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Welche Art der Promotion hilft der Karriere am meisten?

In Deutschland führen viele Wege zum Doktortitel. Doch wer in der Wissenschaft bleiben möchte, sollte genau überlegen, wie er promoviert. Denn die Startchancen für eine wissenschaftliche Karriere sind höchst unterschiedlich – je nach Art der Promotion.

Macht es für meine spätere Karriere einen Unterschied, ob ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter, mit Stipendium, im Rahmen eines Promotionsprogramms oder „frei“ promoviere? Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW)  in Hannover sind dieser Frage nachgegangen und meinen: Ja, das tut es. Vorgestellt haben sie ihre Ergebnisse in der Studie „Gekommen, um zu bleiben? Die Promotion als Wegbereiter wissenschaftlicher Karrieren“.

Woher kommen die Daten?

Die Forscher konnten für ihre Untersuchung auf einen kleinen Datenschatz zurückgreifen: das Promoviertenpanel des DZHW. Für diese neue, bundesweit repräsentative Panelstudie hatte das DZHW mehr als 28.000 Promovierte angeschrieben, die 2013/14 in Deutschland ihren Doktor gemacht haben. Fast jeder Fünfte nahm an der Untersuchung teil. An der zweiten Befragungswelle im Jahr 2016 beteiligten sich rund 3.200 Promovierte.

Was wurde in der Studie untersucht?

Die Wissenschaftler untersuchten, wie viel Unterstützung die Befragten während ihrer Promotion erhalten hatten – unter anderem dabei, Fachartikel zu veröffentlichen, an Tagungen teilzunehmen, im Ausland zu forschen oder ein wissenschaftliches Netzwerk aufzubauen. Denn dies alles sind entscheidende Voraussetzungen für eine künftige Karriere in der Wissenschaft. Die Ergebnisse wurden dann mit dem jeweiligen Promotionstypen abgeglichen, also ob die Befragten zum Beispiel ein Stipendium erhalten hatten oder als wissenschaftliche Mitarbeiter promovierten. Die Wissenschaftler betrachteten außerdem, wer kurz nach seiner Promotion in der Wissenschaft bleiben wollte und wer dies nach zwei Jahren tatsächlich noch war.

Details zur Studie

In der Studie „Gekommen um zu bleiben? Die Promotion als Wegbereiter wissenschaftlicher Karrieren“ von Steffen Jaksztat, Gesche Brandt, Susanne de Vogel und Koja Briedis wurden Absolventen gefragt, welche karriererelevante Unterstützung sie während ihrer Promotion erhielten und wie sie diese in verschiedenen Bereichen einschätzten:

  • Überprüfung der eigenen Forschung durch regelmäßige Diskussion
  • Publizieren von Fachartikeln
  • Teilnahme an Tagungen
  • Forschungsaufenthalte im Ausland
  • Beteiligung an der Hochschullehre
  • praktische Anwendbarkeit der eigenen Forschung
  • Aufbau eines eigenen wissenschaftlichen Netzwerkes

Dabei kam es zu deutlichen Unterschieden zwischen den verschiedenen Promotionsformen.

Die Wissenschaftler überprüften auch, wie sich diese Unterstützung tatsächlich auswirkte. Dafür wurden die für die jeweilige Unterstützung typische Erfolge erhoben:

  • Anteil der Promotionen mit der Bestnote „summa cum laude“
  • Anzahl der Peer-Review-Artikel
  • Anzahl der Tagungsbesuche
  • Anteil der Personen mit Auslandsforschungserfahrung
  • Anteil der Personen mit Lehrerfahrung
  • Anteil der Personen mit Berufspraxis außerhalb der Wissenschaft
  • Einschätzung der Größe des eigenen wissenschaftlichen Netzwerkes

Nicht immer hatten jene Promovierten, die sich am besten unterstützt fühlten, auch die besten Resultate vorzuweisen. Es zeigt sich aber, dass eine gute Unterstützung bei der Veröffentlichung wissenschaftlicher Artikel, beim Besuch von Tagungen und bei der Beteiligung an der Lehre die besten Ergebnisse hervorbringt.

Ergebnisse: Wissenschaftliche Mitarbeiter bekommen die beste Unterstützung

Die Studie zeigt, dass die Doktoranden mit einer engen Anbindung an eine Hochschule oder ein Forschungsinstitut bessere Ergebnisse in den entscheidenden Bereichen erzielen. Wer während seiner Promotion als wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt war, konnte sich über die meiste Unterstützung bei der Veröffentlichung von Artikeln oder dem Besuch von Tagungen freuen. 

Jene Doktoranden, die in einem strukturierten Programm promovierten, bekamen hingegen besonders viel Unterstützung für Forschungsaufenthalte im Ausland und für den Aufbau von Netzwerken im jeweiligen wissenschaftlichen Fachbereich.

Frei Promovierende haben es schwerer

Die geringste Förderung erhielten in fast jeder Hinsicht  und mit großem Abstand die „freien“ Doktoranden, also diejenigen ohne institutionelle Anbindung. Lediglich beim Thema Praxisbezug  fühlten sie sich vergleichbar gut unterstützt wie die anderen. 

Die Bestnote für die Promotion „summa cum laude“ bekamen dann auch mit 30 Prozent am häufigsten die wissenschaftlichen Mitarbeiter, die an einem Lehrstuhl einer Hochschule arbeiteten. Von den frei Promovierenden schafften das nur sieben Prozent.

Konsequenzen für die Karriere

Es ist somit nicht verwunderlich, dass nur 15 Prozent der frei Promovierten nach zwei Jahren noch in der Wissenschaft arbeiteten. Bei allen anderen liegt der Anteil zwischen 41 Prozent und 44 Prozent. 

Wer also eine langfristige Tätigkeit in der Wissenschaft anstrebt, sollte sich besonders um eine Promotionsstelle mit institutioneller Anbindung bemühen. Besonders wichtig für eine wissenschaftliche Karriere ist dabei, dass die Doktoranden schon während der Promotion eng in die „Scientific Community“ eingebunden werden.

Autorin: Sabine Giehle

Community-Diskussion über Promotion und Karriere

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Wurden Sie bei Ihrer Promotion unterstützt und konnten währenddessen ein wissenschaftliches Netzwerk aufbauen? Wie beeinflusste die Art der Promotion Ihre Karriere und Ihre Berufswahl? Schreiben Sie uns von Ihren Herausforderungen und Erfolgen als Promovierende in der Community-Gruppe „Studium, Forschung und Bildung“! 

Januar 2018

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