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Vorbereitung auf den Kulturschock: Herausforderungen beim Auslandsaufenthalt am Beispiel China

Eine andere Sprache, eine andere Mentalität und häufig eine völlig andere Kultur – das finden Menschen vor, die für ihr Studium oder ihren Job einige Zeit ins Ausland gehen. Welches sind dabei die größten sozialen und kulturellen Herausforderungen und wie kann man sich in der Fremde wohlfühlen?

Die meisten Leser des Alumniportals Deutschland kennen das: Vor allem die erste Zeit während eines Auslandsaufenthalts kann einem sehr schwer fallen. Die Sprache des Landes spricht man noch nicht oder jedenfalls nicht fließend, man hat kaum Kontakte, alles ist neu und muss erst kennengelernt werden. Vielleicht ist einem die neue Kultur so fremd, dass man sich nicht ohne Hilfe in ihr zurechtfinden kann.

Um mit den sozialen und kulturellen Herausforderungen während eines Auslandsaufenthaltes zurechtzukommen, ist eine gute Vorbereitung notwendig. Am Beispiel China zeigen wir, wie diese aussehen und gelingen kann.

Als „schreckhaftes Erleben der Andersartigkeit der durch die fremde Kultur erlebbaren Realität“, so definiert der Duden den „Kulturschock“. Wie stark dieser bei einem Auslandsaufenthalt ausfällt, hängt auch davon ab, wie gut die Vorbereitung auf das Zielland war.

Zur Vorbereitung können verschiedene Internetforen, Bücher und Reiseführer genutzt werden. Außerdem sollte man – wenn möglich – das Zielland schon einmal vorab besuchen. Auch der Austausch mit Menschen, die bereits eine längere Zeit in diesem Land verbracht haben, ist lohnenswert. So verschafft man sich einen ersten Eindruck von der Andersartigkeit des neuen Landes, vom Kommunikationsstil dort, vom Zeitmanagement, von den Umgangsformen. Auch ein Sprachkurs ist natürlich sinnvoll, wenn die Sprache noch nicht beherrscht wird.

Je fremder die Kultur, desto besser sollte die Vorbereitung sein

Außerdem sollte zur Vorbereitung auf einen Auslandsaufenthalt über ein professionelles interkulturelles Training nachgedacht werden. Dies gilt vor allem dann, wenn man aus beruflichen Gründen ins Ausland geht. „Eine interkulturelle Vorbereitung auf den Auslandsaufenthalt – gerade in einem für uns fremden Kulturkreis wie China – ist unbedingt notwendig“, rät Dr. Oliver Prüfer, der 2006 das erste Mal nach China kam und seit fast zehn Jahren dort lebt. Er arbeitet als Stellvertretender Geschäftsführer und Personalleiter bei der German Industry & Commerce Greater China, dem Serviceprovider der Deutschen Auslandshandelskammer (AHK) Greater China in Peking, und gibt selbst seit vielen Jahren interkulturelle Trainings für China.

Prüfer ist der Meinung, dass man sich auf den Aufenthalt in China mit einer Trainerin oder einem Trainer vorbereiten sollte, der oder die tatsächlich eine Zeitlang in China gelebt und gearbeitet hat. Und diese Zeit solle nicht länger als zwei Jahre zurückliegen. „China verändert sich so rasant, da hilft einem das Wissen von vor fünf Jahren nicht viel weiter“, erklärt Prüfer. Gerade in China unterscheide sich die Mentalität – vor allem im Berufsleben – vollständig von der in Deutschland: „In China spielen Beziehungen eine ganz wichtige Rolle. Eine Berufsbeziehung wird in China auch immer mehr oder weniger den privaten Bereich berühren. Den Feierabend gibt es eigentlich im chinesischen Verständnis nicht. Möchte ein chinesischer Geschäftspartner nach Büroschluss noch etwas unternehmen, kann man nicht ohne Weiteres ablehnen“, sagt Prüfer.

Nach seiner Einschätzung ist das Wissen über und das Sich-Einlassen auf die chinesische Kultur das A und O für einen erfolgreichen Aufenthalt in China. „Mit einer Strategie der Abschottung wird man hier nicht glücklich. Eher sollte man versuchen, die besten Seiten beider Kulturen zu verbinden, nicht alles mit den Maßstäben seines Heimatlandes bemessen und – ganz wichtig – der fremden Kultur mit Wertschätzung und Respekt begegnen.“

Sich gut in die chinesische Gesellschaft zu integrieren und dabei viel Zeit und Kraft ins Networking zu investieren ist nach Prüfers Worten oft wichtiger als die Kenntnisse der Sprache. „Für bestimmte Positionen ist Chinesisch eine Voraussetzung, für andere aber nicht. In jedem Fall sollte man als Ausländer seinen Fokus auf das Networking und auf den Aufbau von guten Beziehungen zu den chinesischen Geschäftspartnern, Kollegen sowie Mitarbeitern legen.“ Aber: „Chinesisch-Kenntnisse helfen natürlich in jedem Job und ein paar Standards der chinesischen Sprache sollte jeder kennen. Zum Beispiel sprechen die Taxifahrer hier kein Englisch.“

Was macht ein gutes interkulturelles Training aus?

