Frauenpower in der Reederei: Profit mit einer Frauenquote von 96 Prozent

René Mägli, Chef der zweitgrößten Frachtreederei der Welt, macht die Erfahrung, dass sich Frauen besser für ein Dienstleistungsunternehmen eignen als Männer. Sie bringen mehr Profit. Welche Eigenschaften sind es, die Frauenpower ausmachen?

Die Niederlassung der MSC Mediterranean Shipping Agency Schweiz beschäftigt in Basel 135 Mitarbeiter. 130 davon sind Frauen. Die zweitgrößte Frachtreederei der Welt wirtschaftet also zu 96 Prozent mit Frauenpower. Und das in einer Männerdomäne wie dem Speditions- und Containergeschäft. Diese hohe Frauenquote ist einmalig auf der Welt.

René Mägli, Direktor der MSC Basel, hat für die Wahl seiner Mitarbeiterinnen gute Gründe: „Ich tue das nicht aus Idealismus. Ich bin Geschäftsmann und die Zahlen sprechen für sich: Meine Ladys steigern den Umsatz des Unternehmens jährlich um 15 bis 20 Prozent.“ Dass ein Unternehmen mit so viel Frauenpower erfolgreich ist, liegt an den Fähigkeiten, die speziell Frauen auszeichnen.

Frauenspezifische Fähigkeiten als Erfolgsmotor im Job

In der Reederei MSC geht es genauso hektisch zu wie an der Börse. „Eine besonders wichtige Eigenschaft in diesem geschäftigen Arbeitsklima ist es also, Prioritäten setzen zu können“, so Mägli. „Das können Frauen von Haus aus besser.“ Auch kommunizieren sie ausgesprochen gut, nämlich in kurzen, klaren Sätzen. Frauen sind zielstrebiger und kostenbewusster als Männer. Vor allem, betont Mägli, „dient eine Frau der Sache.“ Dies ist für ihn das entscheidende Frauenpower-Merkmal. „Männer kämpfen um die eigene Position, um Geld und den Status. Frauen tun dies bei uns – meines Erachtens – nicht. Sie ziehen an einem Strang.“

Natürlich gibt es auch unter den Frauen der MSC Basel Karriere- und Konkurrenzdenken. Aber da der Druck wegfällt, sich gegen Männer durchsetzen zu müssen, wirkt sich das nicht so sehr auf das Arbeitsklima aus.

Frauenpower aus aller Welt

Die Frauenpower bei der MSC Basel beruht auf einer gesunden Mischung an Fachkenntnissen und Nationalitäten. Frauen aus zehn verschiedenen Ländern arbeiten als Controllerinnen, Buchhalterinnen, Finanzspezialistinnen, Vertriebskräfte, Managerinnen und IT-Fachfrauen. Patrizia Di Geronimo ist Finanzchefin. Die 24-jährige ist halb Italienerin, halb Schweizerin und als Migrantin der zweiten Generation eine sogenannte Seconda.

„Auch meine Kolleginnen sind zu 60 Prozent Ausländerinnen oder haben mindestens einen ausländischen Elternteil. In der Verkaufsabteilung haben wir Frauen aus Israel, Russland, Spanien, Italien, Frankreich und Deutschland. Die Vielsprachigkeit ist in einem weltweit agierenden Konzern natürlich ein weiterer Vorteil“, erklärt Di Geronimo.

Frauenpower: Deutsche Unternehmen mit hoher Frauenquote

  • 50 Prozent: Adidas, Allianz, Commerzbank, Ernst & Young
  • 60 Prozent: Deutsche Postbank, randstad
  • 70 Prozent: Fresenius, AOK

Ein Ranking deutscher Unternehmen, die sich aktiv für die Förderung hochqualifizierter Frauen einsetzen, finden Sie auf der Webseite www.genderdax.de.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die meisten Frauen – auch in Führungspositionen – arbeiten bei der MSC Basel mit flexiblen Teilzeitmodellen. Und die Karrieren enden nicht wie sonst so oft mit einer Schwangerschaft. Im Gegenteil: Gerade die Mutterschaft ist ein Grund für die Frauenpower. „Mütter können gut koordinieren und Prioritäten setzen. Diese Stärke nutze ich“, sagt Mägli. Nach dem Mutterschaftsurlaub kann jede Frau selbst entscheiden, zu wie viel Prozent sie arbeiten möchte. Viele Mütter steigen bei MSC auf und übernehmen sogar recht bald eine Führungsposition.

Frauenquote im Ländervergleich

Im europäischen Vergleich liegt die Schweizer Frauenquote in Führungspositionen mit 8,7 Prozent sogar noch hinter Deutschland (11,2 Prozent). In beiden Ländern kann von Frauenpower in Führungsebenen also nicht die Rede sein. Wäre eine gesetzlich geregelte Frauenquote von Vorteil?

In die deutsche Debatte mag sich Mägli nicht einmischen. Aber sein Ratschlag für die Schweiz ist: „Man muss nicht immer alles gesetzlich regeln. Wenn andere Unternehmen den Wert von Frauen nicht erkennen, dann ist das deren Problem! Denn jeder Chef, der keine Frau einstellt, verschwendet Ressourcen“, ist sein eindeutiges Fazit.

Oktober 2013

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