Community Challenge - Ideen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft

Immer mehr Flächen werden für die Landwirtschaft genutzt und intensiv bewirtschaftet, um die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung sicherzustellen. Monokulturen und der Einsatz von Pestiziden sind jedoch wichtige Ursachen für den Artenschwund. Innovative Ideen für eine Landwirtschaft, die die Nahrungsmittelversorgung der Menschheit sicherstellt, ohne die biologische Vielfalt zu gefährden, werden daher dringend gebraucht. Bei der „Community Challenge“ des Alumniportals Deutschland zwischen März und Juli konnten Deutschland-Alumni ihre Ideen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft vorstellen, Feedback erhalten und sich miteinander vernetzen.  

Von zahlreichen eingereichten Vorschlägen wurden acht ausgewählt, die die Finalistinnen und Finalisten am 8. Juli bei einem virtuellen Pitch-Event präsentierten. Die drei Ideen, die in der Abstimmung von Community und Jury die meisten Stimmen bekamen, sollen nun zu nachhaltigen und sozialen Geschäftsmodellen weiterentwickelt werden. Dazu erhalten die Gewinnerinnen und Gewinner ein intensives Coaching durch die Gründungsberatungsagentur „Social Impact“, unter anderem zum Erstellen eines Businessplans, finanziellen Aspekten, Marketingstrategien und Fördermöglichkeiten. „Mit Gründerinnen und Gründern aus dem Forschungskontext zu arbeiten ist besonders spannend, weil sie innovative Ansätze nutzen“, sagt Benjamin Klein von Social Impact. Sie kämen allerdings auch aus einer eher perfektionistischen Kultur, die mit Start-up-Denken wenig zu tun habe: „Wir versuchen zu vermitteln, dass es wichtig ist, manchmal einfach loszulegen und frühzeitig in die Testphase zu gehen, um Feedback zu bekommen.“ 

Für eine bessere Wasserversorgung der Landwirtschaft

Der Pflanzen-Entomologe Dr. Elyeza Bakaze, einer der drei Gewinner, sucht vor allem Kooperationspartner und finanzielle Unterstützung, um seine Idee umsetzen zu können. Er forscht zu Technologien, die die Auswirkungen des Klimawandels – von denen Ostafrika besonders stark betroffen ist – abmildern können: „Die meisten dieser Technologien sind auf einjährige Pflanzen ausgerichtet, obwohl mehrjährige Pflanzen wie Kaffee und Bananen als Nahrungsmittel und Einkommensquelle genauso wichtig sind.“ Auf rund 200 ausgewählten Kaffee- und Bananenpflanzungen in zwei Distrikten im „Rinderkorridor“ Ugandas, die besonders unter dem Wechsel von Überschwemmungen und Dürre leiden, will er sogenannte „Water Soil Conservations Basins“ (WaSCoB) anlegen. Diese Rückhaltebecken fangen Wasser auf, um es dann langsam unterirdisch durch perforierte Rohre abzuleiten. WaSBoB erhöhen nicht nur die Bodenfeuchtigkeit, sondern wirken auch der Erosion entgegen, weil sich Sedimente absetzen können. „Zugleich dienen sie als Zersetzungsgruben, was die Bodenfruchtbarkeit erhöht und der Artenvielfalt nutzt“, erklärt Bakaze. In einem ähnlichen Forschungsprojekt konnte er bereits belegen, dass Bananenpflanzen nach der Anlage von Gräben deutlich besser gediehen: „Die Challenge hat mir den Anstoß gegeben, über WaSCoB als noch bessere Lösung nachzudenken.“ 

Für eine nachhaltigere Lebensmittelproduktion

Der Solarenergie-Experte Ronnie Ssejjuko, ebenfalls aus Uganda, kam während des Lockdowns 2020 auf seine Gewinner-Idee – durch einen Bekannten, der sich mit dem Verkauf selbstgezüchteter Pilze über Wasser hielt. In Uganda dienen die nahrhaften und preiswerten Pilze zunehmend als Fleischersatz. Weil bei der Produktion sehr viel Wasser verbraucht wird und haufenweise ungenutzte Pilzabfälle entstehen, dachte Ssejjuko über Verbesserungen nach: „Ich liebe Innovation!“, meint er. Sein neuartiges Pilzfruchthaus nutzt sämtliche Ressourcen im Produktionszyklus und ist auch für wasserarme Regionen geeignet, denn das Abwasser wird aufgefangen und mit einer solarbetriebenen Pumpe zur erneuten Verwendung in einen Überkopfbehälter transportiert. Die Pilzabfälle werden durch Pyrolyse zu Briketts verkohlt und die dabei entstehende Abwärme genutzt, um aus den Pilzen haltbare Trockenprodukte herzustellen. Neben diesem ganzheitlichen Ansatz überzeugte vor allem die einfache Machbarkeit des Projektes Jury und Community. „Der Wettbewerb war eine großartige Gelegenheit, Menschen für meine Idee zu begeistern“, sagt Ssejjuko. „Die nächsten Schritte sind jetzt, einen Prototyp zu bauen und zu testen, ein Video zu drehen und Unterstützerinnen und Unterstützer zu finden, um die Produktion in größerem Maßstab zu ermöglichen.“ Dann sollen Kleinbäuerinnen und -bauern in Uganda die Pilzfruchthäuser auf Mietkaufbasis erwerben können. 

