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Körpersprache im Vorstellungsgespräch: Die Macht der wortlosen Kommunikation

„Den Kopf hängen lassen“, „mit beiden Beinen im Leben stehen“, „Rückgrat zeigen“ – diese deutschen Redewendungen verdeutlichen, welchen Stellenwert wir den nonverbalen Körpersignalen beimessen. Die folgenden Tipps zeigen, worauf Sie bei ihrer Körpersprache im Vorstellungsgespräch besonders achten sollten.

Bewerber und Personaler kommunizieren nicht nur verbal miteinander. Der Austausch nonverbaler Körpersignale ist mindestens ebenso wichtig. Die Entscheidung, ob Sie Ihrem Gegenüber beim Vorstellungsgespräch gefallen, hängt nicht nur von Ihren Qualifikationen und dem Gesagten ab, sondern wird ebenso von Ihrer gesamten Körpersprache – zum Beispiel Haltung, Gestik, Mimik – bestimmt. Im Folgenden geben wir Ihnen einige Tipps, was Sie im Vorstellungsgespräch mit einem deutschen Gegenüber beachten sollten.

Körpersprache: Eine aufrechte Körperhaltung wirkt charakterfest und offen

Versuchen Sie, mit leichtem, elastischem Gang hereinzukommen, das Kinn leicht erhoben. Stehen Sie bei der Begrüßung gerade, mit beiden Füßen fest auf dem Boden. In Deutschland ist es üblich, sich zur Begrüßung die Hand zu geben. Ein fester Händedruck ist hier ein Zeichen für Selbstsicherheit.

Im Sitzen halten Sie sich ebenfalls aufrecht. Das wirkt sich positiv auf den Resonanzraum der Stimme aus. Vermeiden Sie es, auf dem Stuhl zusammenzusinken, mit Ihren Daumen zu drehen oder im Gesicht herumzustreichen. Auch wenn Sie nervös sind, sollte das bei solch einem wichtigen Treffen nicht an der Körpersprache ablesbar sein.

Wohin mit den Beinen? Am besten stellen Sie die Beine etwa hüftbreit auseinander oder schlagen ein Bein locker über das andere. Dabei ist darauf zu achten, dass es in Richtung des Gesprächspartners weist, um Zuwendung auszudrücken.

Positive Gestik und Mimik verhelfen zum Erfolg im Vorstellungsgespräch

Der richtige Einsatz von Gestik und Mimik ist ein weiterer wichtiger Punkt der positiven Körpersprache. Richten Sie den Blick auf Ihren Gesprächspartner. Damit geben Sie ihm das Gefühl, zuzuhören. Ein positives Körpersignal ist es auch, den Ausführungen ab und an durch Kopfnicken zuzustimmen. Ein absolutes Tabu hingegen ist es, den Blick im Raum umherschweifen zu lassen oder gar auf die Uhr zu schauen.

Die Hände liegen entspannt auf dem Schoß. Drehen Sie ruhig ab und an die Handflächen nach oben. Das ist ein unbewusst wahrgenommenes Körpersignal für Offenheit und bedeutet, dass man etwas zu geben hat, zum Beispiel eine gute Leistung. Vermeiden Sie jedoch heftige Armbewegungen. In Deutschland wird das eher mit Unsicherheit assoziiert.

All diese Dinge können Sie vor dem Vorstellungsgespräch üben. Bleiben Sie aber in Ihrer Körpersprache vor allem authentisch: Zurückhaltende Menschen sollten nicht wild gestikulieren, Extrovertierte sich nicht künstlich zurückhalten.

Kulturelle Unterschiede in der Wahrnehmung von Körpersprache

Gerade die stille, aber ständig präsente Körpersprache ist es, die auch über Ländergrenzen hinweg zu Erfolg oder zu Misserfolg eines Gesprächs führen kann. Hier einige kulturelle Unterschiede, die Sie für das nächste Vorstellungsgespräch im Hinterkopf behalten sollten:

In westlichen Kulturen signalisiert Augenkontakt Offenheit. Japanern ist dies dagegen unangenehm. Wenn ein Japaner während eines Gesprächs den Kopf senkt und seine Augen schließt, interpretieren Amerikaner oder Europäer das häufig als ein Zeichen von Desinteresse. Für Japaner ist es dagegen ein Zeichen hoher Aufmerksamkeit. Für Vorstellungsgespräche in Deutschland gilt: Schauen Sie Ihrem Gegenüber ruhig in die Augen.

Auch bei der Sprache der Hände gibt es kulturelle Unterschiede: Sie ist bei Italienern zum Beispiel um ein Vielfaches ausgeprägter als bei Engländern. Was mancher Asiate als unerträgliches Gefuchtel empfindet, schätzen Lateinamerikaner als Ausdruck eines feurigen Redners. Noch ausladendere Armbewegungen machen Araber – sie unterstreichen jedes Wort mit Redegesten. Unser Tipp: Setzen Sie beim Vorstellungsgespräch in Deutschland Gesten eher sparsam ein.

Hinsichtlich der Körpersprache im Sitzen fällt auf, dass amerikanische Männer es im Gegensatz zu deutschen als unmännlich betrachten, die Beine nebeneinander zu stellen. Deshalb schlagen sie die Beine übereinander. Für den Araber wiederum ist das eine Beleidigung, denn die Fußsohle gilt im arabischen Kulturkreis als unrein.

Beim Lächeln können Sie definitiv nichts falsch machen: Es wird weltweit als positives Körpersignal und Sympathiezeichen aufgenommen.

Sieben Tipps für eine überzeugende Körpersprache im Vorstellungsgespräch

1. Gerade, lockere Körperhaltung einnehmen
Der Gang ist leicht und elastisch, die Schritte nicht zu groß oder zu klein, die Arme schwingen locker mit. Die ideale Körperhaltung ist aufrecht und locker, mit geraden Schultern und leicht erhobenem Kinn. Kopf hoch, Bauch rein, Brust raus, fester Händedruck.

2. Entspannt sitzen
Die natürliche Sitzhaltung ist aufrecht, die Hände entspannt auf den Sitzlehnen. Nehmen Sie die gesamte Sitzfläche ein – es wirkt unsicher, wenn Sie nur auf der Vorderkante des Stuhls sitzen.

3. Mit Gesten sparsam sein
Der Einsatz der Hände zur Unterstreichung des Gesagten kann einen positiven Effekt erzeugen. Die Gestik darf aber nicht übertrieben wirken.

4. Unsicherheitsgesten vermeiden
Dazu gehören das Kratzen am Hinterkopf oder an der Nase, aber auch das Verschränken der Arme, das Abwehr signalisiert.

5. Mimik gezielt einsetzen
Üben Sie einen freundlichen Gesichtsausdruck. Dieser gibt allem, was Sie sagen, eine warme Note. Die Mimik ist übrigens nicht nur wichtig beim Sprechen, sondern auch beim Zuhören: Sie signalisiert Interesse.

6. Blickkontakt halten
Blickkontakt signalisiert in Deutschland Interesse und Offenheit, ein Abschweifen des Blicks dagegen Unsicherheit oder Unaufmerksamkeit.

7. Ruhig sprechen
Eine klare, deutliche Aussprache mit gezielt gesetzten Pausen kommt am besten an. Wer zum Nuscheln neigt, sollte vorher ausgiebig trainieren.

November 2013

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