2 Finde ich gut

„Wenn du selbst an dich glaubst, tragen dich andere.“

Beim Straßenzirkus kommt es auf vieles an: die richtige Technik, eine gute Ausrüstung, Übung, Mut und natürlich Talent. Aber das, was wirklich zählt und worauf alles aufbaut: Vertrauen. Die Geschichte einer jungen Frau aus Tansania, die ihre Idee und damit gleich einen ganzen Zirkus zum Fliegen brachte.

Prolog: Vom Vertrauen

„Wenn du ein guter Zirkuskünstler werden willst, musst du zuerst ein Mensch werden, auf den sich die anderen Artisten absolut verlassen können“, ist Habiba Issa überzeugt. Und ihr herzliches Lachen, ihre fröhliche Stimme, ihr wacher Blick vermitteln einem auch beim Skype-Gespräch über eine Distanz von 6.500 Kilometer das Gefühl: Hier sitzt einem eine gegenüber, auf die man sich verlassen kann. Selbstbewusst erzählt Habiba von der Flying Circus Academy, von Verhandlungen mit Geldgebern und Projektpartnern, von Erfolgen und Rückschlägen – und davon, wie alles mit einem Kindheitstraum begann.

Kapitel 1: Die Kindheit

„Die Kuh wird mit Ohren geboren.
Hörner bekommt sie erst später.“


Sprichwort aus Tansania

1979. Das Internationale Jahr des Kindes. Habiba Issa ist eines von Millionen Kindern, die in diesem Jahr auf die Welt kommen. Ihr Geburtsort: Daressalam, Tansania. Habiba wächst in der Region Morogoro westlich von Daressalam auf, und ihre Eltern – eine Grundschullehrerin und ein Kleinunternehmer – setzen alles daran, ihren drei Töchtern eine gute Bildung und Zukunft zu ermöglichen. Habiba ist von Beginn an ein Energiebündel. Beim Netball setzt sich das kleine, zarte Mädchen mit Schnelligkeit, Beweglichkeit und Ballgefühl durch und lernt schon hier: Ein Team ist nur erfolgreich, wenn die Mitglieder einander vertrauen. Mit neun oder zehn entdeckt sie dann ihre wahre Leidenschaft: Akrobatik. „Akrobatik?“, schüttelt Habibas Mutter ungläubig den Kopf: „Dafür bist du viel zu klein!“. Doch Habiba lässt sich von ihrem Traum nicht abbringen, und spätestens jetzt wird den Eltern klar: In diesem kleinem Körper steckt ein großer Wille. 

Kapitel 2: Die Lehrjahre

„Jeder Vogel fliegt mit seinen eigenen Flügeln.“


Sprichwort aus Tansania

Im Herbst 2000 beginnt Habiba ihr Studium am Bagamoyo College of Arts in Bagamoyo und kommt 2004 an die Universität Daressalam in den Bereich Darstellende und Musische Kunst. Die junge Frau saugt Theorie und Wissen auf und beißt sich durch die Praxis: Als eine der Kleinsten wird sie in den Akrobatikstunden kurzerhand zur Jonglierkeule der Kommilitonen, erinnert sie sich schmunzelnd. Nach der Diplomfeier folgt die Ernüchterung. „Die Jobperspektiven waren miserabel“, berichtet Habiba: „Obwohl wir in Tansania so eine reiche Tradition haben, fehlt es am Bewusstsein für den Wert von Kultur. Kultur wird bei uns nicht als Beruf gesehen. Selbst in Daressalam gibt es kaum professionelle Kultureinrichtungen oder kommerzielle Bühnen.“ Habiba hangelt sich durch, bis sie 2007 zunächst eine Praktikumsstelle im Parapanda Theater Lab bekommt und anschließend im Babawatoto Centre als Intendantin arbeitet. Das Centre liegt mitten in Mburahati, einem Stadtviertel von Daressalam, in dem das Leben von Arbeitslosigkeit, Kleinkriminalität und latenter Gewalt vor allem gegen junge Mädchen und Frauen geprägt ist.

