BCG). Er stellt fest: Neue Geschäftsleute werden dringend gebraucht – längst nicht nur in der New Economy.

„Wir beobachten schon seit einiger Zeit, dass in Deutschland eine neue Generation von Existenzgründern heranwächst. Viele junge Leute glauben an ihre Ideen und setzen diese beharrlich um. Sie bringen Risikobereitschaft, Zuversicht und Ausdauer mit – alles wichtige Unternehmereigenschaften.“

Boston Consulting Group

Die Boston Consulting Group (BCG) ist eine internationale Managementberatung. Sie wurde im Jahr 1963 gegründet und ist mit 78 Büros in 43 Ländern vertreten.
Dr. Christian Veith steht der Region Zentral- und Osteuropa, Naher Osten und Afrika (CEMA) vor. Er ist Mitglied des weltweiten Executive Committee. Seine Beratungsschwerpunkte liegen auf der Entwicklung von Unternehmensstrategien.

Existenzgründer in Äthiopien haben es schwerer als deutsche

Geduldig zu sein ist eine Charaktereigenschaft, die auch Fitsum Jabamo, Existenzgründer in Äthiopien, mitbringen muss. „Es ist sehr schwer, in Äthiopien ein Unternehmen zu gründen“, erzählt der Entwicklungshilfeberater. Seine Firma hat sich auf politische Übersetzungen aus dem Amharischen, der offiziellen Amtssprache Äthiopiens, spezialisiert. Außerdem ist das Risiko extrem hoch: „Wenn das Unternehmen scheitert, wird die Lizenz nicht erneuert. Man verliert sein Netzwerk und bekommt von der Bank im Falle eines Konkurses keine Unterstützung“.

In Deutschland bedeutet der Schritt in die berufliche Selbstständigkeit für Existenzgründer vor allem Unabhängigkeit: die Freiheit, eigene Ideen  selbst  in die Tat umzusetzen. Christian Veith hat beobachtet, dass die Mentalität der deutschen Existenzgründer sich geändert hat: „Wenn etwas nicht im ersten Anlauf gelingt, dann ist das heute kein Makel mehr für den Rest des Lebens. Viele junge Existenzgründer denken heute nüchterner als früher. Sie fragen sich: Was habe ich zu verlieren? Und kalkulieren die Antwort dann sachlich durch.“

Im Vergleich mit vielen anderen Ländern haben es Existenzgründer im Sozialstaat Deutschland leichter. Sie können sogar eine Versicherung abschließen, die sie im Falle eines Scheiterns davor bewahrt, ohne Einnahmen dazustehen. Ein Privileg, von dem junge Unternehmer in armen Ländern wie Äthiopien nur träumen können.

Fitsum Tarekegn Consulting

Fitsum Tarekegn Jabamo ist Existenzgründer in Äthiopien. Der Soziologe gründete 2009 das Unternehmen „Fitsum Tarekegn Consulting, professional translation and other technical support services“. Schwerpunkt sind Übersetzungen politischer Maßnahmen aus dem Amharischen.

Existenzgründer brauchen Risikobereitschaft und eine gute Idee – überall auf der Welt

Für Existenzgründer weltweit gilt: Sie stehen für Fortschritt, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Zu ihren typischen Eigenschaften gehören zudem Durchsetzungs- und Durchhaltevermögen sowie Führungsqualitäten. Existenzgründer müssen gewillt sein, private Zeit und privates Geld in ihr Geschäft zu investieren. Jeder, der mit dem Gedanken der Selbstständigkeit spielt, sollte sich also ehrlich fragen: Reichen meine körperlichen und mentalen Kräfte für eine Existenzgründung?

Um ein Start-up-Unternehmen zu gründen, ist eine erfolgversprechende Geschäftsidee nach wie vor entscheidend. Günter Faltin, Professor für Entrepreneurship in Berlin, vertritt die These, dass ein gut durchdachtes Konzept sogar wichtiger ist als das Kapital. Und dass jeder eine Firma gründen kann. Wer von seiner Geschäftsidee überzeugt ist, der sollte die Umsetzung in einem Start-up zumindest in Betracht ziehen.

Existenzgründer kurbeln die Volkswirtschaft an

Über diese persönlichen Zielsetzungen hinaus sind Existenzgründungen auch für die gesamte Volkswirtschaft von besonderer Bedeutung: Mit innovativen Produkten, neuen Verfahren oder Dienstleistungen fordern Start-up-Unternehmen die bestehenden Unternehmen heraus und beleben so den Wettbewerb. In Deutschland erleben wir derzeit eine regelrechte Existenzgründungswelle. „Die wenigsten Start-ups enden als Weltkonzern. Aber auch ein gutgehendes mittelständisches Unternehmen ist ein großer Erfolg – auch aus der Perspektive eines Existenzgründers. Schließlich beruht der Erfolg der gesamten deutschen Wirtschaft maßgeblich auf solch innovativen Mittelständlern“, so Christian Veith.

 

Schließlich ist festzuhalten, dass sich jeder potentielle Existenzgründer selbst fragen muss: Bin ich ein Unternehmer? Der Schritt hin zum Ausprobieren ist in Deutschland sicherlich weniger risikoreich als in einem armen Staat wie Äthiopien.

Entrepreneurship Campus

Günter Faltin ist Professor an der Freien Universität Berlin, wo er den Arbeitsbereich Entrepreneurship aufbaute. 1985 war er Gründer des Unternehmens Projektwerkstatt GmbH und initiierte die „Teekampagne“, einen der größten Importeure von Darjeeling-Tee weltweit. Er ist Gründungsmitglied des Existenzgründer-Instituts und errichtete die Stiftung „Entrepreneurship“. Günter Faltin ist Autor des Buches „Kopf schlägt Kapital“.

Mai 2013

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