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Karriere machen und sich für Nachhaltigkeit engagieren: Das deutsche Unternehmen Mobisol in Ostafrika

Das Handy aufladen, im Dunkeln noch Hausaufgaben machen oder ein Buch lesen – Dinge, die in den ländlichen Gebieten Ostafrikas nicht selbstverständlich sind. Viele Menschen dort haben keinen Zugang zu Elektrizität. Unter dem Motto „Plug in the World“ will die Mobisol GmbH das ändern. Das Unternehmen aus Berlin bietet vielen Menschen in Ruanda, Tansania und jetzt auch in Kenia die Möglichkeit, Karriere zu machen und sich für Nachhaltigkeit zu engagieren.

„Wir möchten möglichst vielen Menschen aus der ostafrikanischen Provinz den Zugang zu Elektrizität ermöglichen“, sagt Johannes Sieland, Personalchef von Mobisol am Stammsitz des Unternehmens in Berlin. Mit dieser „Mission“ – wie Sieland sie nennt – ist Mobisol ziemlich erfolgreich. 2010 mit einem Pilotprojekt gestartet, beschäftigt das Unternehmen inzwischen weltweit über 600 festangestellte Mitarbeiter, hundert davon in Deutschland, etwa 500 in Ostafrika.

Das Geschäftsmodell von Mobisol funktioniert wie folgt: Ein potenzieller Kunde informiert sich in einem unternehmenseigenen Verkaufsladen, den „Mobishop“. Dort wird ihm eine Solaranlage angeboten, die auf seinem eigenen Dach zur autonomen Stromversorgung montiert werden kann. Außerdem können Kunden hier aus einer Reihe von Geräten wie Lampen, Fernseher oder Radios auswählen, die für die Nutzung mit Solarstrom optimiert sind. Die Geräte und Anlagen stammen aus Fertigungen in Deutschland und China.

„Die meisten Menschen in den abgelegenen Regionen produzieren auf diverse Arten Strom, etwa durch Generatoren, das ist aber meistens nicht sehr umweltfreundlich und für sie oft auch teuer“, sagt Sieland. Durch die Anlage wird der zuverlässige Zugang zu Elektrizität ermöglicht und außerdem eine saubere Energiequelle genutzt, die fossile Brennstoffe wie Diesel oder Kerosin ersetzt.

Video: Mobisol – plug in the world! (englisch)

„In unseren Shops und durch unsere freiberuflichen Verkäufer findet immer eine gründliche Beratung des Kunden statt“, sagt Sieland. „Wir fragen ihn zunächst, wie und wozu er den Strom nutzen möchte. Außerdem wird die Frage geklärt, ob der Kunde sich unsere Anlage überhaupt leisten kann.“ 500 bis 1.000 US-Dollar kostet die Solaranlage. Sie wird dem Kunden komplett geliefert und installiert, bezahlen muss er sie innerhalb von drei Jahren in Raten – ganz bequem über sein Handy. Nach drei Jahren nutzt er die Energie also kostenlos.

„Unser Modell beinhaltet eine Mikrofinanzierung. Wir gehen immer in volle Vorleistung“, sagt Sieland. Der Mikrokredit, den Mobisol mit dem Verkauf seiner Solaranlage gewährt, ist Teil der Strategie. „Im Idealfall helfen wir unseren Kunden mit unseren Produkten ein eigenes Geschäft mit Solarstrom zu versorgen, um damit seine Familie zu ernähren.“ Johannes Sieland kann bereits viele solcher Beispiele aufzählen: Jemanden, bei dem das ganze Dorf seine Mobiltelefone gegen eine kleine Gebühr aufladen darf oder jemanden, der seinen selbst gewonnen Strom für den Betrieb eines Friseursalons nutzt.

Ausbildung von lokalen Kräften an der eigenen Akademie

Mit dem Verkauf einer Solaranlage geht Mobisol eine Verpflichtung ein: „Während der ersten drei Jahre ist der Kunde selbst bei technischen Problemen nie länger als 48 Stunden ohne Strom.“ Installation und Wartung der Anlagen werden also gesichert. Dafür bildet Mobisol an seiner eigenen Akademie lokale Kräfte im Vertrieb und technischen Service aus.

Die Akademie von Mobisol hat in den ostafrikanischen Regionen eigene Standorte. Die Trainer sind immer lokale Kräfte, die selbst eine Weiterbildung an der Akademie durchlaufen haben. Die Teilnehmer absolvieren ein zweiwöchiges theoretisches und praktisches Trainingsprogramm. Je nach gewünschter Qualifikation kann sich daran noch ein weiteres Ausbildungsmodul anschließen. Absolventen der Akademie arbeiten danach auf Provisionsbasis als Verkäufer der Produkte von Mobisol oder auf Honorarbasis als Techniker für Installation und Wartung.

„Dieses Angebot wird manchmal auch als zweites Standbein genutzt“, erzählt Johannes Sieland. „Einige unserer freiberuflichen Mitarbeiter haben noch eine andere Beschäftigung, beispielsweise in der Landwirtschaft.“ Ein Studium oder Vorkenntnisse sind für eine Ausbildung in der Akademie von Mobisol übrigens nicht erforderlich. „Durch die Akademie bringen wir Wissen und damit mittelfristig wirtschaftliche Entwicklung und gesteigerte Produktivität in die ostafrikanischen Regionen“, erklärt Johannes Sieland.

Markteinstieg in Kenia im September 2016

Bisher war Mobisol in Tansania und Ruanda präsent. Insgesamt 500 Menschen arbeiten in diesen beiden Ländern als Freiberufler für Mobisol. In Tansania gibt es inzwischen über 30 Mobishops, in Ruanda sind es zehn. Mehr als 60.000 Solarsysteme hat Mobisol bereits in Tansania und Ruanda verkauft und damit 300.000 Menschen den sicheren Zugang zu Elektrizität ermöglicht.

