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Amina Gharred: SDG-Botschafterin hinter der Kamera

Name: Amina Gharred
Lebt in: Tunis, Tunesien
Herkunftsland: Tunesien
Deutschlandaufenthalt: von September bis Dezember 2015
Bildungs- und Forschungseinrichtung: Folkwang-Universität der Künste, Essen
Beruf: Office Managerin beim Tunisia Language Centre

Der Fantasie, wie wir alle zur Umsetzung der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals) beitragen können, sind keine Grenzen gesetzt. Amina Gharred aus Tunesien ist eine SDG-Botschafterin hinter der Kamera. Wir sprachen mit ihr darüber, wie sie die Fotografie nutzt, um Menschen zur Partizipation und zum Erhalt ihres kulturellen Erbes zu bewegen.

Frau Gharred, wie kam es dazu, dass Sie sich mit Ihrer Kamera für die Erreichung der Sustainable Development Goals (SDGs) engagieren?

Amina Gharred: Im August 2017 fotografierte ich auf der tunesischen Insel Djerba den Verfall vieler historisch wertvoller Gebäude. Djerba blickt auf ein besonderes, über tausende von Jahren gewachsenes architektonisches Erbe zurück. Allerdings pflegen die Regierung und die Bewohner dieses Kulturerbe zu wenig. Mit meiner fotografischen Dokumentation wollte ich die Menschen wachrütteln, damit sie sich mehr für den Erhalt der historischen Häuser engagieren.

Durch den Fotowettbewerb „Agenda 2030: Seht her – Macht mit“ des Alumniportals Deutschland wurde ich dazu inspiriert, mich künstlerisch mit den SDGs auseinanderzusetzen. Ich erkannte sofort den Bezug zwischen meinem Fotoprojekt auf Djerba und dem Ziel 11 „Nachhaltige Städte und Gemeinden“, das ja auch das Unterziel 11.4 „Natur- und Kulturerbe schützen“ beinhaltet.

Amina Gharred war eine der Gewinnerinnen des Fotowettbewerbs „Agenda 2030: Seht her – Macht mit“. Beim Global Festival of Action im März 2018 in Bonn stellte Amina eines ihrer Bilder aus und nahm am „Take Action Lab – Success Factors for Citizen Engagement“ des Alumniportals teil. Schauen Sie sich  Amina Gharreds Foto und die anderen Gewinnerbilder des Fotowettbewerbs an.

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Aber das ist nicht Ihr einziger Bezug zu den SDGs?

Amina Gharred: Nein, als Fotografin in Tunesien ist für mich natürlich auch das SDG 5 „Gleichstellung der Geschlechter“ enorm wichtig. Seit der Revolution 2011 suchen tunesische Frauen einen neuen Platz für sich in der Gesellschaft. Ich gehörte damals zu jenen jungen Frauen, die sich nun endlich ausdrücken, sich durch ihre Kunst befreien und ihre Botschaften herausschreien wollten.

Ich gründete 2014 zusammen mit sieben anderen Frauen einen Verband tunesischer Fotografinnen und es ist seither unser Ziel, Frauen – auch in ländlichen Regionen – zu ermutigen, in der Gesellschaft sichtbarer zu werden und vor allem zur Entwicklung ihres Landes beizutragen. Frauen müssen aktiver werden. Stellen Sie sich nur vor, wie viel sie gemeinsam bewegen könnten!

Was ist für Sie das Neue, das Innovative an den SDGs?

Amina Gharred: Wissen Sie, ich denke, dass die SDGs mit all ihren Unterzielen schon lange in den Köpfen der Menschen waren. Mit der Agenda 2030 wurden sie gesammelt und zu den 17 globalen Nachhaltigkeitszielen gebündelt. Das war ein wichtiger Schritt!

Jeder kann zur Erreichung der SDGs beitragen. Mein Mittel, um meine Stimme zu erheben, ist die Fotografie. Sie ist seit der Revolution meine Waffe, mein Sprachrohr für meine Gedanken und für bisher noch nicht gehörte Geschichten aus Tunesien.

Wie haben Sie die Fotografie für sich entdeckt?

Amina Gharred: Ich habe schon immer gerne fotografiert und habe mir in einem Fotoclub die Grundlagen der Fotografie angeeignet. Ein wichtiger Meilenstein war für mich, 2014 am Foto-Workshop „Blasti – mein Platz“ der deutschen Nichtregierungsorganisation SocialVisions e. V. in Tunis teilzunehmen. Während des Workshops suchten wir – acht tunesische Frauen – in ganz Tunis „unsere Plätze“ und fotografierten sie. So konnten wir unsere Perspektive auf den öffentlichen Raum und unsere Wahrnehmung des Konzepts von Räumen für Frauen in Tunesien vorstellen. Die Fotos wurden dann in der Nationalbibliothek in Tunis und im Rathaus Stuttgart gezeigt.

„Amina’s Story“ – PhotoVoice’s Partnership / Overseas Development Institute (ODI): Amina Gharred spricht über das Empowerment von Frauen in Tunesien (englisch)

Seitdem konnte ich mich fotografisch sehr weiterentwickeln, zum Beispiel absolvierte ich 2015 im Rahmen eines Stipendiums des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) ein dreimonatiges Praktikum zur Dokumentarfotografie an der Folkwang-Universität der Künste in Essen. Daraus entstand ein Projekt über syrische Flüchtlinge in Deutschland. Für das Institut für Auslandsbeziehungen bin ich heute übrigens Country Representative des CrossCulture Programms. Vor Kurzem wurde ich als Mitglied in das Künstlernetzwerk Arts Twenty Thirty aufgenommen, in dem sich Künstler aus aller Welt zusammengeschlossen haben, die sich für die Umsetzung der SDGs engagieren.

Sie haben bestimmt auch schon weitere Pläne?

Amina Gharred: Ja! In meiner Heimatstadt Mahdia, die unter anderem für ihr römisches Amphitheater bekannt ist, möchte ich mit einem Fotoprojekt vor allem junge Menschen dafür begeistern, sich für den Schutz des kulturellen Erbes der Stadt einzusetzen. Sie tun damit nicht nur für die Kunstschätze selbst etwas Gutes, sondern auch für die lokale nachhaltige Entwicklung.

Ich sehe in der Dokumentarfotografie noch viele weitere Möglichkeiten, um die Menschen zu sensibilisieren, zum Beispiel gegenüber anderen Lebensstilen, sozialer Ungerechtigkeit, Jugendarbeitslosigkeit, Migration, Gesundheit und vielem mehr. Ich glaube einfach an die Macht der Bilder!

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Autorin: Susanne Reiff, to the point communication

Sie haben selbst Fotos zur Agenda 2030 gemacht?

Teilen Sie diese doch mit den Mitgliedern der Community-Gruppe zum Fotowettbewerb „Agenda 2030: Seht her – Macht mit“: Einfach hochladen und kurz dazuschreiben, warum Sie gerade dieses Motiv gewählt haben und warum die Erreichung der SDGs für Sie wichtig ist!

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Juni 2018

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