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Zwischen Hungerlohn und Auskommen – Ein Blick auf das Lehrergehalt in Deutschland und weltweit

Lehrerinnen und Lehrer überall auf der Welt haben eines gemeinsam: eine besonders große Verantwortung für die Zukunft junger Menschen. Wie aber sieht es mit einer gerechten Bezahlung aus? Die extremen Unterschiede beim Lehrergehalt bereiten vor allem den ärmeren Ländern große Sorgen.

Als Pädagoge hat man einen besonders anspruchsvollen Beruf: Man soll Kompetenzen und Wissen vermitteln, zur Persönlichkeitsentwicklung von Schülerinnen und Schülern beitragen, den Schulalltag managen, Eltern und Kinder beraten. Lehrer sind wichtige Bezugspersonen und häufig auch Vorbilder. Doch wenn es um die gerechte Bezahlung geht, sieht es beim Lehrergehalt in einigen Ländern düster aus.

Studien zeigen: Lehrergehalt in Deutschland im oberen Drittel

Lehrer in Deutschland verdienen besser als viele ihrer Kolleginnen und Kollegen in Europa. Doch sie müssen auch mehr Unterrichtsstunden absolvieren und betreuen häufig größere Klassen als Pädagogen in anderen Ländern. Laut einer Vergleichsstudie der EU-Kommission aus dem Jahr 2011 verdient ein Grundschullehrer in Deutschland zwischen 38.200 Euro und 51.400 Euro im Jahr. Doch die Bezahlung ist abhängig vom Berufsalter. In der Mittelstufe sind es zwischen 42.200 und 57.900 Euro, in der Oberstufe zwischen 45.400 und 64.000 Euro. Mehr ist es in Luxemburg: Hier kommt ein Lehrer auf ein Jahresgehalt von bis zu 101.500 Euro. Schlusslicht ist Bulgarien mit einem durchschnittlichen Verdienst von mageren 4.300 Euro im Jahr – ein Hungerlohn.

Schaut man auf den jährlichen OECD-Länderüberblick über die weltweite Entwicklung in den wichtigsten 34 Industrienationen, so zeigt sich, dass deutsche Lehrer gemessen an ihrer Bezahlung im oberen Drittel stehen. Das Anfangsgehalt einer Lehrkraft im Primarbereich liegt bei 46.456 US-Dollar jährlich – im OECD-Durchschnitt sind es nur 28.523 US-Dollar. Das höchste Lehrergehalt, das man als Grundschullehrer in Deutschland erzielen kann, sind laut OECD-Länderüberblick 61.209 US-Dollar jährlich – hier liegt der OECD-Durchschnitt bei 45.100 US-Dollar.

In den USA ist die Frage, ob man als Lehrer ausreichend verdient, abhängig vom Abschluss. Mit einem Bachelor-Abschluss reicht es kaum zum Leben, Lehrer beginnen mit einem Jahresgehalt von 35.000 US-Dollar und kommen nicht umhin, sich nebenbei etwas dazu zu verdienen. Das beschreibt eindrucksvoll der Beitrag „The Post Grad ‚Master’s Bump‘ for Teachers“ von Evelyn Rogers.

Sprachlehrer als Honorardozenten sind besonders schlecht bezahlt

Die positiven Verdienstmöglichkeiten für fest angestellte oder verbeamtete Pädagogen in Deutschland gelten allerdings nicht für Lehrer, die als Honorardozenten freiberuflich arbeiten: Das sind besonders häufig Sprachlehrer, etwa für Deutsch als Fremdsprache, die in den Integrationskursen von Weiterbildungseinrichtungen unterrichten. Sie bekommen als Lehrergehalt rund 15 Euro pro Stunde – brutto. Und das, obwohl sie ein abgeschlossenes Studium und Zusatzqualifikationen vorweisen müssen.

