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Angel Zarate: „Es gibt keine Hindernisse, nur Herausforderungen“

Name: Angel Zarate
Lebt in: Osnabrück
Herkunftsland: Mexiko
Deutschlandaufenthalt: 2015 bis heute (Stand August 2016) in Osnabrück
Bildungs- und Forschungseinrichtung: Hochschule Osnabrück
Beruf: Student im Masterstudiengang „Management in Nonprofit-Organisationen“

„Es gibt keine Hindernisse, nur Herausforderungen“ – das ist die Philosophie von Angel Zarate. Er ist 30 Jahre alt, stammt aus Mexiko und studiert im dritten Semester den Masterstudiengang „Management in Nonprofit-Organisationen“ an der Hochschule Osnabrück. Der Stipendiat im Helmut-Schmidt-Programm des DAAD ist ein Kämpfer: Mit Herzblut setzt er sich für andere ein – und von Rückschlägen lässt er sich nicht beirren. Angel Zarate leitet die Organisation „Sinergia Filantrópica de México“ (SFM), die benachteiligte Kinder und Jugendliche fördert und so die Zukunft Mexikos verbessern will. Schon heute nutzen rund 300 Kinder im Alter von neun bis 14 Jahren die Angebote von SFM, zu denen etwa After-School- und Buddy-Programme sowie Sommerkurse zählen.

Video: „Sinergia Filantrópica de México“ (spanisch)

Dass der Mexikaner ausgerechnet in Deutschland seinen Master absolviert, ist kein Zufall. Sein Großvater stammt aus Bremen; Teile der Familie leben heute in Baden-Württemberg. Deutsch spricht der quirlige Zarate seit Kindertagen, manchmal auch mit einem nicht überhörbaren schwäbischen Akzent. Und eine weitere Person aus Deutschland spielt in seinem Leben eine große Rolle: Werner. „Werner ist wie mein Lebensmentor“, erzählt Zarate. Kennengelernt haben sie sich 2003 in Mexiko, als Werner auf Geschäftsreise ausgeraubt wurde und Angel Zarate ihm anschließend half. Seitdem verbindet die beiden eine tiefe Freundschaft. „Er hat mir alles über Unternehmen beigebracht und er ist immer ehrlich, das finde ich super", fährt Zarate fort. Werner war es auch, der Angel Zarate wertvolle Tipps für den Aufbau von SFM gab. Schon vor der Gründung von SFM im Jahr 2010 hatte der junge Mexikaner gelernt, mit Rückschlägen umzugehen.

Ende einer Sportlerkarriere

Angel Zarate besitzt einen schwarzen Gürtel in Karate. Mit 19 Jahren war er bereits zwei Mal Weltmeister im Leichtgewicht. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft 2007 in Las Vegas brach er sich allerdings die Schulter – das Aus für die Karriere als Sportler. Es war die Begegnung mit einem Kind im Rollstuhl, die den frustrierten Zarate neuen Mut schöpfen ließ. „Du wirst gesund werden. Ich werde mein Leben lang nicht das tun können, was ich liebe“, sagte der Junge. Angel Zarate wollte nicht länger verzweifeln und sich stattdessen für andere engagieren. 

So gründete er 2010 mit einem Freund die „Sinergia Filantrópica de México“, die sich zunächst hauptsächlich dem Umweltschutz widmete. 2012 startete die SFM ihre After-School-Programme für benachteiligte Kinder. Doch Angel Zarate und seine Mitstreiter mussten noch viel über die Arbeit in einer NGO lernen. „Eigentlich hatten wir keine Ahnung, ‚wie der Hase läuft‘ und haben komplett bei Null angefangen“, sagt er heute rückblickend. Doch Angel Zarate gab nicht auf – und stellte mit der Zeit fest, dass ein Masterstudium hilfreich wäre. Er stieß auf das Helmut-Schmidt-Programm für Masterstipendien im Bereich Public Policy and Good Governance. Genauer: auf den Osnabrücker Studiengang „Management in Nonprofit-Organisationen“. Im Dezember 2014 erhielt er die Zusage des DAAD. Das Studium begeistert Angel Zarate, vor allem der enge und intensive Austausch mit den Dozenten, mit denen er all seine Fragen direkt besprechen kann. Seinem SFM-Team gibt er das Wissen direkt weiter und professionalisiert so die Organisation mehr und mehr.

Weiterentwicklung der NGO

In den letzten eineinhalb Jahren hat sich die SFM enorm weiterentwickelt. Die Unterstützung seitens des DAAD motivierte Angel Zarate und der Koordinator des Helmut-Schmidt-Programms an der Hochschule Osnabrück empfahl ihm, seine Organisation auch in Deutschland zu stärken; inzwischen gibt es einen deutschen Verein von SFM. Entscheidend hierfür war die große Unterstützung einer befreundeten Kölner Jurastudentin für Zarates Engagement. Und auf einem Stipendiatentreffen stellte der Mexikaner seine Organisation ebenfalls vor und fand offene Ohren: Andere Stipendiaten planten direkt, das Konzept für ihre Heimatländer aufzugreifen.

Im nächsten Jahr wird SFM eine eigene Schule eröffnen. Angel Zarate hat sich von Deutschland, aber auch von Finnland inspirieren lassen: „In Finnland wird kein Kind zurückgelassen. Wenn es nötig ist, bekommen die Kinder Zusatzunterricht. In Deutschland hat mich begeistert, dass sich alle so für Bildung engagieren.“ Auch die technologisch gute Ausstattung der Schulen nimmt SFM sich zum Vorbild. „Ich arbeite nicht für mich, sondern für meine Enkel“, betont Angel Zarate. „Ich möchte dazu beitragen, dass die Menschen in Mexiko mehr Selbstvertrauen haben und daran glauben, dass alles möglich ist, wenn sie es nur versuchen.“

Zum Profil von Angel Zarate in der Community

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf DAAD.de publiziert.

(c) Maria Horschig / Societäts-Medien, DAAD aktuell

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