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Allan Mubiru: „In Deutschland habe ich viel über Klimafinanzierung und internationale Zusammenarbeit gelernt“

Name: Allan Mubiru
Lebt in: Kigali, Ruanda
Herkunftsland: Uganda
Deutschlandaufenthalt: Juli 2012 bis November 2013 in Berlin
Bildungs- und Forschungseinrichtung: atmosfair gGmbH (Internationales Klimaschutzstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung)
Beruf: Ökonom und Experte für Klimafinanzierung

Allan Mubiru aus Uganda hat Finanzwesen und Wirtschaftswissenschaften studiert. Während seiner Zeit als Klimaschutzstipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung war er als Gastwissenschaftler bei atmosfair in Berlin beschäftigt. Er arbeitet heute als Ländermanager für atmosfair in Ruanda und ist dort vor allem für ein Programm zuständig, das die Nutzung von hochwertigen und energieeffizienten Kochherden fördert.  

Was macht atmosfair?

atmosfair ist eine Klimaschutzorganisation mit dem Schwerpunkt Reise. Flugpassagiere können mit atmosfair die Klimagase ihrer Flugreise kompensieren, indem sie freiwillig einen von den Emissionen abhängigen Klimaschutzbeitrag zahlen. Dieser wird von atmosfair dazu verwendet, erneuerbare Energien in Ländern auszubauen, wo es diese noch kaum gibt, also vor allem in Entwicklungsländern. Damit spart atmosfair CO2 ein, das sonst in diesen Ländern durch fossile Energien entstanden wäre. Und gleichzeitig profitieren die Menschen vor Ort, da sie häufig zum ersten Mal Zugang zu sauberer und ständig verfügbarer Energie erhalten – ein Muss für Bildung und Chancengleichheit.

Webseite von atmosfair

Interview mit Allan Mubiru, Countrymanager für atmosfair

atmosfair-Klimaschutzprojekt Ruanda: Effiziente Öfen

Video: Energieeffizientes Kochen in Ruanda (englisch)

Vom Improved Cook Stoves Programme for Rwanda profitieren mittlerweile mehr als 30.000 Haushalte. Darüber hinaus vermittelt Allan Mubiru Kontakte zwischen dem deutschen Solartechnik-Unternehmen Little Sun und Firmen aus Ruanda und Uganda, um die Verbreitung von solarbetriebenen Lampen zu steigern. Solche Lampen ermöglichen - besonders in ländlichen Gebieten - eine kostengünstige und überdies klimaschonende Beleuchtung. Ein Ziel ist es, Kindern durch solarbetriebene Beleuchtung bessere Bedingungen für das Lernen zu schaffen.

Mit dem Deutschen Xaver Kitzinger aus Berlin – den er während seines Stipendiums bei atmosfair kennen lernte – hat Mubiru außerdem gerade das Start-up Kaffee-Kooperative.de gegründet. Das Unternehmen importiert und vertreibt Fairtrade-zertifizierten Kaffee, dessen gesamter Produktionsprozess - vom Anbau bis zur Röstung - in Ruanda stattfindet. Anders als allgemein üblich verbleibt so die gesamte Wertschöpfungskette bei der Partner-Kooperative vor Ort.

Wie waren Ihre Erfahrungen in Deutschland? Was haben Sie als positiv und nützlich für Ihre weitere Karriere und Ihre Projekte erlebt?

Allan Mubiru: Während meines Aufenthalts in Deutschland sammelte ich viele unterschiedliche berufliche und private Erfahrungen. Auf der beruflichen Seite habe ich enorm viel zu den Themen Klimafinanzierung und internationale Zusammenarbeit gelernt. Insbesondere fand ich heraus, dass es ein großes, bisher nicht ausgeschöpftes Kooperationspotential zwischen jungen Fachkräften in der Region Ostafrika und unseren deutschen Kollegen gibt. Dadurch wurde für mich noch einmal das Potential für Partnerschaften zwischen deutschen und afrikanischen Unternehmen in der nachhaltigen Entwicklung der Bereiche Energieeffizienz und erneuerbare Energien unterstrichen.

