Arbeiten für die EU: „Für mich ist es ein Traumberuf“

Fabio Galatioto, Leiter des Personalreferats, Generaldirektion Externe Politikbereiche der Union beim Europäisches Parlament, erzählt von seinem Job und auf was es ankommt, wenn man bei der EU arbeiten möchte.

Herr Galatioto, was genau ist Ihr Job beim Europäischen Parlament?

Als Leiter des Personalreferats der Generaldirektion Externe Politikbereiche der Union leite ich ein Team von Human-Resources-Spezialisten (HR), das für die Unterstützung der Geschäftsführung sowie die Personalpolitik und -verwaltung zuständig ist. Wir befassen uns mit der Einstellung von Neueinsteigern, der Aus- und Weiterbildung, kümmern uns um Praktikantinnen und Praktikanten, aber auch um Logistik und die Organisation von Dienstreisen. 

Was macht die Generaldirektion Externe Politikbereiche der Union?

Die GD ExPo, wie wir sagen, konzentriert sich auf die Außenpolitik und stellt dem Europäischen Parlament hierzu ihr Fachwissen zur Verfügung. Sie gewährleistet die reibungslose Arbeitsweise der parlamentarischen Ausschüsse in den Bereichen Auswärtige Angelegenheiten, Menschenrechte, Sicherheit und Verteidigung, Entwicklung und Internationaler Handel und unterstützt die Arbeit der interparlamentarischen Delegationen und regionalen multilateralen Versammlungen. Darüber hinaus sorgt die GD ExPo für die Organisation und die Nachbereitung der Wahlbeobachtungsmissionen des Europäischen Parlaments und fördert Initiativen für den Dialog mit und die Unterstützung von neuen und aufstrebenden Demokratien. Die GD ExPo hilft dem Europäischen Parlament, die Arbeit der EU auf der internationalen Bühne voranzutreiben und umzusetzen.

Wie viele Menschen arbeiten im Bereich GD Externe Politik?

Bei der Generaldirektion ExPo sind es etwa 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, beim EU-Generalsekretariat insgesamt natürlich viel mehr [Anm. d. Red.: etwa 7.000 Mitarbeiter].

So funktioniert das Europäische Parlament:

Woher kommen Ihre Kolleginnen und Kollegen?

In meinem Team kommen die meisten direkten Kolleginnen und Kollegen aus einem halben Dutzend verschiedener Länder wie Belgien, Lettland, Niederlande und Rumänien. Bei der Generaldirektion würde ich sagen, dass alle EU-Nationalitäten vertreten sind. Darüber hinaus kommen noch einige Kolleginnen und Kollegen mit mehreren Staatsangehörigkeiten sowie Praktikantinnen und Praktikanten aus Nicht-EU-Ländern.

Wenn Sie neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter suchen, was sollten diese mitbringen? Worauf kommt es bei der Bewerbung besonders an?

Qualifikationen, Kompetenzen, aber oft auch die Genauigkeit und Klarheit des Profils sind sehr wichtig. Bei der Bewerbung beispielsweise für ein Praktikum oder im weiteren Auswahlverfahrens ist es neben den Fachkenntnissen, den Sprachen und der Erfahrung wichtig, dass das Engagement des Bewerbers aber auch die Vorstellungen und ein gutes Maß an Anpassungsfähigkeit an unser besonderes Umfeld sichtbar und überzeugend sind.

Wie wichtig ist es für den Job, von der europäischen Idee überzeugt zu sein?

Vielleicht ist diese Überzeugung in den vergangenen Jahren sogar noch wichtiger geworden. Etliche Stimmen – oft nicht gut informiert und vielleicht manchmal auch nicht bereit, die Bürger richtig zu informieren – haben sich in den vergangenen Jahren gegen die EU und manchmal auch gegen ihre Institutionen erhoben, wenn auch selten gegen das Europäische Parlament. Deshalb muss man heute noch mehr an die europäische Idee und die Bedeutung des eigenen Beitrags glauben.

Was sind die generellen Voraussetzungen? Muss man beispielsweise Bürger eines EU-Landes sein?

Die Mindestvoraussetzungen, um sich für ein allgemeines Auswahl- oder Ausleseverfahren zu bewerben und somit für die Besetzung einer freien Stelle zu qualifizieren, sind:

  • die Staatsbürgerschaft eines EU-Landes
  • der Besitz der staatsbürgerlichen Rechte als EU-Bürger
  • die Erfüllung der Verpflichtungen, die sich aus den nationalen Wehrgesetzen ergeben
  • die gründliche Kenntnis einer der offiziellen EU-Sprachen sowie ausreichende Kenntnis einer weiteren Amtssprache

Weitere Informationen zur Bewerbung und zum Auswahlverfahren gibt es auf der Website des Europäischen Amts für Personalauswahl (European Personnel Selection Office, EPSO), jener Einrichtung, die für die Auswahl von Personal für alle Institutionen der EU zuständig ist.

Wie finden Sie es, wenn der Bewerber beziehungsweise die Bewerberin einen Abschluss in European Studies hat? Ist das hilfreich?