Im Babawatoto Centre finden die Kinder einen Ausgleich zum harten Alltag und lernen lokale Musik und Tänze kennen. Habiba sammelt hier erste Erfahrungen als Trainerin, und der Direktor Mgunga Mwa Mnyenyelwa erkennt sofort ihr Potenzial. 2008 hört Mgunga von einem Stipendium für Kulturmanager. Mit dem Förderprogramm „Cultural Management in Africa“ wollen das Goethe-Institut und die InWEnt (heute: GIZ – Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) Kulturmanagerinnen und Kulturmanagern in Subsahara-Afrika eine berufsbegleitende Qualifizierung und damit bessere Perspektiven im Kulturbereich ermöglichen. Mgunga muss nicht lange überlegen, wen er als Stipendiatin vorschlägt. Als die Zusage kommt, spürt Habiba: Das kann mein Leben verändern. Sie lächelt, packt ihren Koffer und steigt ins Flugzeug nach Berlin.

Kapitel 3: Die Reise

„In der Fremde erfährt man mehr als zu Hause.“


Sprichwort aus Tansania

„Habibas Hospitation bei uns war ein richtig gut geplanter glücklicher Zufall“, freut sich Daniela Titze von der Berliner ufaFabrik bis heute. Gut geplant, weil das Goethe-Institut großes Augenmerk darauf legt, für jeden Stipendiaten aus Afrika den passenden Hospitationsplatz in Deutschland zu finden. Glücklich, weil es im Fall von Habiba und dem Internationalen Kultur Centrum ufaFabrik besonders gut passt. Die renommierte Berliner Kultureinrichtung fördert Kultur, Kulturaustausch und kulturelle Bildung durch Theater, Musik, Kabarett, Varieté, Tanz – und Kinderzirkus. Habiba hilft im Rahmen ihrer Hospitation im Programmbüro unter anderem auch bei der Vorbereitung eines solchen Zirkusfestivals. „Habiba hat unser Büro mit Leben gefüllt, sie war für unsere Arbeit wie ein strahlender Schutzengel“, erinnert sich Titze, die vom ersten Moment an eine tiefe Sympathie für die junge Afrikanerin empfindet. „Daniela ist meine Mentorin, mein Vorbild“, sagt Habiba, die von der erfahrenen Kulturschaffenden viel lernt über die Konzeption, Planung und Durchführung von Kulturprojekten. Aus dem Stipendium nimmt Habiba vor allem dies mit: Selbstbewusstsein und die Erkenntnis, dass man mit Kultur etwas bewegen kann – und vielleicht sogar davon leben? Schon in Berlin beginnt eine Idee in ihr zu wachsen: Habiba will eine Zirkusschule in Daressalam aufbauen.

Autor: Harald Kühl
Die Regionauten

Juni 2018

Dieser Text ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz. Möglicherweise unterliegen zusätzliche Inhalte wie Bilder und Videos jeweils zusätzlichen Bedingungen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit den Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie einverstanden. Zudem gilt folgende Regelung für die korrekte Benennung der Urheber und Quelle sowie Übersetzungen.

Kommentare

APD Redaktionsteam
11. Juni 2018

Liebe Neşe Dinçkal Ünlü,

in der Türkei gibt es drei Goethe-Institute: In Ankara, in Istanbul und in Izmir. Auf der Seite des Goethe-Instituts Türkei können Sie sich über Deurschkurse in den drei Städten informieren: https://www.goethe.de/ins/tr/de/spr/kur/gia.html

Nähere Informationen zum Projekt "Flying Circus Academy" finden Sie auf der Webseite: https://www.flying-circus-academy.net/

Herzliche Grüße

Ihr Alumniportal Deutschland-Team

Neşe Dinçkal Ünlü
11. Juni 2018

Hallo ich schreibe sie aus der Türkei ,ich liebe die Deutsche sprache.Haben sie eine finiale inder Türkei ? Möchte gerne teilnehmen .

Jetzt kommentieren