Privat habe ich viel über die soziokulturellen, wirtschaftlichen und politischen Systeme, Normen und Werte in Deutschland gelernt. 2013 konnte ich die Bundestagswahlen verfolgen und erlebte sie als ein Beispiel großer politischer Reife. Außerdem habe ich während meines Aufenthalts Effizienz und Zeit als wertvolle Ressourcen begriffen. Wenn man in Uganda das Deutschland von heute erwähnt, assoziieren die Menschen sofort Effizienz, Qualität und Zeitmanagement – und ich konnte dies während meines Aufenthalts selbst beobachten.

Erzählen Sie uns etwas über Ihre Projekte!

Allan Mubiru: Ich arbeite derzeit an den folgenden Projekten:

  • CDM-Gold-Standard-Programm für verbesserte Kochherde für Ruanda

    Ich bin für die Umsetzung des CDM-Gold-Standard-Programm der Vereinten Nationen (UN) für verbesserte Kochherde für Ruanda zuständig. Das Programm ist darauf ausgerichtet, ruandischen Haushalten Zugang zu energieeffizienten Kochherden zu verschaffen, um damit das nicht nachhaltige Fällen von Bäumen zu reduzieren, zur Verringerung von Treibhausgas-Emissionen beizutragen und die Erreichung von Ruandas nachhaltigen Entwicklungszielen zu unterstützen. Die atmosfair gGmbH entwickelte die Kohlenstofffinanzkomponente dafür und unsere Partner vor Ort, SaferRwanda, Rwanda Women Network und UNHCR Rwanda, arbeiten an der konkreten Umsetzung des Programms. Mit der Umsetzung wurde 2013 begonnen, sie soll bis 2039 fortgesetzt werden.

    Gemeinsam mit atmosfair suchen wir derzeit nach Partnern für die Kofinanzierung der Umsetzung einiger Sonderprojekte im Rahmen des Programms. Darunter sind zum Beispiel Projekte freiwilliger CO2-Ausgleichszahlungen zur Umsetzung von CSR-Zielen.

  • „Solar Kids“

    Ich vermittle die Entwicklung von strategischen Partnerschaften zwischen dem deutschen Solarunternehmen Little Sun und lokalen Firmen in Uganda (Bantu Energy) und Ruanda (SaferRwanda). Unter anderem befasse ich mich mit der Formalisierung von Partnerschaften und der Entwicklung von Strategien zur Umsetzung des Schulprogramms „Solar Kids“. Die Partnerschaften haben es sich zum Ziel gesetzt, Schulkindern Zugang zu solarbetriebener Beleuchtung zu verschaffen, ihnen so das Lernen zu erleichtern und bessere Schulnoten zu ermöglichen. Diese Partnerschaften sind seit 2015 in Betrieb.

    Ich möchte Organisationen, die in den Bereichen Energie und Bildung in Uganda und Ruanda tätig sind, dazu aufrufen, gemeinsam mit uns das Programm „Solar Kids“ zu finanzieren. Seit seiner Einführung im Dezember 2015 konnte das Programm bereits mehr als 3.000 Schülern zugutekommen und wir hoffen, bis 2020 in Uganda und Ruanda 100.000 Schüler zu erreichen.

  • Kaffee-Kooperative.de

    Zusammen mit meinem Xaver Kitzinger haben wir das Einzelhandelsunternehmen Kaffee-Kooperative.de gegründet. Unser Ziel ist es, die Wertschöpfungskette zu verbessern, indem wir Kaffee verkaufen, der ausnahmslos in den Ländern hergestellt, geröstet und verpackt wird, in denen er angebaut wird. Unsere erste Initiative ist eine Zusammenarbeit mit der ruandischen Musasa Dukundekawa Cooperation, mit der wir die Marke Café de Maraba produzieren, die wir bereits auf dem deutschen Markt eingeführt haben.

    Momentan sind wir mit der Mobilisierung der Finanzierung von zwei Maßnahmen beschäftigt: erstens die Kosten der Ausbildung unserer Kaffee-Röster und zweitens die Finanzierung der Start-Up-Marketingkosten.