Die EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend, Androulla Vassiliou fordert, dass „die Gehälter und Arbeitsbedingungen von Lehrkräften höchste Priorität genießen, damit der Beruf für die Besten attraktiv ist und bleibt. Doch nicht nur das Gehalt macht den Beruf für die besten Lehrkräfte attraktiv. Wichtig sind auch gut ausgestattete Klassenräume und dass die Lehrkräfte bei der Modernisierung der Lehrpläne und bei Bildungsreformen mitreden dürfen.“

Ein Problem für den Nachwuchs in Europa sind die relativ niedrigen Einstiegsgehälter: Denn erst nach durchschnittlich 15 bis 25 Jahren rücken Lehrkräfte in die höchste Gehaltsstufe vor. So sorgen sich Lehrerverbände, dass deswegen viele junge Menschen keine Lust auf den Lehrberuf haben. Auch wenn das Lehrergehalt zu Beginn der Karriere eher gering ist, so erreichen in vielen europäischen Ländern die meisten Lehrer durch Zulagen für Überstunden oder Sonderaufgaben doch beinahe einen Lohn, der der höchsten Grundgehaltsstufe in ihrem jeweiligen Land entspricht. Zu diesen Ländern zählen zum Beispiel Dänemark, Litauen, Polen, die Slowakei, Finnland, England und Wales.

Lehrergehalt: Schlechte Bezahlung und wenig Anerkennung in Entwicklungsländern

„Ich möchte der nächsten Generation Wissen weitergeben, um die soziale Entwicklung in meinem Land voranzutreiben“, schreibt die Lehrerin Ouk Chhayavy aus Kambodscha in einer Publikation des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zur Globalen Bildungskampagne. Doch sobald man das Lehrergehalt betrachtet, folgt die Ernüchterung: In Niger etwa verdienen Pädagogen nur knapp 100 Euro im Monat, und das eher unregelmäßig, da die Auszahlungsstelle, bei der sich die Lehrer ihr Geld abholen, nur schwer erreichbar ist.

Bei so schlechter Bezahlung wundert es nicht, dass es zu wenige Lehrer gibt. Weltweit fehlen bis zum Jahr 2015 rund 1,7 Millionen Lehrerinnen und Lehrer. Am schlimmsten ist es in den ländlichen Gegenden der armen Länder. Allein in Afrika fehlen eine Million Lehrer. Das belegen die Zahlen des UNESCO-Statistikinstituts. Hinzu kommen noch die Pädagogen, die benötigt werden, um aus dem Beruf ausscheidende Lehrkräfte zu ersetzen. Dann erhöht sich die Zahl um weitere 5,1 Millionen, heißt es in dem Bericht weiter.

August 2013

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Kommentare

Alumniportal Redaktionsteam
4. April 2014

Liebe Alumni,

auch in der Community wird lebhaft über die Frage diskutiert, ob Lehrer angemessen bezahlt Werden - klicken sie auf den Link am Ende des Artikels und diskutieren Sie mit!

Ihre

Alumniportal-Redaktion

MARIA MANUELA COLINDRES PAZ
12. März 2014

EN MÉXICO HACE FALTA GENERAR NUEVAS PLAZAS ACADÉMICAS, POR LO REGULAR LAS PERMANENTES DIFÍCILMENTE SE DESOCUPAN. NO ESTA TAN MAL PAGADO EL SALARIO DE LOS MAESTROS A NIVEL PUBLICO, PERO EN EL PRIVADO SOLO PAGAN POR HORA, ES ARBITRARIO Y POCAS VECES HAY PRESTACIONES. FALTA MEJORAR LA INFRAESTRUCTURA Y ADQUIRIR E INCLUIR EN LA ENSEÑANZA MAS TIC'S. PERO NO SIEMPRE SE VALORA Y APOYA LA LABOR DE LOS MAESTROS Y CLARO NO TODOS TIENEN VERDADERA VOCACIÓN.

Helen Zhuravel
7. Dezember 2013

In der Ukraine ist Lehrberuf sehr niedrig bezahlt.
Das Gehalt des Lehrers, der 15 ader 20 Jahre in der allgemeinbildenden Schule gearbeitet hat, beträgt meistens 240 Dollars pro Monat.
Ich bin Deutschlehrerin
Mir gefallt meine Arbeit als Lehrerin sehr aber ich muss auf Videoeditorin umschulen, weil mein Lohn nach Uni in der Schule100 Dollars pro Monat beträgt. Zum Glück sind im unseren Land viele qualifizierte Lehrer und Lehrerinnen.

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