E-Recruiting: Die Mitarbeitersuche via Internet ist im Trend

Studien zeigen, dass das E-Recruiting in Deutschland heute das wichtigste Instrument der Mitarbeitersuche ist. Immer mehr Unternehmen setzen auch auf soziale Netzwerke, in denen  potenzielle Kandidaten ganz freiwillig Fakten wie ihren Lebenslauf und ihre Interessen preisgeben.

Über das Thema E-Recruiting sprechen wir im Interview mit Britta Corrigan. Die ehemalige Moderatorin der Community-Gruppe „Spotlight on Jobs & Careers“ lebt und arbeitet in London. Sie hat HR Management studiert und mehrere Jahre im Executive Recruitment gearbeitet.

Unter E-Recruiting versteht man die Mitarbeitersuche via Internet. Welches sind die Wege, über die Firmen neue Mitarbeiter anwerben?

Britta Corrigan: Online-Jobbörsen sind zum Beispiel sehr häufig genutzte Kanäle des E-Recruiting. Der Vorteil ist, dass der Bewerber dort seine Unterlagen schnell und unkompliziert hochladen kann. Es ist jedoch ratsam, kleinere Online-Jobbörsen wie die des Alumniportals zu nutzen. Denn bei sehr großen Online-Portalen wählen E-Recruiter bei der Mitarbeitersuche die Bewerber nicht mehr persönlich aus, sondern mithilfe eines Computerprogramms.

Aufgrund der Vielzahl an Bewerbungen wird man oft nur dann kontaktiert, wenn die Bewerbung erfolgreich ist. In den meisten Fällen hört man also einfach nichts mehr. Durch diese Massenabfertigung haben es vor allem Bewerber mit einer „Karrierelücke“ im Lebenslauf schwer. Beispielsweise Frauen, die eine Familienpause eingelegt haben, da sie eventuell nicht in das Standardbewerbungsprofil passen und somit in diesem Bewerbungsprozess nicht weiter kommen.

Immer mehr Unternehmen bieten die Möglichkeit an, sich über die Firmenwebseite für ausgeschriebene Stellen zu bewerben. Ist das ein sinnvolles E-Recruiting-Instrument?

Britta Corrigan: Ja, ich empfehle Bewerbern, die Unterlagen über die firmeneigene Webseite hochzuladen. Das ist etwas aufwändiger, aber man erhält eher ein Feedback. Ein weiterer Vorteil dieser Form des E-Recruiting ist, dass die Unterlagen inhouse, also im Unternehmen selbst, gespeichert werden und bei weiteren Stellenausschreibungen darauf zugegriffen werden kann.  Deshalb sind kleinere Online-Jobbörsen wie die des Alumniportals empfehlenswert, da sie den Bewerber direkt zur firmeneigenen Webseite führen.

Welche Alternativen habe ich noch als Bewerber oder Unternehmen?

Britta Corrigan: Ich persönlich würde bei meiner Jobsuche nach längerer Familienpause auf Networking und persönliche Kontakte setzen. Dafür nehme ich auch einmal ein unbezahltes Praktikum in Kauf. In England wird bei vielen Unternehmen wegen der derzeitigen Wirtschaftslage oft auch zunächst intern gesucht, bevor der Job extern ausgeschrieben wird. Internes Training und „Talent Management“ ist dann oft kostengünstiger als externe Rekrutierung.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen bei der Mitarbeitersuche?

Britta Corrigan: In Deutschland und beispielsweise auch in Großbritannien herrscht ein großer Mangel an Fachkräften. Zudem ist die Wirtschaftslage schwierig. Darauf müssen die Firmen reagieren: In Großbritannien wird in den letzten Jahren generell weniger Personal rekrutiert – sei es durch E-Recruiting oder auf herkömmlichem Weg. Die Mitarbeitersuche ist auf das Notwendigste reduziert. Viele werden zurzeit auch nur als Teilzeitkräfte oder Leiharbeiter  in unverbindlicheren Arbeitsverhältnissen eingestellt. Für jemanden, dem seine Jobsicherheit wichtig ist, ist das oft schwierig.

