Sie haben Fragen? Wir haben die Antworten

Seit dem 1. März 2020 gilt das Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Es erweitert und erleichtert die Zuwanderung von Fachkräften mit Hochschulabschluss oder qualifizierter Berufsausbildung.

1. Die wichtigsten Neuerungen kurz zusammengefasst

Der einheitliche Fachkräftebegriff umfasst Akademiker und Beschäftigte mit qualifizierter Berufsausbildung. Diese können seit März 2020 von einem Unternehmen in Deutschland eingestellt werden, ohne dass das Unternehmen nachweisen muss, dass kein deutscher oder europäischer Bewerber zur Verfügung stand. Diese Vorrangprüfung kann jedoch wieder eingeführt werden, sollte sich die Arbeitsmarktsituation verschlechtern. Regelungen, die vorher nur für Akademiker gelten, werden auf Fachkräfte mit qualifizierter Berufsausbildung erweitert.

2. „Welche Berufe sind besonders gefragt in Deutschland – und was muss ich dazu wissen?“

Ärzte: Ärzte arbeiten angestellt in Krankenhäusern oder Gemeinschaftspraxen oder niedergelassen mit eigener Praxis. Voraussetzung dafür ist, dass ihre Ausbildung mit der deutschen Arztausbildung gleichwertig ist. Nähere Informationen dazu gibt es hier.

Ingenieure: Es gibt viele offene Stellen in allen Branchen. Besonders gefragt sind Fachleute für Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektro- und Bautechnik.

Naturwissenschaftler und ITler: Im Land der Erfinder und Entdecker gibt es zahlreiche Firmen und Forschungsinstitute mit hohem Bedarf an Fachleuten aus der Informatik, Mathematik, Technik und den Naturwissenschaften. 

3. „Wie viel verdiene ich als Akademiker in Deutschland?“

In Deutschland verdienen Akademiker mit bis zu zwei Jahren Berufserfahrung durchschnittlich 47.500 Euro im Jahr. Zwischen den einzelnen Berufsgruppen gibt es jedoch gewaltige Unterschiede. Ärzte steigen mit einem Gehalt von 45.000 Euro ein, bei Chemikern sind es 50.000 Euro. Weitere Unterschiede gibt es je nach Branche und Region. Schon nach wenigen Jahren verdienen Fachkräfte deutlich mehr als zu Anfang ihrer Karriere.

4. „Wie und wo kann ich meinen Abschluss anerkennen lassen?“

In Deutschland gibt es reglementierte und nicht reglementierte akademische Berufe. Ärzte, Apotheker oder Rechtsanwälte müssen sich ihren ausländischen Hochschulabschluss anerkennen lassen. Dazu prüft die zuständige Stelle in der Regel innerhalb von drei bis vier Monaten ihre Unterlagen. Ausführliche Informationen dazu gibt es hier.

Bei anderen Studienabschlüssen, etwa in Informatik, Mathematik oder Wirtschaft, muss lediglich nachgewiesen werden, dass diese mit einem deutschen Hochschulabschluss vergleichbar sind. Den Bescheid gibt es bei der Zentralstelle für das ausländische Bildungswesen (ZAB).

5. „Wie verändert die Corona-Pandemie meine Jobaussichten?“

Die Corona-Pandemie ist auch an der deutschen Wirtschaft nicht spurlos vorbeigegangen. Doch geschlossene Restaurants und Kurzarbeit beispielsweise in der Automobilbranche wurden im Mai 2020 bereits wieder gelockert. Inzwischen zieht der Arbeitsmarkt wieder an und Fachkräfte werden weiterhin gesucht. Informationen zur Einreise bietet das Auswärtige Amt in englischer Sprache. 

