Corona in Kenia: „Vom vielen Sitzen auf dem Sofa tut mir der Rücken weh“

Leo Mutisya arbeitet derzeit als Partnerschaftsmanager beim „Media Council of Kenya“. Er hat von 2012 bis 2014 in Osnabrück studiert. Danach war er Multiplikator für das Alumniportal Deutschland und Wissenschaftler für die GIZ. Aus persönlichen und beruflichen Gründen hält er noch engen Kontakt zur deutschen Botschaft in Nairobi und zum DAAD.

Herr Mutisya, wie reagiert Kenia auf die Krise?

Die kenianische Regierung tut alles, was sie kann, um das Virus einzudämmen – und es ist eine enorme Krise. Hier in Nairobi scheint niemand zu wissen, was morgen passiert. Wer kann, geht unter der Woche zur Arbeit. Die meisten bleiben zu Hause – einige können von dort arbeiten, aber die Mehrheit, die von der Hand in den Mund lebt, ist jetzt auf Spenden angewiesen. Die meisten Baustellen sind geschlossen, die meisten Fabriken operieren wegen der Vorschriften zur physischen Distanzierung mit begrenzten Kapazitäten. Matatus, die öffentlichen Busse in Nairobi, transportieren nur noch halb so viele Fahrgäste zum doppelten Preis.

Seit dem 26. März gilt für das Land eine nächtliche Ausgangssperre und zuletzt hat der Präsident für vier Countys einen Lockdown verfügt, der das Überschreiten der Grenzen einschränkt. Nairobi gehört zu den „infizierten“ Countys. Nur systemrelevante Berufsgruppen wie Polizei, Gesundheitspersonal und Journalisten dürfen sich frei bewegen.

Wie gestaltet sich Ihre persönliche Situation?

Ich lebe in Nairobi, einem City County mit über vier Millionen Einwohnern und extrem unterschiedlichen Einkommensverhältnissen. Meine Arbeit besteht darin, Stakeholder-Einbeziehung und Berufsethik in den Medien zu fördern. Die meisten Meetings und Gespräche mit Entwicklungspartnern finden jetzt virtuell statt. Ich arbeite teils von zu Hause und teils im Büro. Obwohl ich über das Privileg einer zuverlässigen Internetverbindung verfüge, arbeite ich ungern von zu Hause, weil ich dann mehr esse und mir vom vielen Sitzen auf dem Sofa der Rücken wehtut.

Haben Sie Strategien entwickelt, um Ihr Sozialleben zu retten?

Ich bin in verschiedenen WhatsApp-Gruppen. Eine davon ist die Gruppe „Stammtisch“ für Nairobi, die wir vor Jahren mit Unterstützung von Alumniportal Deutschland gegründet haben. Normalerweise treffen wir uns zum Stammtisch, organisieren soziale Projekte und machen gelegentlich Ausflüge. Jetzt beschränken wir uns auf WhatsApp, diskutieren über COVID-19, interagieren, machen Witze, teilen Jobangebote und netzwerken untereinander. Gesellschaftliche Zusammenkünfte sind in Kenia momentan verboten. Daher fühle ich mich nur beim Einkaufen, Joggen und Musikhören ein bisschen frei. 

Interview: Marlene Thiele

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Mai 2020

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