Um einen potentiellen neuen Kollegen zu finden, können wir auf eine Datenbank zugreifen, in die Bewerber aufgenommen wurden, die schon einmal erfolgreich ein Auswahlverfahren bestanden haben. Die Wahl eines Bewerbers aus dieser „Reserveliste“, wie wir sie nennen, ist für bestimmte Aspekte eine Art Wette. Aber manche Kriterien sind doch eine Art „Garantie“ für Fachwissen und Engagement – wie zum Beispiel ein Studium der European Studies . Dazu gehören auch einschlägige frühere Erfahrungen zum Beispiel in Praktika. Und vergessen wir nicht die Sprachen!

Wie ist das bei den anderen EU-Organisationen wie zum Beispiel der Europäischen Kommission oder dem Europäischen Auswärtigen Dienst? Gibt es da bestimmte Bedingungen und Voraussetzungen?

Die allgemeinen Voraussetzungen für die Mitarbeiter aller europäischen Institutionen sind in einer Verordnung festgelegt, sodass sie überall gleich sind. So ist es auch möglich, eine Laufbahn in einer Institution zu beginnen und dann zu einer anderen zu wechseln. Nur für ganz bestimmte Stellen kann es besondere Bedingungen geben.

Über Fabio Galatioto

Fabio Galatioto, 47, lebt in Brüssel. Er hat Jura in Rom studiert und erhielt ein Erasmus-Stipendium, das ihn nach Mainz führte. In Saarbrücken machte er anschließend seinen Master of Laws in Europäischem Recht. Zum Europäischen Parlament kam er im Jahr 2000, zunächst als Praktikant, dann als Vertragsbediensteter und später als Beamter. Seit 2019 ist er Leiter des Personalreferats der Generaldirektion Externe Politikbereiche der Union beim Europäisches Parlament.

Wie sind Sie selbst zu Ihrem Job gekommen?

Ich habe ein Praktikum beim Europäischen Parlament gemacht. Während dieses Praktikums habe ich an einem Auswahlverfahren für Rechts- und Sprachsachverständige teilgenommen und bestanden. Die Rechts- und Sprachsachverständigen sind Juristen, die mehrere Sprachen beherrschen und daher in der Lage sind, die Gesetzestexte genau zu überprüfen und zu verbessern. Diese Stelle ist sehr typisch für die Arbeit bei der EU. Später wurde ich Berater eines Generaldirektors. In dieser Funktion begann ich mich mit vielen internen Verwaltungsprozessen zu befassen und mit der Zeit spezialisierte ich mich auf Personalwesen. Vor acht Jahren wurde ich Referatsleiter in der Generaldirektion Personal und wechselte vor anderthalb Jahren zur GD ExPo.

Hat es Ihnen geholfen, dass Sie Erasmus-Student waren?

Eindeutig ja. Und zwar in zweifacher Hinsicht: In einem anderen EU-Land außerhalb der eigenen Komfortzone zu arbeiten, mit Menschen, die nicht unbedingt so reden, denken und handeln wie man selbst, ist unglaublich bereichernd und herausfordernd. Diese Erfahrung als Student über einen überschaubaren Zeitraum zu machen, ist ein guter Test. Ich habe es einfach geliebt. Darüber hinaus ist ein Auslandsstudium natürlich für das Erlernen von Fremdsprachen sehr nützlich.

Was bedeutet es für Sie, für das Europäische Parlament zu arbeiten?

Zunächst ist es für mich mein Traumberuf – ich habe Europarecht studiert. Darüber hinaus ist es die Entdeckung einer beruflichen Welt, die kaum mit einer anderen vergleichbar ist. Sie ist herausfordernd, sehr abwechslungsreich und nie langweilig. Wir unterstützen mit Kompetenz, Fachwissen und gründlicher unparteiischer Arbeit jene Menschen, die wir alle als Vertreter auf europäischer Ebene gewählt haben.

Was würden Sie Deutschland-Alumni empfehlen, die sich für einen Job bei der EU interessieren?

Auch wenn ein Studium und Fremdsprachenkenntnisse (und zwar gut und, wenn möglich, mehr als eine) sowie spezifische technische Fertigkeiten sicherlich notwendig sind, um eine Stelle in einer EU-Institution zu bekommen, so sind doch soziale Kompetenzen, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit ebenfalls sehr wichtig. Der Umgang mit Menschen, die nicht die eigene Sprache sprechen und nicht den gleichen soziokulturellen Hintergrund haben, kann eine Herausforderung sein. Auch kann das Leben (vielleicht sogar mit Familie) in einem anderen Land, die Tatsache, viel reisen zu müssen, um Eltern oder alten Freunde zu sehen, aufregend und bereichernd sein, aber es ist nicht unbedingt für alle einfach. Wenn Sie im Ausland studieren oder ein Praktikum machen, können Sie herausfinden, ob diese Art von Leben zu Ihnen passt und Sie glücklich macht. Und glückliche Kollegen sind die besten Kollegen.

Interview: Sabine Giehle

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September 2020

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