6. „Habe ich Vorteile als Deutschland-Alumni?“

Vermutlich schon, da ein Deutschland-Alumni zuvor die Gelegenheit hatte, sich mit der deutschen Mentalität und Sprache vertraut zu machen und vielleicht sogar ein bestimmtes Sprachniveau erreichen konnte. Durch Praktika, ein Engagement in studentischen Initiativen oder Lehrkräfte aus der Praxis konnten oft schon Kontakte zu Firmen und Organisationen geknüpft werden, die einen Berufseinstieg vereinfachen. 

7. „Mein Deutsch ist noch nicht perfekt – wo finde ich Informationen in meiner Sprache?“

Auf „Make it in Germany”, dem Portal der Bundesregierung für Fachkräfte aus dem Ausland, gibt es Information in Deutsch, Albanisch, Arabisch, Bosnisch, Englisch, Französisch, Indonesisch, Italienisch, Koreanisch, Portugiesisch, Russisch, Serbisch, Spanisch, Türkisch und Vietnamesisch.

8. „Wie finde ich einen Job in der Forschung?“

2019 haben mehr als 80.000 ausländische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen an deutschen Hochschulen geforscht. Die Stellen werden ausgeschrieben. Eine wissenschaftliche Mitarbeit lässt sich darüber hinaus auch mit einer Promotion verbinden. Wer schon eine wissenschaftliche Karriere vorweisen kann, kann sich außerdem als Gastdozent oder um eine Professur bewerben. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Jobs in den Forschungsabteilungen deutscher Unternehmen und bei internationalen Forschungsprojekten.

9. „Brauche ich ein Visum, um in Deutschland zu arbeiten oder zu forschen?“

Staatsangehörige von EU- oder EFTA-Staaten (Schweiz, Norwegen, Island, Liechtenstein) brauchen für eine Beschäftigung in Deutschland weder ein Visum noch eine Aufenthaltserlaubnis. Interessierte aus Australien, Israel, Japan, Kanada, der Republik Korea, Neuseeland oder den USA können ohne Visum einreisen und vor Ort die Aufenthaltserlaubnis für die Beschäftigung in Deutschland beantragen. Für Staatsangehörige aller weiteren Drittstaaten ist ein Visum zwingend notwendig.

10. „Wer hilft mir weiter?“

Melden Sie sich direkt per Chat oder schreiben Sie eine E-Mail an: make-it-in-germany@arbeitsagentur.de. Darüber hinaus können Sie sich über die Telefon-Hotline Arbeiten und Leben in Deutschland auf Deutsch und Englisch beraten lassen. Sie erreichen die Hotline unter +49 30 1815 – 1111.

Welche Besonderheiten gibt es für Studierende und Absolventen?

Studierende hatten es schon vor der Gesetzesänderung weitaus leichter, in Deutschland Fuß zu fassen. Beispielsweise können sie schon zur Studienplatzsuche einreisen, sofern sie eine Hochschulzugangsberechtigung haben, maximal 25 Jahre alt sind, mindestens auf Niveau B2 Deutsch sprechen und sich ihren Lebensunterhalt selbst finanzieren können. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz ermöglicht es Studierenden seit 1. März 2020, ihr Studienfach zu ändern, in eine Ausbildung zu wechseln oder schon während des Studiums ein Arbeitsplatzangebot anzunehmen. Der Wechsel der Aufenthaltserlaubnis ändert sich automatisch.

Nach dem Studium können die Absolventen bei der zuständigen Ausländerbehörde eine Aufenthaltserlaubnis beantragen, mit der sie bis zu 18 Monate in Deutschland bleiben können, um einen Job zu suchen. Während dieser Zeit können sie jede Tätigkeit annehmen. Sobald ein Job gefunden ist, haben die Absolventen die Wahl, für ihren Aufenthalt eine weitere Aufenthaltserlaubnis oder eine Blaue Karte EU zu beantragen – beide Titel knüpfen an unterschiedliche Voraussetzungen an.

Ausländische Absolventen mit deutschem Hochschulabschluss können schon nach zwei Jahren eine sogenannte Niederlassungserlaubnis erhalten. 

Autorin: Marlene Thiele

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August 2020

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