Laut „Social Media Recruiting Report 2013“ besetzen Personaler aktuell eine von zehn Stellen über Social-Media-Netzwerke. Wie stehen Sie zum Einsatz von Social Media bei der Job- und Mitarbeitersuche?

Britta Corrigan: Professionelle Plattformen wie Xing oder LinkedIn sind sicherlich für Bewerber wie Unternehmen förderlich. Die Firmen sind dort vertreten und Arbeitssuchende können ihr professionelles Profil darstellen und berufliche Kontakte aufbauen. Je aktiver sie die Profilpflege betreiben, desto mehr Mitglieder werden darauf aufmerksam. Möglicherweise ist ein potentieller Arbeitgeber darunter. Bei sozialen Netzwerken wie Facebook ist dagegen Vorsicht geboten. Denn auf alles, was der Bewerber hier öffentlich postet, können potenzielle neue Arbeitgeber zugreifen.

Eine besonderes gute Ausgangslage bieten natürlich auf bestimmte Gruppen spezialisierte Netzwerke wie das Alumniportal Deutschland: Dort gibt es die bestmögliche inhaltliche Übereinstimmung zwischen Angebot und Nachfrage. Deutschland-Alumni finden in der Jobbörse des Alumniportals weltweite Stellenangebote und können ein eigenes Karriereprofil erstellen, um als Experte für Unternehmen sichtbar zu werden. Unternehmen und Organisationen haben auf dem Alumniportal die Möglichkeit, eigene Stellenanzeigen zu schalten und geeignete Bewerber „trained in Germany“ zu suchen. Außerdem können auch sie sich durch ein eigenes Profil vorstellen.

Wie halten Sie es? Trennen Sie Arbeit und Persönliches in sozialen Netzwerken?

Britta Corrigan: Ja, ich persönlich trenne Arbeit und Privates. Auf LinkedIn pflege ich nur Kontakte zu Kollegen oder potenziellen Arbeitgebern. Das reicht mir als Plattform. Niederländer zum Beispiel trennen das anscheinend nicht so streng und nutzen Facebook für persönliche und berufliche Kontakte.

E-Recruiting wirft die Frage auf: Ist es legitim, wenn Personaler den Bewerber vorher auf Facebook „ausspionieren“?

Britta Corrigan: Ich finde das nicht in Ordnung und würde es selbst nicht machen. In Human-Resources-Foren wird das Thema eifrig diskutiert und ich glaube, dass viele Unternehmen die Privatsphäre des Einzelnen freiwillig respektieren. Sie nutzen private Social-Media-Plattformen sogar häufig für gute Zwecke: Zum Beispiel, indem sie auf Facebook im Rahmen von „Graduate Recruitment Programmen“ Kontaktforen einrichten. Dort können sich Trainees austauschen und schon vor Arbeitsbeginn Kontakte knüpfen. Das ist eine schöne Starthilfe, um sich am ersten Tag nicht völlig fremd zu fühlen.

E-Recruiting auf Businessnetzwerken

Xing:

  • 13,2 Millionen Nutzer, davon 6,3 Millionen im deutschsprachigen Raum
  • Sparte „E-Recruiting“ im 2. Quartal 2013 größter Umsatztreiber (plus 43 Prozent)
  • neu: Mitglieder, die sich Stellenanzeige anschauen, können sehen, welche ihrer Kontakte beim inserierenden Unternehmen arbeiten.
  • neu: Arbeitgeberbewertungsplattform Kununu  

LinkedIn (amerikanischer Konkurrent):

  • 225 Millionen Nutzer, davon 4 Millionen im deutschsprachigen Raum
  • Rekordwachstum 2. Quartal 2013: Umsatz steigt auf 364 Millionen US-Dollar/266 Millionen Euro (plus 59 Prozent)
  • neu: HR-Produkt „Recruiter“ in deutscher Version
  • neu: App, um sich vom Smartphone aus auf Stellenanzeigen im Netzwerk zu bewerben

Quelle: HorizontJobs.de – „Recruiting: Fischen in Social Media boomt“

Januar 2014

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