Ideen für eine lebenswerte Zukunft

Die Zukunft kann besser werden, als wir derzeit denken: Das war die Kernaussage der zweiten TEDx KanzlerPark-Konferenz am 9. November 2021. Macherinnen und Macher,  Changemakerinnen und Changemaker sowie Innovatorinnen und Innovatoren aus aller Welt haben sich dabei covidkonform im digitalen Raum getroffen, um über die Herausforderungen der kommenden Jahre zu diskutieren – und Möglichkeiten aufzuzeigen, mit denen jede und jeder Einzelne etwas verändern kann. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Formaten stehen bei Veranstaltungen unter dem TED-Label („Technology, Entertainment, Design“) nicht die Erörterung von Problemen im Mittelpunkt – sondern das Aufzeigen von Lösungen.

Insgesamt zehn Kurzvorträge von Expertinnen und Experten aus Brasilien, Indien und Russland standen auf dem Programm. Sie alle sind oder waren über ein Bundeskanzler-Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung in Deutschland und verfolgen eigenständig konzipierte Projekte. Ihre Vorschläge für einen konstruktiven Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft reichten dabei von Klimaschutz im Alltag aller Bürgerinnen und Bürger bis hin zu einem besseren Datenmanagement für Regierungen.

Mit Citizen Science Forscherinnen und Forscher unterstützen

Die Konferenz gliederte sich in drei thematische Blöcke: Einer fokussierte sich auf die Potenziale von Schwarmintelligenz und Gruppenverhalten, ein anderer rief zum Perspektivwechsel auf, und ein dritter setzte sich mit der Digitalisierung auseinander. So warb Alexandra Borissova Saleh dafür, stärker auf Citizen Science zu setzen. Hierbei tragen Bürgerinnen und Bürger Daten zusammen, die Forscherinnen und Forscher dringend brauchen, aber auf herkömmlichem Weg nur unter großen Anstrengungen bekommen können – zum Beispiel die genaue Beschaffenheit von Schnee in verschiedenen Regionen Russlands, Bevölkerungsmerkmale wie etwa die ethnische Herkunft oder auch eine Katalogisierung der verschiedenen Tierarten in einem bestimmten Lebensraum. „Ich glaube fest daran, dass Wissenschaft eine bessere Zukunft gestalten kann“, sagte Saleh. „Aber wenn sie die Verbindung zur Gesellschaft verliert, tut sie sich schwer damit, die Ergebnisse zu liefern, die relevant sind.“ Daher sei es sinnvoll, die Menschen in den Forschungsprozess einzubinden.

Die Macht des Schwarms ist auch für andere Sprecherinnen und Sprecher der Kanzlerpark-Konferenz ein wichtiges Element für Zukunftskonzepte: Denn damit lässt sich das Wir-Gefühl und der Eindruck, gemeinsam etwas bewirken zu können, stärken, wie in verschiedenen Vorträgen hervorgehoben wurde. So machte sich die Finanzmarktspezialistin Tamara Ferreira Schmidt für Crowdfunding-Projekte stark, um damit das „Valley of Death“ zu überstehen – jene frühe Phase eines Start-ups, in der das junge Unternehmen ein Produkt noch bis zur Marktreife bringen muss und die für Investoren das größte Risiko bergen, während Alice Amorim Vogas die Integration von Klimaschutz in jede einzelne politische Entscheidung forderte, während sie sich gleichzeitig für eine höhere Frauenquote aussprach.

Plattform-Unternehmen könnten Arbeit der Zukunft prägen

Konkrete und abstrakte Fragestellungen wechselten sich bei den TEDx-Talks ab. Elizaveta Fakirova erläuterte eindrucksvoll, wie sehr die alljährlichen Hitzetoten in Städten mit der Versiegelung von Flächen zu tun haben – und wie einfach bepflanzte Dächer diesen Effekt kompensieren könnten; Fabio Fornari beschäftigte sich mit der Rolle des Tourismus in den Klimadebatten; und Vineet John Samuel skizzierte eine dystopische Welt, in der alle Menschen freischaffende Kleinunternehmer im Dienst von Plattform-Unternehmen wie Uber, Deliveroo oder MyHammer sind und angesichts des harten Wettbewerbs unter massivem Stress stehen. „Experten gehen davon aus, dass die Gig Economy bis 2023 einen Umsatz von 455 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet“, erklärte der Inder – vor allem in seiner Heimat sei diese Form der Arbeit weit verbreitet. „92,4 Prozent der Bevölkerung arbeitet in Indien inoffiziell“, sagte er – ein gigantischer Markt, den die vermittelnden Online-Plattformen gnadenlos ausnutzen würden. Und die Zahlen gehen weiter nach oben. „Das kann und das darf nicht die Zukunft der Arbeit sein“, so Samuel.


TEDx

Die gemeinnützige Organisation TED („Technology, Entertainment, Design“) folgt dem Motto „Ideas worth spreading“ und bietet Expertinnen und Experten eine Bühne, um ihre Ideen vorzustellen. Eine zentrale Voraussetzung ist, dass Referentinnen und Referenten Kurzvorträge von maximal 18 Minuten präsentieren, die im Anschluss online als Video veröffentlicht werden. Außerdem sollen sie konstruktive Ansätze vertreten, die als Basis für den weiteren Austausch dienen können.

 


Das Bundeskanzler-Stipendium

Das Bundeskanzler-Stipendium richtet sich an Hochschulabsolventinnen und -absolventen aus Brasilien, der Volksrepublik China, Indien, Südafrika, der Russischen Föderation und den Vereinigten Staaten, die internationale Ambitionen und erste Erfahrungen in einer Führungsposition haben. Für ein Stipendium können sich unter anderem angehende Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur bewerben. Die Stipendien sind mit einem einjährigen Aufenthalt in Deutschland verbunden. Sie bieten die Chance, sich mit anderen angehenden Führungspersönlichkeiten aus aller Welt, die ebenfalls von der Alexander von Humboldt-Stiftung unterstützt werden, zu vernetzen sowie neue Lösungen für globale Probleme unserer Zeit zu finden. Weitere Informationen gibt es auf der Website der Alexander von Humboldt-Stiftung.

 

Autor: Thomas Kölsch

Fotos: Luisa Bonin


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Die Talks der TEDx KanzlerPark-Konferenz 2021:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Januar 2022

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