 

Für eine bessere Planbarkeit des Maisanbaus

„Es war toll, so viele spannende Ideen kennenzulernen und andere Alumni zu treffen!“, sagt Oshin Sharma über die Community Challenge. „Außerdem habe ich sehr viel über das Präsentieren von Ideen gelernt – zum Beispiel, dass man sich auf die wichtigsten Punkte konzentrieren muss.“ Mit ihrem Vorschlag, Maisbauern im Dorf Maduwa im mittleren Hügelland Nepals über SMS und Messenger-Dienste mit verlässlichen Wettervorhersagen zu versorgen, kam die Agrarwissenschaftlerin bis ins Finale des Wettbewerbs. Weil die Topographie und die Trockenzeit eine regelmäßige Bewässerung fast unmöglich machen, hängt der Maisanbau in der Region vor allem davon ab, dass es wenige Wochen nach der Aussaat regnet. Doch aufgrund des Klimawandels sind die Niederschläge unregelmäßiger geworden. „Wenn der Regen ausbleibt, ist die gesamte Investition verloren“, sagt Sharma, die seit ihrer Kindheit regelmäßig ihre Großeltern in Maduwa besucht und die Probleme daher gut kennt. Die Landwirte in dem Dorf hat sie bereits für das Konzept gewonnen. „Ich habe auch Kontakt zur lokalen Regierung aufgenommen – und neulich hatte ich die Chance, die Idee einer NGO vorzustellen. Ich hoffe sehr, dass ich sie verwirklichen kann!"

Jetzt mitmachen!

Wegen der Vielfalt ihrer Fachkenntnisse und Fähigkeiten könnten Deutschland-Alumni einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Herausforderungen der Zukunft mit innovativen Ideen anzugehen. Deshalb ist auch für 2023 wieder eine Community Challenge geplant. Vorschläge zur Fragestellung des nächsten Wettbewerbs können ab sofort an info(at)alumniportal-deutschland.org eingereicht werden. 

Haben Sie auch eigene, innovative Geschäfts- oder Forschungsideen, um eine lebenswertere und fairere Welt zu schaffen? Erzählen Sie in den Kommentaren.

  • Dr. Elyeza Bakaze Dr. Elyeza Bakaze
  • Oshin Sharma Oshin Sharma
  • Ronnie Ssejjuko Ronnie Ssejjuko

Dr. Elyeza Bakaze ist Senior Research Officer am Standort Kawanda der National?Agricultural Research Organisation (NARO) in Kampala, Uganda. Mit einem Promotionsstipendium des DAAD forschte der Pflanzen-Entomologe von 2013 bis 2017 am Research Center for Global Food Security and Ecosystems der Universität Hohenheim. Seinen Master in Biologie und Biotechnologie machte Elyeza Bakaze an der Makerere Universität in Kampala. 

© privat

Oshin Sharma arbeitet als landwirtschaftliche Beraterin beim Wirtschaftsforschungsinstitut Kalapas Biotech in Dhulikhel, Nepal. 2017 bis 2019 studierte sie als DAAD-Stipendiatin an der Universität Hannover, wo sie einen Masterabschluss in „International Horticulture“ erwarb. Ihren Bachelorabschluss in Landwirtschaft machte sie an der Purbanchal University in Morang, Nepal. Oshin Sharma ist Gastdozentin am Himalayan College of Agricultural Science & Technology (HICAST) in Kathmandu. 

© privat

Ronnie Ssejjuko ist seit 2021 Berater beim „Global Green Growth Institute“ in Kampala, Uganda. Von April bis Juni 2022 besuchte er eine digitale Weiterbildung der „Renewables Academy“ (RENAC) in Berlin, derzeit ist er Stipendiat der Initiative „Green People’s Energy for Africa“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Der Experte für Solarenergie hat an der Makerere Universität in Kampala Physik und Erneuerbare Energien studiert.   

© privat

Autorin: Miriam Hoffmeyer

August 2022

Kommentare

Charan Singh Dhaliwal
7. September 2022

Mein Name ist Charan Singh Dhaliwal. Ich bin fast 66 Jahre alt. Ich lebe in einem grossen Dorf in der Naehe Ludhiana-Punjab-Indien. Von der Bonner Universitaet hatte ich fuer zwei Jahre 1986-1987 die deutsche Sprache gelernt. Danach fing ich an der Gesamthochschule Siegen mein Studium als Betriebswirtschaftslehre an. In 1990 hatte ich mein Studium aufgeben muessen da mein Vater in Indien an Nierenkrankheit schwer krank wurde und daran starb. Seit 1991 bin ich mit der landwirtschaftlichen Arbeit taetig. Wir prodozieren Weissen, Reis und Kartoffeln. Ich werde mich sehr freuen wenn ich mit Ihnenn ueber landwirtschaftliche Sachen noch mehr diskutieren kann. Verzeihen Sie ueber meine viele schriftlichen Fehler da ich seit ein langer Zeit mit dieser wunderbare Sprache wenig Kontakt habe.

Selvan Nanjundaswamy
1. September 2022

Wasser wirtshaft ist lebens wichig fuer entwicklungs laender. Wir muessen darauf mehr forschen und neue ideen entwicklen

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