Zukunft der Arbeit: Wir müssen digital fitter werden

Wer sich heutzutage mit Freunden oder Bekannten über die Zukunft der Arbeit unterhält, kommt irgendwann ganz gewiss auch auf die Digitalisierung zu sprechen. Das Thema ist derart präsent, dass manche ein bestimmtes Gefühl beschleicht: Werden etwa überall nur noch IT-Fachleute gesucht, während alle anderen Berufe an Bedeutung verlieren? Werden Jobs künftig nur noch in Technologiebranchen entstehen? Müssen wir deshalb Programmieren lernen, um fit für die Zukunft zu sein?

Um diesen Fragen nachzugehen, lohnt sich zunächst ein Blick auf die Entwicklungen am Arbeitsmarkt und auf Prognosen von Expertinnen und Experten zur Zukunft der Arbeit. Die bisherige Erfahrung zeigt einerseits, dass der technologische Fortschritt dazu beiträgt, dass Jobs verschwinden. Andererseits entstehen dadurch auch neue Jobs. Vor der Corona-Krise hat die Beschäftigung aufgrund der Technologieentwicklung sogar zugenommen – wobei das nicht in allen Ländern und auch nicht in allen soziodemographischen Gruppen der Fall war.

Neue Berufsbilder

Grundsätzlich wird die Automatisierung viele Berufe verändern. Am stärksten betroffen sind Tätigkeiten im Büro, im Verkauf und Handel, im Verkehrssektor und der Logistik, der Fertigungsindustrie und Konstruktion. Die Automatisierung wird außerdem einen starken Einfluss auf Tätigkeiten in einigen Dienstleistungssektoren haben, beispielsweise im Bereich Finanzen, Übersetzung und Steuern. Die Tätigkeiten in diesen Bereichen haben eines gemeinsam: Routineaufgaben mit klaren Abläufen spielen eine große Rolle, Technik kann diese deshalb leicht übernehmen.

Am wenigsten betroffen sind hingegen Jobs mit kognitiv anspruchsvollen und kreativen Aufgaben und sozialer Interaktion. Sie sind tendenziell in folgenden Branchen zu finden: Bildung und Wissenschaft, Gesundheitswesen, Soziale Arbeit, Kunst und Medien, Unternehmensführung, juristische Dienste, Ingenieurwesen und Informatik.

Einerseits werden also Jobs verlorengehen. Andererseits werden durch die Digitalisierung aber auch viele neue Berufsbilder entstehen. Gefragt sind Datenanalysten und Datenarchitekten, Spezialisten für Vernetzung und künstliche Intelligenz sowie Konstrukteure von neuen intelligenten Maschinen, Robotern und 3D-Druckern. Für all diese Berufe ist ein komplexes Bündel mit Fähigkeiten aus verschiedenen Bereichen vonnöten, wie etwa der Informatik, Statistik und Betriebswirtschaft.

Gleichzeitig sind Jobs auf dem Vormarsch, für die keine Spezialkenntnisse nötig sind. Treiber für diese Entwicklung sind digitale Plattformen. Hier finden Auftraggebende und Leistungserbringende, bekannt auch als Crowdworkerinnen und Crowdworker, zusammen. Sie arbeiten nur für ein bestimmtes Projekt zusammen. Auf diese Weise arbeiten immer mehr Menschen nicht mehr in Standardarbeitsverhältnissen, sondern als Selbstständige.

Die Digitalisierung verändert darüber hinaus, wie wir arbeiten. So findet etwa Bildungsarbeit seit der Corona-Pandemie fast ausschließlich in digitaler Form statt. Im Gesundheitswesen wird immer mehr in Lösungen investiert, die auf künstlicher Intelligenz basieren. Sie könnten dazu führen, dass Ärztinnen und Ärzte künftig weniger frei entscheiden können, wie eine Behandlung aussehen soll.