Nun hat Mobisol auch den Markteintritt in Kenia vollzogen. Im Westen des Landes, in Kakamega, wurde am 27. September 2016 der erste Mobishop eröffnet. „Wir suchen uns meist ländliche Regionen für den Markteintritt aus, um möglichst nah bei unseren Kunden zu sein“, erklärt Sieland die Standortwahl.

Mobisol hat große Pläne für Kenia: „Momentan beschäftigen wir in Nairobi 25 festangestellte Mitarbeiter, bis zum Ende des Jahres sollen es bereits doppelt so viele sein – und das ist erst der Anfang“, sagt Sieland. Natürlich müsse man erst den Verlauf abwarten, Johannes Sieland geht aber davon aus, dass Mobisol auch in Kenia in den nächsten Jahren über 20 Mobishops unterhalten und mehrere hundert Mitarbeiter beschäftigen wird.

Viele neue Jobs für Akademiker und Quereinsteiger

„Wir bieten in Kenia von Anfang an Jobs an, über alle Berufsgruppen und Ausbildungsniveaus hinweg“, sagt Sieland. Nach seinen Worten sollten Bewerber für eine Festanstellung bei Mobisol folgende Eigenschaften mitbringen:

  • Entscheidungsfreude
  • Spaß daran haben, neue Dinge auszuprobieren
  • Neugierde
  • Zupacken können
  • Multikulturelle Kompetenz – bei Mobisol arbeiten Menschen aus über 20 verschiedenen Nationen
  • Sehr gute Kenntnisse der Landessprache und gute Englischkenntnisse
  • Außerdem ist Berufserfahrung erwünscht, ist aber kein Ausschlusskriterium.

„Niemand, der sich für eine Stelle bei Mobisol interessiert, muss Angst haben, sich zu bewerben.“ Sieland verspricht ein „Training on the Job“ und Weiterbildungen. „Natürlich haben wir auch eine Reihe von Positionen, für die Praxiserfahrung und eine berufliche oder akademische Qualifikation Voraussetzung ist. Wir gehen aber davon aus, dass ein Kenianer seinen Heimatmarkt viel besser versteht als wir. Und wenn er oder sie dann auch noch Lust hat, den Menschen hier eine bessere Lebensqualität zu ermöglichen und die wirtschaftliche und soziale Entwicklung zu fördern, nehmen wir gern die Bewerbung entgegen.

Gerade für Deutschland-Alumni dürften die Ziele von Mobisol in Sachen Nachhaltigkeit interessant und leicht zu teilen sein. Zeigt doch die Erfahrung, dass die Nutzer des Alumniportals Deutschland überdurchschnittlich engagiert sind – für gesellschaftliche und soziale Themen genauso wie für Themen, die den Umweltschutz betreffen.

Autorin: Verena Striebinger

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Oktober 2016

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Kommentare

Isabel de Almeida e Sousa
6. Oktober 2016

Seit lange Zeit versuche ich mit zu bekommen was sich an Sonnenanlagen der Markt anbietet. Die saubere Energie ist¨überall in der Welt dringend nötig. Ich bin Portugiesin und spreche Portuguiesich als Muttersprache, und habe das niveau C2 auf Deutsch. Bin mein Lebenlang Übersetzerin und Deutschlehrerin.
Ich wohne in Lissabon, Portugal. Gerne würde ich in diesen Projekt einsteigen.

KURT FEDERICO RÜGER
5. Oktober 2016

Der Erfolg dieses projektes in Afrika ist beeindruckend. Das Aufladen der Handies steigert die Nutzung dieses Werkzeuges zur Förderung der Komunikation und somit der Möglichkeiten zur Bildung und Besserung der Lebensbedingungen der isolierten und armen "communities".
Für Brasilien sehe ich da eine Gelegenheit im Amazonas- Einzugsgebiet. Die weit verstreuten Einwohner haben meistens kleine Benzin-Agregate zur Verstromung, da auch Benzin für die Boote zur Fischerei und Transport benötigt wird. Die Distanzen und somit die Kosten sind sehr hoch und begrenzen die Nutzung sehr.
Falls bei Mobiso Interesse besteht hier eine neue Front aufzubauen, bin ich an einer Beteiligung an so einem Projekt interessiert.
Kurze Selbsdarstellung: Kurt Federico Rüger, Jahrgang 1933, Dipl Ing der Verfahrentechnik, Master in Umweltsanierung, Inhaber der Consultingfirma ECOTECH.

Andreas Macht
5. Oktober 2016

Mich würde interessieren, wie das Unternehmen mit der Mikrofinanzierung in Vorleistung tritt. Ich lebe in Kenia seit vielen Jahren und ich weiß, dass die Menschen hier "von der Hand in den Mund" leben. Aber eine "Verschuldung" bis zu 1.000 USD zur Anschaffung einer Solaranlage? Auf über drei Jahre, das halte ich für sehr gewagt. So viel Geld sehen die meisten Menschen auf dem Land im ganzen Leben nicht. Für eine Woche Kerosinlampe aufladen zahlen sie nur 50 ct. Daher kann die Kundschaft wiederum nur die "Upper Class" sein im ländlichen Kenia, die einigermaßen geregelte Einkommen haben.
Wie wäre es mit der Einführung einer "Patenschaft"? Nach dem Motto "Spende xxx EUR für eine Familie in Kenia - damit auch diese Zugang zu nachhaltigem Strom hat".
Das Geschäftsmodell Kunden zu Franchise-Nehmern zu machen finde ich jedoch gut.

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