Digitalisierung der Arbeitswelt: Chancen und Risiken

Die Digitalisierung der Arbeitswelt verändert unser Berufsleben in einem Maße vergleichbar der Industriellen Revolution: Die Digitalisierung automatisiert Wissen und Produktionsprozesse. Es wird gemailt, gegoogelt, geskypt und gechattet. Und das ständig.

Es besteht kein Zweifel, dass die Digitalisierung der Arbeitswelt diese enorm verändert. Nach Landwirtschaftlicher Revolution und Industrieller Revolution folgt jetzt die Digitale Revolution. Ähnlich der Industriellen Revolution, die Produktionsprozesse automatisierte, automatisiert die Digitalisierung der Arbeitswelt Wissen und verändert die Informations- und Kommunikationstechnologie. Kern des Ganzen ist das Internet. Durch das World Wide Web werden Inhalte weltweit für alle verfügbar gemacht. Die Digitalisierung der Arbeitswelt bietet also einerseits Fachkräften aus Entwicklungsländern Chancen und ist ein Wachstumsmotor für die Wirtschaft. Andererseits sind Arbeitnehmer nicht nur überall, sondern auch ständig erreichbar. Es stellt sich die Frage, ob dies positiv oder negativ ist.

Mehr Flexibilität bei Arbeit und Freizeit

Was macht die Digitalisierung der Arbeitswelt mit uns? Verbessert sie das Befinden des Arbeitnehmers oder verschlimmert sie es? Dies fragt auch Benjamin O`Daniel, freier Journalist mit den Fachgebieten Medienwandel und Arbeitswelt, in seinem Blog „Die drei Ebenen der digitalisierten Arbeitswelt“. Er bringt darin eine Diskussion der Creativity & Business Convention in Köln auf den Punkt, bei der man sich 2013 unter anderem mit der Frage „Wie sieht mein Arbeitsalltag aus?“ beschäftigte:

Durch die Digitalisierung der Arbeitswelt – insbesondere durch das Internet – können viele Arbeitnehmer arbeiten, wann und wo sie wollen. Das macht sie freier, sagen Befürworter. Und Freiheit bedeutet zum Beispiel eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Manche Arbeitnehmer können überall arbeiten, wo es WLAN gibt und sie sich wohlfühlen. Auf der Terrasse oder in einem Café beispielsweise. Sie sind also maximal flexibel, Arbeit und Freizeit gehen ineinander über– und das trägt zum Wohlbefinden der Menschen bei.

Digitalisierung der Arbeitswelt bedeutet höhere Verfügbarkeit

Die Gegner sagen: Trotz Digitalisierung der Arbeitswelt verlangen Unternehmen immer noch, dass Arbeitnehmer in Vollzeit physisch anwesend sind („Präsenzkultur“). Und obendrein müssen sie ständig online verfügbar sein. Sie machen also Zehn-Stunden-Jobs, halten Telefonkonferenzen um 22 Uhr abends und beantworten E-Mails im Urlaub – ob sie wollen oder nicht.

Es wichtig, dass sich die Unternehmensführung bewusst macht, was die Konsequenzen sein können, wenn sie von ihren Mitarbeitern eine ständige Erreichbarkeit verlangen und sich nicht um einen Ausgleich kümmern. Die Mitarbeiter sind gefährdeter, einen Burn-out zu erleiden und/oder werden das Unternehmen verlassen.

Für Personen, die generell mit digitalen Technologien wie Computern, dem Internet und Mobiltelefonen aufgewachsen sind, wurde der Begriff der Digital Natives (deutsch: digitale Eingeborene) geprägt. Im Gegensatz zu älteren Menschen finden viele eine ständige Erreichbarkeit normal. Sie müssen mit dieser Einstellung aber aufpassen, sich nicht selbst auszubeuten.

Die Digitalisierung der Arbeitswelt hat also enorme Auswirkungen in jeder Hinsicht. Bei allen Möglichkeiten, die sie bietet, darf das Wohlbefinden der Arbeitnehmer nicht aus den Augen verloren werden. Dass sie ständig und überall verfügbar sein sollen, darf nicht sein.

Oktober 2014

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Kommentare

Miriam Moser
21. Oktober 2014

Sevg, schau mal den Artikel "Soziale Netzwerke brauchen echte Menschen" in der Rubrik Deutschland/Land und Leute

Miriam Moser
21. Oktober 2014

Fakt ist, dass unser Alltag – in Deutschland – von digitalen Technologien durchdrungen ist. Was die Folgen sein werden, bleibt abzuwarten liegt aber auch in unserer Hand. Wir sind nicht Sklaven, sondern Herren unseres Arbeitsalltags. Einfach mal abschalten? Nicht erreichbar sein? Das Smartphone gegen ein Handy austauschen, mit dem man nur telefonieren kann? Wer traut sich das? An denen, die es so handhaben sehe ich aber: Sie sind auffällig entspannt und können Dinge in Ruhe angehen. Ist das nicht auch viel wert?

Miriam Moser
21. Oktober 2014

Hallo Jose Alfredo und Sevg,
Im Rahmen des Wissenschaftsjahrs 2014 schreibt das BMFF: „Wir wollen, dass sich die Menschen selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt bewegen können. Technischer Fortschritt ermöglicht uns ein besseres Leben, ist aber natürlich nicht frei von Risiken.“

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