Welche Fähigkeiten wir in der Zukunft benötigen

Wie in der Bildungsarbeit und im Gesundheitswesen werden künftig in fast jedem Beruf digitale Tools zum Einsatz kommen – und das verlangt neue Fähigkeiten. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hat in Kooperation mit Unternehmen ein sogenanntes Future-Skills-Framework definiert. Es enthält die Fähigkeiten, die in den nächsten fünf Jahren für das Berufsleben und/oder die gesellschaftliche Teilhabe deutlich wichtiger werden.

Zum einen geht es dabei um technologische Fertigkeiten. Damit sind die Fähigkeiten gemeint, die man benötigt, um transformative Technologien zu gestalten. Dazu zählt beispielweise die Fähigkeit zur Analyse komplexer Daten, also etwa die Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Auch Web-Entwicklung, nutzerzentriertes Design oder die Entwicklung von Blockchain-Technologien gehören dazu.

Zum anderen werden digitale Grundfertigkeiten wichtiger. Damit sind Fähigkeiten gemeint, durch die Menschen in der Lage sind, sich in einer digitalisierten Umwelt zurechtzufinden und an ihr teilzunehmen. Dazu zählen beispielsweise das digitale Lernen und die Fähigkeit zum gemeinsamen (kollaborativen) Arbeiten. Auch der sichere Umgang mit Daten im Netz (Digital Literacy) zählt zu diesen Grundfähigkeiten.

Die dritte Kategorie an Fähigkeiten, die künftig wichtiger werden, sind nicht-digitale Schlüsselkompetenzen. Damit sind Kompetenzen und Eigenschaften gemeint, die künftig aus Sicht der Unternehmen im Arbeitsleben an Bedeutung gewinnen. Dazu gehört die Fähigkeit, Probleme zu lösen, sowie Kreativität und Durchhaltevermögen. Und auf diese wird es künftig ankommen. Die Fähigkeit zu Kreativität und Phantasie sei die „wichtigste menschliche Schlüsselqualifikation der Zukunft“, heißt es in der Zukunftsstudie „Leben, Arbeit, Bildung 2035+“ der Bertelsmann Stiftung.

Digitale Grundfähigkeiten erwerben, ein Leben lang lernen

Zusammenfassend lässt sich also feststellen: Die Digitalisierung wird alle Berufe beeinflussen. Deshalb müssen wir digital fitter werden. Wir müssen zwar nicht alle in Zukunft programmieren können. An digitalen Grundfähigkeiten führt jedoch kein Weg vorbei.

Angesichts der Entwicklungen durch die Digitalisierung müssen wir uns im Klaren sein, dass wir nicht unser ganzes Leben lang die gleichen Tätigkeiten ausüben werden, auch wenn wir im gleichen Beruf bleiben. Wir müssen uns also darauf einstellen, uns immer weiterzuentwickeln. Um Schritt mit der Digitalisierung zu halten, werden kürzere Lernzyklen in verschiedenen Lebensphasen notwendig sein. Die Verantwortung hierfür darf aber nicht nur bei jedem einzelnen liegen. Es muss eine gesellschaftliche Aufgabe sein. Deshalb müssen auch die Bildungs- und Sozialsysteme eine Antwort auf diese Entwicklungen finden.

Virtual Coffee Break zum Thema Zukunft der Arbeit

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Über die Alumna und Autorin dieses Beitrages

  • Dr. Marija Stambolieva Dr. Marija Stambolieva

Dr. Marija Stambolieva ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin an der Hochschule Osnabrück und koordiniert dort die Entwicklung eines zeitgemäßen Curriculums im Maschinenbau, das die Herausforderungen der Digitalisierung einschließt. Sie schreibt einen Blog über Digitalthemen, die Zukunft der Arbeit und lebenslanges Lernen und wurde drei Mal durch den DAAD gefördert: erst während ihres Masterstudiums an der Universität Hamburg, dann für einen Forschungsaufenthalt und schließlich für den Abschluss ihrer Promotion an der Uni Kassel.

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November 2020

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