Dazu rät Dr. Oliver Prüfer:

Der Trainer sollte das entsprechende Land sehr gut kennen, dort selbst einige Zeit gelebt und gearbeitet haben. Seine Landeskenntnisse sollten nicht älter als zwei Jahre sein – zumindest wenn es um China geht.

Das Training sollte die Besonderheiten der entsprechenden Kultur vermitteln können und deutlich herausarbeiten, warum man sich auf eine fremde Kultur konkret vorbereiten und einlassen sollte.

Während eines interaktiv angelegten Trainings sollte anhand von praktischen Beispielen aus dem beruflichen Alltag geübt werden, wie man das chinesische Verhalten interpretieren und sich der fremden Kultur gegenüber angemessen verhalten sollte – zum Beispiel durch:

  • Fallbeispiele und Situationen, die immer wieder zu interkulturellen Missverständnisse führen
  • Üben von Gesprächssituationen
  • Entwurf von kulturell angemessen geschäftlichen E-Mails
  • Tipps für Alltagssituationen mit Geschäftspartnern

Gut zu wissen:

Die Deutsche Auslandshandelskammer Greater China ist mit ihrer langjährigen Erfahrung im interkulturellen Training der erste Ansprechpartner für eine erfolgreiche deutsch-chinesische Zusammenarbeit. Hier stehen die Mitarbeiter, darunter auch viele chinesische Deutschland-Alumni, mit einer Vielzahl von Dienstleistungen, Tipps und Ratschlägen zur Seite.

AHK Greater China

Kontakt Dr. Oliver Prüfer

Und wenn die ganze Familie mit ins Ausland reist?

Eine ganz andere Situation ist es, wenn man nicht allein, sondern mit seiner Familie für eine gewisse Zeit ins Ausland geht. Dabei müssen sich dann auch der Partner / die Partnerin und die Kinder auf die neue Kultur vorbereiten. Hier stehen noch ganz andere Fragen im Raum. Findet der Partner / die Partnerin in der neuen Heimat auch einen Job? Wird er oder sie mit der neuen Kultur zurechtkommen?

Wo können die Kinder zur Schule gehen? Und wie möchte ich meine Kinder erziehen? Nach dem Stil, den ich aus meinem Heimatland kenne? Oder passe ich mich auch darin der neuen Kultur an? Dr. Oliver Prüfer erzählt zum Beispiel, dass in China selten ein klares „Nein“ ausgesprochen wird. Sollen die Kinder in diesem Fall ohne klare Grenzen aufwachsen?

Gerade wenn auch Kinder mitreisen, sollte die Vorbereitung für den Auslandsaufenthalt noch intensiver sein. Mögliche Konflikte in Fragen der Erziehung und Schulbildung der Kinder müssen vor der Abreise gestellt und so gut wie möglich geklärt werden. Hier ist der Austausch mit anderen Eltern, die in derselben Situation sind, hilfreich – beispielsweise über Internetforen.

Eigene Erfahrungen lassen sich nicht ersetzen

Sich vorher über eventuelle Probleme und Konflikte bewusst zu sein, ist bei einem längeren Auslandsaufenthalt auf jeden Fall notwendig – genauso wie eine bestmögliche Vorbereitung auf das neue Land und dessen Kultur. Dennoch treten bei einem Auslandsaufenthalt auch immer Ereignisse ein, auf die eine Vorbereitung nur theoretisch sein kann, weil sie tatsächlich erlebt werden müssen.

Zum Beispiel kann ich mich nur theoretisch darauf vorbereiten, wie ich auf die überfüllten U-Bahnen in Peking reagieren werde, ohne einmal in einer solchen gefahren zu sein. Wie fühle ich mich, wenn ich täglich dicht gedrängt mit der U-Bahn zur Arbeit fahren muss? Auch weiß ich nicht, ob ich es schaffe, in China das „Nein“ immer freundlich zu umschreiben und sehr viel Energie in das Networking zu investieren, wenn ich es nicht ausprobiert habe.

Durch eine gute Vorbereitung kann man sich auf die sozialen und kulturellen Herausforderungen beim Auslandsaufenthalt zwar besser einstellen, doch erst das eigene Erleben im Land selbst zeigt, wie man mit der neuen, fremden Kultur umgeht: Wo passe ich mich an und verändere mein Verhalten, vielleicht sogar meine Persönlichkeit? Wie gehe ich mit dem Kulturschock um, kann ich ihn schnell überwinden? Dr. Oliver Prüfer weiß: „Wer so an den Auslandsaufenthalt herangeht, der hat die Chance, nicht nur ein unvergessliches Abenteuer zu erleben, sondern auch wertvolle Erfahrungen zu sammeln – nicht nur für die Zeit in China.“

Diskussion über soziale und kulturelle Herausforderungen im Ausland

Wie haben Sie sich auf Ihren Auslandsaufenthalt, beispielsweise auf Ihr Studium in Deutschland, vorbereitet? Und wie haben Sie von Ihrer Vorbereitung profitiert? Vielleicht leben Sie auch aus beruflichen Gründen im Ausland? Dann teilen Sie Ihre Erfahrungen in der Community-Gruppe „Spotlight on Jobs & Careers“!

Community-Diskussion

Februar 2017

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Kommentare

Fokrul Islam
6. März 2017

To be a person with challenging career in which hard working and creativity is necessary as well as responsibilities and has the opportunity to show leadership quality with communication skill

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