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Soft Skills: Können Kreativitätstechniken tatsächlich die Kreativität steigern?

Im Rahmen unserer Soft-Skills-Serie behandeln wir das Thema Kreativitätstechniken. Kreativität ist ein weites Feld. Was bringt sie uns im Berufsleben? Und ist Kreativität erlernbar?

Kreativität zählt zu den Soft Skills und soll helfen, neuartige Lösungen für Probleme zu entwickeln. Innovationsbereitschaft und geistige Flexibilität sind dafür Voraussetzung. Kreativitätstechniken werden in vielen Branchen als Mittel zum Zweck gesehen und haben zum Ziel, bessere Ergebnisse zu schaffen. Doch Studien besagen, dass es um die Kreativität an deutschen Arbeitsplätzen schlecht bestellt ist. Wie lässt sich das ändern?

Für Trainer von Kreativitätstechniken ist die Antwort eindeutig: Kreativität ist nicht nur Talent, sondern auch Einstellungssache – durch besondere Techniken kann man Kreativität erlernen und verbessern. In Expertenkreisen sind mehr als 200 verschiedene solcher Kreativitätstechniken bekannt.

Kreativitätstechniken: Brainstorming ist beliebt, aber wenig effektiv

Am bekanntesten ist wohl das Brainstorming, eine Technik zur Entwicklung neuer und vieler Ideen, die meist in einer Gruppe eingesetzt wird. Das Brainstorming funktioniert nach dem Prinzip „Ideenquantität vor Ideenqualität“ und ist besonders beliebt bei Werbeagenturen. Weitere Kreativitätstechniken sind das Mindmapping, die 635-Methode, die Denkstühle nach Disney, die 6-Hüte-Methode oder Checklisten. Die Frage ist: Lässt sich Kreativität mit diesen Techniken überhaupt fördern?

Vor mehr als 60 Jahren wurde die Idee des Brainstormings geborgen. Seither ist die Methode in vielen Firmen sehr populär. Aber fast genauso alt ist die Kritik an dieser Kreativitätstechnik: In interagierenden Gruppen ist sie nicht sonderlich effektiv. Schon 1958 wies eine Studie nach, dass „Einzelkämpfer“ etwa doppelt so viele Ideen präsentierten wie die Brainstormer. Noch dazu waren ihre Ideen besser umsetzbar. „Seit 50 Jahren belegt die psychologische Forschung, dass Brainstorming schlecht funktioniert", sagt auch Wolfgang Stroebe von der Universität Utrecht, einer der führenden Experten zu dem Thema.

Der Grund: In interagierenden Gruppen bringen sich häufig nicht alle gleichermaßen ein. Hinzu kommt die Sorge, etwas Dummes zu sagen. Das Hauptproblem aber ist, dass die Gruppenmitglieder sich gegenseitig blockieren. „Eine Folge davon, dass jeweils nur ein Mitglied das Wort ergreifen kann“, meint Stroebe. Rainer Holm-Hadulla, Kreativitätsforscher an der Universität Heidelberg, kommt ebenfalls zu dem Schluss: „Falsch verstandenes Brainstorming ohne fachliche Kompetenz hemmt eher die Kreativität, anstatt sie zu stimulieren.“

4 Regeln beim Brainstorming

1. Keine Kritik: Auch eine auf den ersten Blick absurde Idee kann brauchbar sein
2. Wichtig ist das Aufgreifen, Kombinieren und Präzisieren von bereits geäußerten Ideen
3. Quantität ist auf jeden Fall erwünscht
4. Freies Assoziieren und Phantasieren sind erlaubt

Die wesentlich effektivere Brainwriting-Methode

So funktioniert Brainwriting: Mitarbeiter schreiben ihre Vorschläge auf. Anschließend wird der Zettel an den rechten Partner weitergegeben. Dieser kann die Idee lesen, sie erweitern oder etwas ganz Neues vorschlagen. Wenn der Zettel wieder bei seinem Urheber angelangt ist, werden die Ideen ausgewertet.

Soft Skills: Kreativität lässt sich nur bedingt trainieren

 

Wie sieht es mit den anderen Kreativitätstechniken aus? „All diese Methoden, nämlich standardisierte Trainingsprogramme und andere Kreativitätstechniken, haben nicht den durchschlagenden Erfolg gebracht“, sagt der Persönlichkeitspsychologe Ernst Hany. „Kreativität ist nur sehr bedingt trainierbar.“ Und doch ist es möglich, die Kreativität ein wenig zu fördern. Aber nicht durch Kreativitätsseminare, weiß Rainer Holm-Hadulla, sondern durch eine bestätigende Umwelt, also Lob und Anerkennung von anderen.

 

Fleiß, fachliche Expertise, Neugier und Offenheit – das sind die persönlichen Voraussetzungen für kreatives Handeln. Wirklich große Kreative zeichnen sich durch eine starke innere Motivation und Leidenschaft aus. Hinzu kommt eine hohe Frustrationstoleranz, das heißt, sie bleiben auch bei Widerständen produktiv. „Ob eine gute Idee entsteht, hängt aber auch vom Zufall ab“, so Ernst Hany, deshalb rät er: „Man sollte sich ein kreatives Arbeitsumfeld suchen.“ Und in einem sind sich Kreativitätstrainer und -forscher einig: Jeder erfolgreiche Kreative arbeitet methodisch und diszipliniert.

Mindmapping

Das Mindmapping ist eine Technik, die gut geeignet ist, um Ideen zu strukturieren. In der Mitte steht das Thema. Von dort aus erfolgt mit Pfeilen und Linien eine Untergliederung in Teilbereiche des Themas. So werden die Beziehungen zwischen einzelnen Begriffen deutlich. Hilfsmittel sind Farben, Umrandungen und Zeichen.

Kreativitätsfördernde Faktoren

  • Umgebungswechsel: innere Blockaden werden gelöst und neue Reize entstehen
  • Pausen mit ausreichender Sauerstoff- und Wasserzufuhr
  • Pragmatismus, also Dinge anpacken und Ideen „drauflos“ entwickeln
  • Wichtig für den Einzelnen und für die Unternehmensführung: Kreativität erfordert Fehlertoleranz! Fehler sind wichtige Elemente jedes Arbeitsprozesses

Verbesserung der Kreativitätskultur

Zur Ausgangsfrage, wie Kreativität ins Arbeitsleben der Deutschen zurückgeholt werden kann, antwortet Holm-Hadulla: „Kreativitätskultur im Unternehmen kann nur verbessert werden, indem Achtsamkeit für individuelle Rhythmen entwickelt wird. Dazu gehört gegebenenfalls auch ein kurzer Mittagsschlaf. Am besten gehen Führungskräfte mit gutem Beispiel voran, indem sie individuelle Stärken bestätigen und jeden Mitarbeiter an seinem Platz wertschätzen.“

Fazit: Kreativität lässt sich durch Kreativitätstechniken nicht wirklich trainieren. Sie hängt von der Persönlichkeitsstruktur und vom Arbeitsumfeld ab. Denn das Problem ist nicht, dass es zu wenige kreative Begabungen oder zu wenig Methodenwissen gibt, sondern dass vorhandene Kreativität oft gehemmt wird.

Diskussion in der Community

Setzen Sie an Ihrem Arbeitsplatz Kreativitätstechniken wie Brainstorming oder Mindmapping ein? Und glauben Sie, dass man Kreativität lernen oder zumindest fördern kann? Berichten Sie uns über Ihre Erfahrungen mit Kreativitätstechniken in der Community-Gruppe „Spotlight on Jobs & Careers“!

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Autorin: Miriam Moser

März 2013

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