Corona in Peru: „Ist jetzt nicht der perfekte Zeitpunkt, um der Natur mehr Raum zu lassen?“

Juan Carlos Schiappa-Pietra ist Social Entrepreneur in Lima, Peru, und war als Gründer und Leiter von „Servicios de Prensa para el Desarrollo“ (Press Services for Development) an unterschiedlichen Projekten beteiligt. In den letzten sieben Jahren lag der Schwerpunkt seiner Arbeit auf dem Aufbau von digitalem Bildungsradio. Er war nationaler Koordinator des von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gegründeten Alumni-Netzwerks „Red Alumni de Economía Sostenible“ (RADES) in Peru, das nachhaltige Prozesse in Lateinamerika fördert. Sein lange hinausgezögertes Projekt des Deutschstudiums begann vor einigen Wochen.

Wie hat Peru auf das Coronavirus reagiert?

Für die Bevölkerung ist es schwierig, sich an die Gesetze und Vorschriften zu halten. Es war eine große Errungenschaft für das Land, zu gewährleisten, dass die Mehrheit der Bevölkerung die „soziale Isolation“ einhält. Diese Richtlinie war eine der strengsten in Südamerika.

Was tun Sie während der Krise?

Ich arbeite seit sieben Jahren in der edukativen digitalen Radiokommunikation, und für mich hat sich praktisch nichts geändert. Ich gebe ehrenamtlich telefonischen Sprachunterricht für Personen in akuter wirtschaftlicher Not. Außerdem habe ich mein Kommunikationsstudium wieder aufgenommen.

Glauben Sie, dass sich die Welt durch die Pandemie verändern wird?

Dazu stelle ich mir viele Fragen. Werden wir zum Beispiel weiter in überfüllten Bussen und U-Bahnen fahren? Wird sich Telearbeit permanent in Unternehmen und an Universitäten etablieren? Können Sicherheitsstandards realistischerweise zu tief greifenden Änderungen des Soziallebens führen? Wird der Westen die japanische Begrüßung übernehmen, die ohne physischen Kontakt auskommt? Könnte die informelle lateinamerikanische Begrüßung per Kuss zwischen den Geschlechtern verschwinden? Und haben wir jetzt nicht die einmalige Chance, ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen Zivilisation und Natur herzustellen? Ist jetzt nicht der perfekte Zeitpunkt, uns hinter unsere Betonmauern zurückzuziehen, der Natur mehr Raum zu lassen und sie besser zu schützen?

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April 2020

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