  • Regional Collaboration Centre (RCC) Kampala der UNFCCC

    Seit der Gründung des Regional Collaboration Centre (RCC) Kampala der UNFCCC im Jahr 2013 engagiere ich mich aktiv bei den Initiativen zur Abschwächung des Klimawandels und der Anpassung an seine Auswirkungen sowie in den Dialogen über die Regionen Ostafrika und südliches Afrika hinweg. Der Auftrag des Zentrums ist es, Aktionen gegen den Klimawandel zu fördern.

    Foto: Regional Collaboration Centre (RCC) Kampala der UNFCCC – Capacity-building-Workshop

  • Deutsch-Afrikanischen Jugendinitiative (DAJ)

    Ich bin ein aktiver Unterstützer der kürzlich von Engagement Global aufgelegten Deutsch-Afrikanischen Jugendinitiative (DAJ) sowie des ASApreneurs-Programms. Beide verfolgen das Ziel der verstärkten Zusammenarbeit zwischen jungen Menschen, um die Vision einer nachhaltigen globalen Wirtschaft wahr werden zu lassen.

Was war Ihre Motivation zur Gründung dieser Projekte oder zur Teilnahme daran?

Allan Mubiru: Meine Motivation entspringt aus dem Wunsch, einerseits Haushalten mit geringem Einkommen besseren Zugang zu erneuerbaren Energien und Energieeffizienz zu verschaffen und andererseits nachhaltige Handelspraktiken zu unterstützen.

Welche positiven Auswirkungen konnten Ihre Projekte bereits erzielen und wo lagen die Herausforderungen und Hindernisse?

Allan Mubiru: Ein positiver Effekt ist die verminderte Nutzung von Brennholz bei den Nutzern der energieeffizienten Kochherde. Sie führte bereits zu zahlreichen Vorteilen für die Haushalte, die in regelmäßigen Monitoring-Initiativen belegt werden konnten: ein Rückgang der Belastung durch Rauchverschmutzung und der damit verbundenen Gesundheitsrisiken, Einsparung von Zeit und Geld für die Haushalte, Schaffung von direkten und indirekten Arbeitsstellen und vor allem niedrigere Emissionen von Treibhausgasen.

Der Zugang zu sauberer Beleuchtung hat es den Schülern und anderen Nutzern solarbetriebener Lampen ermöglicht, länger am Tag zu lernen und die Gesundheitsrisiken durch Kerosinlampen zu vermeiden.

Die Kaffeebauern in unserer Kaffee-Kooperative.de-Partnerschaft profitieren vom Zugang zu einem internationalen Markt, bemühen sich um eine Produktion von international markfähiger Qualität und erreichen wettbewerbsfähige Preise.

Video: Kaffee-Produktion in Ruanda (englisch)

Bei der Umsetzung der Projekte gab es drei zentrale Herausforderungen: Erstens die Umstellung des Verhaltens. Die Käufer der energieeffizienten Kochherde müssen sehr ressourcenintensiv ausgebildet werden, um sie bei der Umstellung von den herkömmlichen Kochstellen zu unterstützen.

Zweitens: Die interkulturellen Unterschiede: Die Entwicklung von internationalen Partnerschaften geht mit kulturellen Unterschieden in verschiedenen Bereichen einher, darunter Zeitmanagement, Kommunikationsweisen und vieles mehr. Und drittens: Die Beschaffung von Ressourcen. Es ist noch immer schwierig für kleine Start-Up-Unternehmen im Bereich der Energiewirtschaft, die benötigten Vorabinvestitionen zu mobilisieren, die es ihnen erlauben, ihren Betrieb auszubauen.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Allan Mubiru: Ich habe vor, weiter an den oben beschriebenen Projekten zu arbeiten. Außerdem möchte ich mich mit neuen Initiativen zur Abschwächung des Klimawandels und zur Anpassung an seine Auswirkungen beschäftigen sowie mit Maßnahmen, die zu Nachhaltigkeit bei Handelspraktiken beitragen.

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Oktober 2016

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