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Die Zukunft der Arbeit – Herausforderungen für das Bildungssystem

Die Prognosen über die Arbeitswelt der nahen Zukunft sind oft düster. Weltweit könnten bis zum Jahr 2030 theoretisch bis zu 50 Prozent der Arbeitsaktivitäten automatisiert werden. Zu dieser Einschätzung kommt das McKinsey Global Institute in einer 2017 veröffentlichten Studie zur Veränderung der Arbeitswelt.

Auch andere Untersuchungen zeigen in diese Richtung, zum Beispiel die viel diskutierte Veröffentlichung über die Zukunft der Arbeit der Ökonomen Carl Benedikt Frey und Michael A. Osborne aus dem Jahr 2013. Die Vormacht der Algorithmen am Arbeitsplatz scheint nicht länger nur ein Science-Fiction-Thema zu sein.

Das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung relativierte im Jahr 2018 diese Auffassungen. In einer Pressemeldung mit dem Titel „Arbeit wandelt sich – geht aber nicht aus“ begründete die geschäftsführende Ministerin Johanna Wanka diese Sichtweise. Nach ihrer Einschätzung kann der Mensch den Wandel der Arbeitswelt selber gestalten – Bildung und Forschung sind der Schlüssel dafür.

Digitalisierung im Fokus der Bildung

Die Digitalisierung hat unser Leben und unsere Arbeit bereits rasant verändert. Alles spricht dafür, dass dies in Zukunft noch mehr der Fall sein wird. Unterschiedliche Einschätzungen bestehen nur darüber, wie schnell und weitreichend diese Veränderungen sein werden. Es bleibt auch ungewiss, welche gesellschaftlichen Umbrüche der technologische Wandel nach sich ziehen wird.

Auf Initiative der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ging die Kommission Arbeit der Zukunft diesen Fragen nach. Die daraus resultierenden Denkanstöße sind in der Broschüre „Arbeit transformieren!“  zusammengefasst. Darin wird hervorgehoben, dass die Gestaltung von Arbeit, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, einen wesentlichen Beitrag zum Zusammenhalt der Gesellschaft und zur Stärkung der Demokratie leistet.

Kernkompetenz Menschlichkeit

Die Plattform Zukunft der Arbeit der deutschen Bertelsmann Stiftung befasst sich ebenfalls mit diesen Gesichtspunkten. So wird etwa die Frage aufgeworfen, welche Formen der Beschäftigung zukünftig überhaupt noch als Arbeit bezeichnet und wie diese entlohnt werden. Dort findet sich auch die Aufforderung an alle, deren Berufsfelder von der Digitalisierung betroffen sind, sich in Zukunft auf die Kernkompetenz als Mensch zu spezialisieren. Das scheint im Widerspruch zu einer Bitkom-Studie zu stehen, die der Digitalverband Deutschlands im Herbst 2017 veröffentlichte. Demnach würde neben sozialer und fachlicher Kompetenz mehrheitlich bereits Digitalkompetenz als neue grundlegende Fähigkeit angesehen werden.

Unbestritten bleibt dabei jedenfalls: Den Bildungssystemen fällt nicht nur die Aufgabe zu, möglichst alle Schichten der Bevölkerung für die digitale Zukunft der Arbeit fit zu machen. Genauso wichtig wird es sein, dass dabei die Fähigkeit bewahrt wird, als Mensch und soziales Wesen zu handeln.

Digitalisierung in der Hochschulbildung – auch ein Anliegen der Wirtschaft

„Es scheint, als müssten wir alle programmieren lernen, um den Algorithmen nicht hilflos gegenüberzustehen“. Dies ist eine der Folgerungen, zu der die Studie 2050: Zukunft der Arbeit des Millennium Project kommt. Auch der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft spricht sich für mehr Digitalisierung in der Hochschulbildung aus. In der Halbzeitbilanz zum gemeinsam mit der Unternehmensberatung McKinsey herausgegebenen Hochschul-Bildungs-Report 2020 werden acht Empfehlungen ausgesprochen, in welche Richtung sich die Bildungspolitik entwickeln sollte. Gleich die beiden ersten Vorschläge beziehen sich konkret auf den digitalen Wandel:

  • Mehr Informatiklehrer ausbilden.
  • Datenanalysekompetenzen in allen Disziplinen sichern: Data Science an Hochschulen ausbauen.

Die wichtigsten Fähigkeiten, um in der vierten industriellen Revolution erfolgreich sein zu können, hat auch das World Economic Forum in einem 2016 vorgelegten Bericht zusammengefasst. Die ersten drei Fähigkeiten auf dieser Rangliste lauten:

  • Lösen komplexer Probleme
  • kritisches Denken
  • Kreativität (belegte 2015 noch Platz 10)

Nicht nur die Hochschulen stehen vor großen Herausforderungen, um geeignete Rahmenbedingungen für die Arbeit der Zukunft schaffen zu können. Ein wesentlicher Faktor dafür wird auch die beständige Qualifizierung von Beschäftigten sein. Dies ist vor allem für Menschen mit geringer beruflicher Qualifikation von Bedeutung, erklärt Thorben Albrecht in einem Interview des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit. Der ehemalige Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales befasst sich in der Global Commission on the Future of Work der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) mit den Fragen einer sich verändernden Arbeitswelt und betont, dass die Anforderungen an mittlere Tätigkeiten deutlich steigen werden.

Das Bildungssystem muss seine Zielsetzung überprüfen

In der Halbzeitbilanz des Hochschul-Bildungs-Reports 2020 heißt es über das deutsche Hochschulsystem: „Der Wandel hin zu einem digitalen, flexiblen und berufsorientierten System ist noch lange nicht geschafft.“

Auch im Bericht der Kommission Arbeit der Zukunft schreiben die Autoren, dass das Bildungssystem seine Zielsetzungen und Angebote daraufhin überprüfen muss, ob sie den neuen Arbeits- und Lebensbedingungen gerecht werden. Mündige Bürger sollten dabei eine demokratische Gesellschaft aktiv mitgestalten können. Doch dafür müssen alle über die entsprechenden Fertigkeiten verfügen oder – idealerweise schon in der Schule – dazu befähigt werden. Hier gibt es, so lautet das Fazit, im deutschen Bildungssystem noch Nachholbedarf.

Bereit für die Zukunft?

Haben Sie in Deutschland studiert? Denken Sie, dass die deutschen Hochschulen die richtigen Kompetenzen und Fähigkeiten für die digitale Arbeitswelt vermitteln? Und wie gut ist das Bildungssystem in Ihrem Land auf die Zukunft der Arbeit vorbereitet? Teilen Sie uns Ihre Meinung in der Community-Gruppe Studium, Forschung und Bildung mit!

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Autor: Lutz Cleeves/cleevesmedia

Juli 2018

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